- Was Anleihen sind
- Welche Vorteile und Nachteile sie dir bieten
- Und wie du in Anleihen investierst, um dein Vermögen zu schützen oder monatlich Zinsen zu kassieren.
In Anleihen investieren – ein Komplett-Überblick
Was sind Anleihen und zu was sind die gut?

- Nennwert: Wie viel Geld du leihst (z.B. 100 €).
- Zinscoupon: Die Zinsen, die du jährlich bekommst.
- Laufzeit: Wie lang die Anleihe läuft.
Wie entsteht der Zinssatz von Anleihen?

Der Anleihekurs – wie kommt er zustande?

- Der Marktzins steigt: Der Kurs der Anleihe fällt.
- Der Marktzins fällt: Der Kurs der Anleihe steigt.
Was sind die Risiken von Anleihen?

- Ausfallrisiko: Der Schuldner ist pleite und kann nicht zahlen.
- Zinsänderungsrisiko: Die Zinsen steigen, die Kurse fallen.
- Währungsrisiko: Du kaufst eine Anleihe in Dollar, nun fällt der Dollar gegenüber dem Euro und du bekommst weniger raus.
- Inflationsrisiko: Die Inflation steigt und verputzt deine mageren Zinsen – umso länger die Laufzeit, desto höher dieses Risiko.
- Kündigungsrisiko (nur Unternehmen): Viele Unternehmen behalten sich das Recht vor, Anleihen zu kündigen, wenn die Zinsen fallen. Du bekommst dann den Nennwert zurück – die erwarteten Zinsen allerdings nicht.
- Liquiditätsrisiko: Anleihen werden nicht so rege gehandelt wie Aktien; schlimmer ist es noch, wenn du exotische Anleihen hältst – beispielsweise eine Anleihe auf ein französisches Weingut in Bordeaux -, dann musst du einen Abschlag zahlen, um die Anleihe doch an den Sommelier zu bringen.
Was sind die Vorteile von Anleihen?

1. Diversifikation
Stelle dir Aktien und Anleihen vor wie Mann und Frau im Bett mit nur einer Decke – in der Nacht zieht zuerst der Mann die Decke zu sich, die Frau wacht bibbernd auf und zieht die Decke wieder zurück. Dann friert dem Gatten und er erobert die Decke erneut. Die ganze Nacht das gleiche Spiel. Genauso ist es mit Aktien und Anleihen: Laufen Aktien gut, steht es schlecht um die Anleihen – keiner will sie kaufen, weil sie weniger Rendite abwerfen. (Die Rendite-Decke ist bei den Aktien). Crashen jedoch die Aktien, ziehen die Anleihen die Rendite-Decke zurück – die Anleger wollen Sicherheit und investieren in Anleihen. Beispielsweise fielen in der Finanzkrise 2008 Aktien global um 37 %; Anleihen hingegen stiegen um 10 %. Diesen Decken-Krieg kannst du ausnutzen, und zwar mit der Diversifikation, der Risikostreuung: Du verringerst dein Risiko, indem du über mehrere Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Immobilien…) dein Geld streust. Denn Anlageklassen sind nicht die chinesische Volksbefreiungsarmee – sie laufen nicht im Gleichschritt. Wenn eine Anlageklasse himmelsstürmend steigt, fällt die andere oder steigt nur minimal. So gleichst du Risiken aus und dein Vermögen schrumpft nicht allzu sehr, wenn Aktien auf Talfahrt sind. Natürlich schmälerst du dadurch etwas deine Rendite, weil Aktien langfristig die renditestärkste Anlageklasse sind. Doch das Risiko sinkt überproportional: Du senkst mit Anleihen MEHR das Risiko, als du an Rendite verlierst. Wie das genau funktioniert, erfährst du unten in den Praxisbeispielen:2. Sicherheit
Gerade habe ich es schon angestoßen wie ein Sektglas zum Hochzeits-Toast: Anleihen sind die Bodyguards deines Portfolios, sie sind zuständig für die Sicherheit. Denn KURZFRISTIG (unter 20 Jahre) schwanken Anleihen deutlich weniger als Aktien. Vor allem Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit (max. 3 Jahre), ausgezeichneter Bonität (AAA bis AA) und ausgegeben in der Heimatwerbung, sind mit Abstand die sicherste Anlageklasse. Viel sicherer als Tagesgeld, Festgeld oder Hochglanz-Unternehmen – warum? Weil Staaten das Gewaltmonopol haben:- Durch Steuern, Zwangsabgaben und Gelddrucken können sie sich refinanzieren.
- Mit Gesetzen und Subventionen können sie Unternehmen und Branchen fördern oder in die Knie zwingen (siehe Solarkraft).
- Ist ein Staat kurz vor der Pleite, wird er meistens gerettet – bei Apple springt kein Internationaler Währungsfonds ein.
- Außer wenn Krieg herrscht, gehen Staaten nur selten bankrott – Unternehmen und Banken gehen ständig ein wie schlecht gegossene Orchideen.
3. Sicheres Einkommen
Eine Dividendenstrategie mag zwar rentabler sein, aber unsicherer: Unternehmen müssen keine Dividende zahlen. Gerade in Corona-Zeiten werden Dividenden gekappt wie zu lange Fingernägel. Anders ist es, wenn du in Anleihen investierst: Die Zinsen sind verbrieft, daran kann keiner rütteln oder schütteln. Solange der Ausgeber nicht ausfällst, erhältst du deine Zinsen. Wer also ein festes, regelmäßiges und sicheres Einkommen sucht, ist mit Anleihen besser aufgehoben. So viel zur grauen Theorie – jetzt färben wir sie bunt, und zwar mit Praxisbeispielen, wie du in Anleihen investieren kannst:Wann macht es Sinn, in Anleihen zu investieren?

1. Sichere dein Portfolio
In seinem Buch „Souverän Investieren mit Indexfonds & ETFs“ gibt Gerd Kommer die Marschrichtung vor, indem du dein Vermögen in zwei Teile aufteilst – einen risikolosen und einen risikobehafteten:- Risikolos: Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit (max. drei Jahre) höchster Bonität und in Euro (mithilfe eines Anleihen-ETFs)
- Risikobehaftet: Aktien und ggf. zur weiteren Diversifizierung Immobilien und Rohstoffe.
| Kennzahl | 70/30 Weltportfolio | 100 % Aktien weltweit (70-30 Vanguard Portfolio) |
| Maximum Drawdown | -23,9 % am 23 März 2020 (Auflegung 2013) | -32,5 % am 23 März 2020 (Auflegung 2014) |
| Rendite p.a. | 6,88 % p.a. | 7,49 % p.a. |
Es zeigt die Wertentwicklung über 20 Jahre – von 1996 bis 2016:
| Kennzahl | 100 % Aktien (globaler Aktienmarkt) | 60 % Aktien weltweit und 40 % Geldmarkt und Anleihen |
| Rendite p.a. real | 6,5 % | 5,0 % |
| Maximum Drawdown | -57 % im Februar 2009 | -34 % im März 2003 |
2. Monatliche Ausschüttungen
Zinsen und Dividenden – diese beide Wörter beten Einkommens-Investoren herunter wie Gläubige das Vaterunser. Mit ihnen finanzieren sie ihren Lebensunterhalt, sie verdienen ein passives Einkommen. Doch ein Problem haben sie: Die Regelmäßigkeit fehlt. Manche Aktien schütten in Juni aus, andere im August, dann diese Anleihe im Dezember – so sprudelt in manchen Monaten das Einkommen wie der Niagara, in anderen nur wie die Teich-Fontäne des Nachbarn. Dafür gibt es eine Lösung: Monatliche Ausschüttungen mit Dividenden und Anleihen. Die Portfolios entnehme ich wieder extraETF – klicke einfach auf die Links in der entsprechenden Kopfzeile, um die Zusammensetzung zu erfahren:| Kennzahlen | Monatliche Ausschüttungen 100 % Aktien | Monatliche Ausschüttungen 50 % Anleihen |
| Ausschüttungsrendite 2020 | 4,43 % | 4,28 % |
| Rendite p.a. seit 2014 | 3,98 % p.a. | 5,73 % p.a. |
| Maximum Drawdown | -39,3 % am 23. März 2020. | -27,7 % am 23. März 2020. |
- Die Ausschüttungsrendite ist mit gut 4 % hoch – bei einem Kapital von 350.000 € sind das knapp 15.000 € im Jahr OHNE Steuern und ETF-Kosten!
- Die Rendite ist mit fast 6 % p.a. nicht schlecht – ABER: Renditen der Vergangenheit sind keine Garantie für die Zukunft.
3. Spekulation
Spekulation – dieses Wort liegt vielen Anlegern eklig im Mund wie der Zungenbelag nach einer durchzechten Nacht. Trotzdem ist an Spekulation nichts auszusetzen, solange du erfahren bist, die Risiken kennst und einschätzen kannst und bereits ein sicheres Portfolio aufgebaut hast. Dann darf jeder ein bisschen spielen. Doch wie spekulierst du mit Anleihen? – vor allem mit den Kursen: Die Kurse von Anleihen schwanken, zumal bei Wackelkandidaten wie unsicheren Staatsanleihen oder Unternehmen am Rande der Insolvenz. Deren Kurse sind nur noch ein Bruchteil des Nennwertes; kaufst du die Anleihen ein, winkt dir ein hübsches Sümmchen, FALLS sich der Schuldner finanziell erholt. Beispielsweise drohte Argentinien 2020 wieder der Staatsbankrott, er wurde jedoch im August rechtzeitig abgewendet. Zwischenzeitlich sanken deshalb die Anleihen bis 18.04.2025 auf 26 % des Nennwertes – im August standen sie wieder bei knapp 44 %. Wer mutig war und die Chance erkannt wie genutzt hat, konnte fast 20 % Gewinn einstreichen. Was sind andere Beispiele?A. Zinsdifferenz zwischen Staaten
2004 konnten gewiefte Anleger zuschlagen: Der Leitzins in den USA betrug 4,5 %, während er in Japan nahe Null war. Wie konnte man das ausnutzen? Man verschuldete sich zu minimalen Zinsen in Japan und investierte das Geld in amerikanische Staatsanleihen. Die Zinsen deckten die japanischen Schulden und warfen bei entsprechend hohen Kapital ein nettes Sümmchen ab. Risiko hierbei: Die Währungskurse können sich abrupt ändern, sodass man für Yen weniger Dollar bekommt; zusätzlich konnten die Zentralbanken den Leitzins verändern. Was wiederum die Spekulation zerstört wie eine Häusersprengung.B. Ein genialer Coup von Kostolany
Die Börsenlegende André Kostolany war nach dem 2. Weltkrieg auf Einkaufstour. Er investierte in Anleihen besiegter Nationen wie Deutschland, Japan oder Italien und spekulierte: Die Verlierer werden ihre fälligen Staatsanleihen bezahlen – was sie auch taten. Der größte Coup gelang ihm mit deutschen, 5,5 -prozentigen Young-Anleihen bei einem Nennwert zu 1000 Francs. Er kaufte sie zu einem Kurs von 25 % (250 Francs) und strich pro Anleihe 35.000 Francs ein! Woher kam die Steigerung des Nennwertes um 3400 %? Seit 1930 hatte sich der Franc gegenüber dem Dollar stark abgewertet, doch Deutschland wollte der Welt nach dem Krieg beweisen, wie kreditwürdig es sei. Deshalb hat Adenauer die Anleihe nicht in Francs zurückgezahlt, sondern in Dollar – mit den rückständigen Zinsen machte das umgerechnet 35.000 Francs. Quelle: André Kostolany, Börsenseminar. Natürlich sind solche unglaublichen Beispiele selten wie Saigaantilopen.Fazit: in Anleihen investieren

- Du kannst das Risiko deines Portfolios drastisch reduzieren, ohne viel Rendite einzubüßen.
- Verdiene bei genügend Kapital ein monatliches passives Einkommen.
- Erfahrene Anleger können mit Anleihen vorzüglich spekulieren.
Über den Autor:
Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.
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