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9 Fehler beim Investieren in ETFs und wie du sie vermeiden kannst

Auch beim Investieren in ETFs kann man leicht den einen oder anderen Fehler machen. Welche Fehler sind das und wie kann man sie vermeiden?

Wer in ETFs investiert und sich ein Portfolio aufbaut, kann auch manches falsch machen. Zum Beispiel einen großen Anteil des Kapitals in heimische Unternehmen zu investieren oder das Investment immer wieder aufschieben, weil der Zeitpunkt gerade ungünstig erscheint.

Lerne die häufigsten Fehler kennen und erfahre, wie du sie vermeidest.

Auf den richtigen Einstiegszeitpunkt warten

Wenn man nicht regelmäßig spart, sondern einmalig einen größeren Betrag investieren möchte, stellt sich für viele Anleger die Frage nach dem optimalen Einstiegszeitpunkt. Kurz und knapp: Den kann man immer nur im Nachhinein bestimmen, also ex post. Und nicht ex ante, also vorher. Denn man weiß nie, wenn man Wertpapiere kauft, ob die Kurse in der nächsten Zeit steigen, stagnieren oder rückläufig sein werden. Um die Gefahr zu reduzieren, einen ungünstigen Zeitpunkt für seine Investments zu erwischen, empfiehlt es sich, den Kauf auf mehrere Zeitpunkte zu verteilen.

Wer beispielsweise 100.000 EUR investieren möchte, kann zum Beispiel alle zwei Monate 20.000 EUR investieren. So geht er der Gefahr aus dem Weg, einen rabenschwarzen Tag zu erwischen, da in diesem Beispiel insgesamt fünf Mal gekauft wird. Natürlich könnte man in diesem Fall auch 10 Mal 10.000 EUR investieren. Wer dagegen einen ETF-Sparplan bedient, muss sich über den optimalen Einstiegszeitpunkt keine Gedanken machen.

Starke Korrelationen zwischen ausgewählten ETFs

Ein weiterer Fehler wäre, ETFs mit starken Korrelationen untereinander zu kaufen. Das bedeutet: Wenn die Kurse des ETF I fallen, fallen auch die Kurse des ETF II. Das wäre zum Beispiel gegeben, wenn man einen ETF auf den MSCI World Index kauft, in dem rund 60 Prozent US-Aktien enthalten sind und zusätzlich noch einen ETF auf den S&P 500, der die 500 größten nordamerikanischen Aktien enthält.

Streut man dagegen sein Risiko weltweit, wird die Korrelation deutlich geringer sein. Zum Beispiel, wenn man zum MSCI World Index den MSCI Emerging Market Index hinzunehmen würde. Dann würde man in die größten 1.600 Unternehmen aus entwickelten Ländern investieren und in ca. 800 Unternehmen aus Schwellenländern; also in insgesamt über 2.400 verschiedene Unternehmen.

Noch größer wäre der Diversifikationsaspekt, wenn man eine andere Anlageklasse wie zum Beispiel Rohstoffe ergänzen würde, deren Korrelation mit Aktien in der Vergangenheit oft negativ war. Denn gemäß der modernen Portfoliotheorie werden bis zu 90 Prozent der Rendite eines Portfolios durch die Kombination verschiedener Anlageklassen erklärt.

Zu diesen Anlageklassen gehören u. a. Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffe und der Geldmarkt. Und nur ca. 10 Prozent der Rendite eines Portfolios resultieren aus der Auswahl von Wertpapieren innerhalb einer Anlageklasse.

Häufiges Traden – keine klare Anlagestrategie

Manch Privatanleger glaubt, den Markt schlagen zu können. Zum Beispiel, weil sein Banker ihm gerade die neuesten Investmenttrends verraten hat und er deshalb jetzt auf ETFs zur Künstlichen Intelligenz oder zum Thema Wasser setzen möchte. In der Regel sind das Ergebnis häufigen Tradings nur höhere Kosten, die die Nettorendite letztlich empfindlich schmälern.

Merke: Während du die Rendite einer Geldanlage in der Regel nicht beeinflussen kannst, gilt dies für die Kosten sehr wohl. Deshalb sind aktive Anlagestrategien eher weniger empfehlenswert, weil sie vor allem hohe Kosten verursachen, aber meist wenig Rendite bringen. Ganz im Gegensatz zu passiven Strategien wie Buy and Hold. Zu Deutsch: Kaufen und sehr lange halten, ohne zwischendurch zu traden. Das ist eine der nachweislich erfolgreichsten Anlagestrategien an der Börse, die man praktizieren kann.

Weglassen der Sicherheitskomponente

Ein ETF-Portfolio sollte grundsätzlich aus zwei Komponenten bestehen: Einer sicherheitsorientierten Anlagekomponente und einer risikobehafteten Anlagekomponente. Dabei sollte die sicherheitsorientierte Komponente entweder aus Anleihen ETF bestehen oder aus Tages- bzw. Festgeld.

Mit Tages- oder Festgeld lassen sich nämlich noch die Gebühren sparen, die den Ertrag bei Anleihen ETFs sonst noch schmälern würden. Die sicherheitsorientierte Komponente einfach wegzulassen wäre ein kapitaler Anlegerfehler und würde das Risiko deines Portfolios enorm erhöhen.

Mangelnde Diversifikation

Diversifikation bedeutet Risikostreuung. Da ich nicht weiß, welches Pferd das nächste Rennen gewinnen wird, setze ich einfach auf mehrere Pferde. In der Hoffnung, dass mein Portfolio insgesamt gut abschneiden wird. Das heißt: Idealerweise streue ich mein ETF-Portfolio weltweit über verschiedene Anlageklassen und auch innerhalb einer Anlageklasse. Am besten mit ETFs. Damit kannst du garantiert nichts verkehrt machen

Home Bias

Home Bias ist ein Phänomen, das weltweit greift. Überall auf der Welt neigen Anleger dazu, bevorzugt in die heimischen Aktien zu investieren. Sogar der Präsident der Deutschen Bundesbank hat einen ETF auf den MSCI All Country World Index und einen auf den DAX.

Damit macht auch er – der es eigentlich besser wissen sollte – diesen Fehler, übermäßig in heimische Aktien zu investieren. Aus wissenschaftlicher Sicht würde ein Anteil von vier Prozent völlig ausreichen, um den deutschen Aktienmarkt ausreichend abzudecken.

Zu kleine ETFs

Ein weiterer Fehler wäre, in zu kleine ETFs zu investieren. Ein ETF braucht eine gewisse Größe, um von der Kapitalanlagegesellschaft wirtschaftlich betrieben werden zu können. Diese Grenze liegt bei etwa 50 Millionen EUR oder USD Fondsvolumen. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten ETFs besser mindestens 100 Mio. EUR oder USD Fondsvolumen haben. Sonst besteht die Gefahr dass kleine ETFs unter einem neuen Namen zusammengelegt oder sogar ganz geschlossen werden.

ETFs nur anhand der TER auszusuchen

Zahlreiche Beispiele zeigen, dass man nicht immer gut beraten ist, wenn man einen ETF streng nach der Höhe seiner Total Expense Ratio (TER) auswählt. Denn der ETF mit der niedrigsten TER ist nicht zwangsläufig der ETF mit der höchsten Rendite. Vielmehr sind Total Cost of Ownership hier ausschlaggebend. Doch diese sind schwierig zu bestimmen, während die TER eine Pflichtangabe im Factsheet bzw. Verkaufsprospekt des jeweiligen ETFs darstellen.

In ETFs zu investieren, die man nicht versteht

Eine wichtige Börsenregel lautet, dass man nur in ETFs investieren sollte, deren Anlagestrategie man auch versteht. Das ist bei ETFs der ersten Generation meist gegeben, denn diese bilden einen bestimmten Börsenindex in der Regel Eins zu Eins nach.

Dabei sind die einzelnen Unternehmen im Index nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet. Dies gilt jedoch weniger für sogenannte Smart-Beta-ETFs, die das Ziel haben, den Markt (regelbasiert) zu schlagen. Vor allem sogenannte Multi-Factor-ETFs haben oft eine komplizierte Konstruktion und sind häufig nur schwer zu verstehen. Da sollten Anleger es sich überlegen, ob sie in solche komplexen und schwierig zu verstehenden ETFs überhaupt investieren wollen.

Fazit

Auch beim Investieren in ETFs kann man manchen Fehler machen. Diese Fehler können dazu führen, dass sich das Portfolio weniger gut entwickelt als es möglich wäre. Das fängt bei der Suche nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt an und hört bei mangelnder Risikostreuung auf. Deshalb ist ein Basis-Know how in Bezug auf Geldanlage mit ETFs unerlässlich. Und das findest du unter anderem auf diesem Blog.


Über den Gastautor:
Dr. Jürgen Nawatzki ist Finanzblogger und Internetunternehmer. Früher war er u. a. Finanzberater bei MLP. Doch heute ist er vollkommen vom Konzept börsengehandelter Indexfonds (ETFs) überzeugt. Deshalb betreibt er seit über vier Jahren den Finanzblog ETF-Blog.com, wo es um Geldanlage und Altersvorsorge mit ETFs geht. Seine Mission: Zukünftige Rentner vor Altersarmut zu bewahren.


 

  • Hervorragender Artikel,
    ich selbst finde mich mit meinen Fehlern leider darin wieder.

    Ich bin mir allerdings in dem Punkt „Weglassen der Sicherheitskomponente“ recht unsicher. Ich selbst investiere größtenteils in den MSCI World & EM. Kann man die Sicherheitskomponente bei einem Anlagehorizont von 30 Jahren nicht erst einmal außen vor lassen? Würden denn nicht 3 Monatsgehälter für eventuelle Reparaturen oder Neuanschaffungen ausreichen? Das Ziel ist ja renditestark zu investieren.

    Gruß Tim M.

  • „ETFs nur anhand der TER auszusuchen“ – hier hätte der Hinweis zu Trackingdifferences gut gepasst. Denn diese Kennzahl zeigt klar, wie gut der ETF den Index abbildet, da lassen sich keine Kosten verstecken.

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