In Aktien investieren: eine kinderleichte Anleitung für Einsteiger

Wie Untermieter haben sich Aktiengesellschaften bei dir eingenistet. Deinen Durst löscht Coca Cola, deinen Bart rasiert Procter & Gamble und wenn du den BH deiner Freundin öffnest – dann hast du Limited Brands (Victoria’s Secret) in der Hand. Also die Frage: Jeden Tag nutzt du die Produkte von Unternehmen; warum nicht in ihre Aktien investieren?

Nicht nur lernst du den BH deiner Freundin besser kennen; vor allem baust du ein Vermögen auf. Keine Niedrigzinsen. Keine Altersarmut. Keine Geldsorgen – das sind die himmelblauen Aussichten, wenn du clever in Aktien investierst. Wie das geht, erkläre ich dir jetzt.

Was sind Aktien?

Unter „Braun“ kannst du dir etwas vorstellen? Elektrische Rasierer, die Boateng, Lewandowski oder Kimmich stolz in der Werbung präsentieren. Die Rasierer sind die Produkte, Braun die Marke, aber die Aktiengesellschaft dahinter?

Das ist Procter & Gamble: ein amerikanischer Riesenkonzern. Er gibt die Aktien aus; und wenn du eine kaufst, gehört dir ein Teil von „Braun“. Denn Aktien sind Unternehmensanteile. Auf dem Schriebs steht: Mir gehört so viel von Procter & Gamble und damit auch von Braun.

Eine Aktie ist also nichts weiter als ein klitzekleines Stückchen Unternehmen (und ist damit ein Sachwert). Bei einem Marktwert von über 300 MILLIARDEN! bei Procter & Gamble wohl nicht mehr als umgerechnet ein Rasierer. Trotzdem stopfst du dem Unternehmen nicht nur Geld in den Rachen – wie ein Wollknäuel wirkt es auch einiges für dich wieder aus:

Kursgewinne: Wirtschaftet das Unternehmen über Jahre hinweg profitabel, klettert der Kurs nach oben. Der Wert des Unternehmens steigt.

Gut für dich: Denn gleichzeitig steigt der Wert deiner Aktie. So vermehrt sich dein Vermögen und zeugt Kinder, die dich irgendwann ernähren. Mit der steigenden Rendite profitierst du so vom Zinseszinseffekt. Deshalb lohnt es sich, in Aktien zu investieren.

Dividenden: Das sind Gewinnausschüttungen. VW macht z. B. einen Gewinn von 1 Milliarde Euro und will davon 50 Prozent an die Aktionäre ausschütten. Sagen wir, es gibt 1 Million VW-Aktien; dann bekommt jeder Aktionär pro Aktie 500 € (500 Millionen ÷ 1 Million).

Die Summe ist zwar unrealistisch wie ein Marvel-Film, das Prinzip sollte jedoch klar sein – du wirst am Gewinn beteiligt. Zwar macht das nicht jedes Unternehmen, aber die meisten.

Falls du jetzt denkst: Genial, Geld auf die Kralle! Dann lese dir den Artikel „Dividendenstrategie“ durch. Dort habe ich Dividenden fachmännisch erklärt wie Peter Lustig den Wasserkreislauf.

Stimmrechte: Als Privat-Aktionär gehört dir nur ein popeliges Stück Unternehmen – trotzdem gehört es dir. Das heißt: Du darfst mitreden. Zwar nicht auf den Tisch hauen, aber mitreden. Deshalb lädt der Konzern jährlich ein zur Hauptversammlung.

Und deine Aktie ist die Eintrittskarte. Dort wird über wichtige Entscheidungen abgestimmt wie die Dividenden oder den Kurs des Unternehmens. Beispielsweise entschieden die Lufthansa-Aktionäre im Juni 2020, dass der Staat die Fluggesellschaft retten darf. So mächtig ist die Hauptversammlung.

In welche Aktien kannst du investieren?

Aktie ist nicht gleich Aktie – genauso wenig, wie Hund gleich Hund ist. Wie Chihuahua, Dackel oder Bulldogge gibt es auch mehrere Aktienarten. Die grobe Unterteilung ist:

Stammaktien: Deren Halter haben Stimmrechte – sie dürfen auf der Hauptversammlung mitbestimmen. Deshalb sind die meisten Stammaktien in den Händen der Großaktionäre; sie kommandieren das Unternehmen wie Kramp-Karrenbauer die Bundeswehr.

Vorzugsaktien: Hier ist Mitreden verboten; dafür werden diese Aktionäre finanziell entschädigt. Erst sie erhalten eine Dividende – danach die Stammaktionäre. Außerdem fällt die Dividende oft höher aus und falls das Unternehmen bankrottgeht, sehen Vorzugsaktionäre früher Geld.

Einteilung nach der Größe

Du kannst in Aktiengesellschaften verschiedener Größe investieren. Dabei gibt es eine Faustregel: Umso größer das Unternehmen, desto sicherer die Anlage. Klar: Irgendeine mickrige Klitsche aus der Uckermark geht eher pleite als ein Riese wie Allianz.

Dafür bieten dir kleine Unternehmen höhere Chancen – sie können dich reich machen, wenn sie wachsen wie die Bohnenranke im Märchen. Ein Beispiel: Amazons Aktie begann mit ein paar Cents und steht nun bei über 2500 $.

Jetzt, wo du hechelst, speichelst und die Gier pulsiert, sage ich dir: Lasse als Anfänger die Finger davon.

Denn auf jedes Amazon kommen hundert Unternehmen, die es nicht packen.

Suche zu Anfang nicht die Nadel im Heuhaufen, sondern kaufe zuerst die ganze Scheune – also die großen Unternehmen. Steht die Scheune (du hast Vermögen aufgebaut), darfst du gern die Nadel suchen.

Diese Größen gibt es:

Large-Cap: Das sind die größten Unternehmen – beispielsweise die 30 Unternehmen in unserem DAX. Die Marktkapitalisierung (Aktienkurs x Anzahl Aktien) beträgt mehrere Milliarden.

Mid-Caps: Das sind mittelgroße Unternehmen, die bereits auch über 1 Milliarde Wert sind. In Deutschland sind sie im M-DAX vertreten.

Small-Caps: Darunter fallen die Unternehmen, deren Marktkapitalisierung 1 Milliarde unterschreitet. Sie sind in Deutschland im S-DAX versammelt.

Einteilung nach der Branche

Streue zu Anfang deiner Aktienreise dein Vermögen auf verschiedene Branchen – IT, Finanzen, Wasser… Warum? So verringerst du das Risiko: Zurzeit (Juli 2020) gehen Technologie-Aktien durch die Decke, während Ölkonzerne in ihrer schwarzen Brühe ersaufen. Keiner will Öl.

So gleichst du das Risiko aus: Geht es einer Branche schlecht, laufen andere dafür gut.

Deswegen ist Diversifikation so wichtig.

Nimm nur Corona: Tourismus-Aktien sind Rohrkrepierer, während sich Aktien des täglichen Bedarfs hervorragend entwickeln.

Am besten ist: Du kaufst zu Anfang nur eine Aktie pro Branche. Das verringert das Risiko, falls eine Branche strauchelt. Wenn jedoch nach und nach dein Börsen-Wissen gedeiht, kaufe andere Aktien der gleichen Branche dazu.

Aber zuerst kommt die Erfahrung!

Zur groben Unterteilung:

Zyklische Aktien: Das sind Aktien aus Branchen, die stark von der Wirtschaft abhängig sind. Beispiel: Autos. Schwächelt die Wirtschaft, haben die Leute weniger Geld – die Folge: Sie fahren länger ihre Klapperkiste, anstatt mit ihrem neuen BMW den Neid der Nachbarn anzustacheln.

Antizyklische Aktien: Das sind Branchen, die bis zum Weltuntergang gut laufen. Auch in der Krise wird getrunken, im Krieg gegessen, während Corona telefoniert. Solche Branchen sind: Nahrungsmittel, Telekommunikation oder Produkte des täglichen Bedarfs.

In Aktien verschiedener Länder investieren

Macht dein Depot an der deutschen Grenze halt, entgehen dir hervorragende Aktien. Zudem verzichtest du auf Sicherheit und geheime Chancen. Denn europäische Aktien können schwächeln, während beispielsweise chinesische Aktien durch die Decke gehen.

Ein Beispiel: Ende der 80 Jahre hatte sich der japanische Leitindex Nikkei mehr als verdoppelt – Gut, wenn man damals japanische Aktien gehalten hat. Nach der Sause kam jedoch der bittere Crash – noch besser, wenn man nicht nur japanische Aktien gehalten hat.

Du verringerst folglich das Risiko, wenn du in Aktien investierst, die aus verschiedenen Branchen und Ländern stammen – ohne deinen Erfolg zu beschneiden.

Was sind Aktienkurse?

Screenshot von Google

Die Aktienkurse musst du dir wie eine große Versteigerung vorstellen: Ein schmieriger, fetter Mann mit Zylinder und Dreitagebart grölt einen Preis in die Menge: VW 140? Habe ich 145 gehört? Meine Damen und Herren, da geht noch was! Wer greift zu, wer bietet mehr für diesen Autoriesen? 150 Verkauft!

Dieser Versteigerer heißt Angebot und Nachfrage. Nur er macht die Kurse:

Der Preis oder Aktienkurs ist dann die zackige Linie, die Angebot (ich verkaufe) und Nachfrage (ich kaufe) widerspiegelt: Wollen viele kaufen, dann geht die Linie nach oben. Warum? Umso mehr kaufen wollen, desto höhere Preise müssen sie bezahlen, um die Aktie zu bekommen.

Jetzt der umgekehrte Fall: ein neuer VW-Skandal erschüttert die Nachrichten. Panik bricht aus, alle wollen Aktien verkaufen. Was passiert? – genau: Die Preise fallen. Und warum? Weil niemand die Papiere haben will. Deshalb müssen sie billig sein, damit sie jemand abnimmt. Die Kurse fallen.

Die Aktienkurse sind also die Preise, die der Versteigerer (Angebot und Nachfrage) über die Börsen in die Welt gibt. Wollen mehr kaufen, geht der Preis nach oben. Wollen mehr verkaufen, fällt der Preis – das ist das ganze Geheimnis.

Warum scheint die Börse so verrückt?

Für Außenstehende scheint der Aktienmarkt wie ein tobender Saloon des Wilden Westens. Flaschen zerscheppern an Schädelknochen, man grölt, krakelt und schreit. Kugeln pfeifen, Betrunkene torkeln auf den Bänken und alles scheint in Wahnsinn zu ertrinken. Aus der Börse wirst du einfach nicht schlau.

Warum fällt der Kurs einer Aktie, wenn sie satte Gewinne macht? Warum steigt die Börse, obwohl die Wirtschaftsdaten so schlecht sind? Und wieso steigt ein Aktienkurs, wenn die Gewinne einer Firma miserabel sind? Kann mir das bitte irgendwer erklären? Kein Problem:

Die Börse schert sich nicht um das, was alle wissen. „Was jeder weiß, macht mich nicht heiß“, wie die Börsenlegende Kostolany sagt. Was meine ich damit? Steht in den Nachrichten: „Die Deutsche Bank macht 2 Milliarden Euro Gewinn“, dann interessiert das die Börse nicht. Wieso?

Jeder kennt diese Information – sie ist bereits eingepreist im Kurs der Deutschen Bank. Das bedeutet: Der Kurs verändert sich nicht mehr aufgrund dieser Information. Aber, wenn der Preis der Deutschen Bank trotzdem steigt? – ja dann spekuliert man auf weitere Gewinne in der Zukunft. Denn das ist die Börse:

Eine Wette, dass die Unternehmen kräftig Gewinne machen (steigende Kurse) oder untergehen wie ein Kanu im Atlantik (fallende Kurse). Nur die Zukunft interessiert – die Gegenwart überhaupt nicht. Das zeige ich dir jetzt an zwei Beispielen:

Der Kurs eines Unternehmens ist über Wochen gewachsen. Jetzt verkündet es sensationelle Gewinne – warum fällt trotzdem der Kurs? Das angepeilte Event (Gewinne) ist eingetreten und schon verkaufen die Aktionäre ihre Papiere. Sie nehmen die Gewinne mit, um den Profit einzustreichen.

Das gleiche Unternehmen verkündet wieder frische Gewinne; doch dieses Mal steigen die Kurse. Warum? Die Aktionäre sind optimistisch, dass die Rallye weiter geht (die Gewinne weiter steigen). So kaufen sie die Wertpapiere nach.

Also merke dir: Die Börse ist immer eine Wette auf die Zukunft. Ist die Stimmung mies, fallen die Kurse; ist die Stimmung bombastisch, kratzen die Kurse am Himmelszelt.

Deshalb bestimmt die Psychologie der Masse die kurzfristigen Börsenkurse. Erst langfristig, oft über mehrere Jahre, stimmt die Börse mit der realen Wirtschaft überein.

Dazu abschließend ein treffendes Zitat von André Kostolany:

„Die Börse diskontiert (einen zukünftigen Wert auf einen heutigen Wert herunterrechnen) nicht nur die Ereignisse des nächsten Jahres, sondern das, was das Publikum dann für das darauffolgende Jahr erwartet. Also eine Vorwegnahme der Vorwegnahme.“

Was sind die Risiken?

Oben hatte ich dir von den Chancen erzählt – Kursgewinne, Dividenden und Stimmrechte. Natürlich gehen Chancen und Risiken immer Hand in Hand. Denn hohe Gewinne sind immer die Prämien für hohe Risiken. Das besagt das magische Dreieck der Geldanlage.

Und deshalb zahlt dir Tagesgeld so wenig Zinsen: Die Anlage ist einfach zu sicher (und der Leitzins der EZB niedrig). Ganz anders bei Aktien: Hier können die Kurse innerhalb von Wochen um 100 % in die Höhe gehen, jedoch ebenso in den Keller rutschen. Deshalb sind das die Risiken:

Totalausfall:

Ein Unternehmen ist pleite und muss Insolvenz anmelden (Siehe Wirecard). Dann verlierst du schlimmstenfalls dein ganzes Geld, weil deine Aktie zum Eigenkapital zählt. Zur Wiederholung. Wenn du in Aktien investierst, erwirbst du einen Anteil am Unternehmen. Dein Geld gehört nun zum Unternehmen – es ist Eigenkapital.

Und leider steht Eigenkapital immer am Ende der Nahrungskette, wenn ein Unternehmen bankrottgeht. Zuerst werden die Gläubiger bezahlt: Banken, Zulieferer oder Privatpersonen, die eine Anleihe halten. Danach kommst du als Aktionär – und gehst meistens leer aus.

Wie schützt du dich dagegen? Indem du nur in gesunde Aktien investierst. Wie das geht, erkläre ich dir weiter unten.

Skandal oder Unternehmenskrise

Manchmal strauchelt ein einzelnes Unternehmen aus selbstverschuldeten Fehlern – so VW mit dem Dieselskandal. Dann bricht der Kurs für ein paar Monate oder sogar Jahre ein; und dein Vermögen schrumpft.

Rein rechnerisch hast du jedoch keinen Verlust gemacht. Willst du mich veräppeln? Der Aktienwert sinkt blutrot! Das stimmt, aber der Verlust ist erst wirklich da, wenn du ihn realisiert – d. h.: Du verkaufst die Aktie mit Verlust. Dann ist das Geld weg und es gibt keine Chance, es zurückzuholen.

Zuvor ist der Verlust nur auf deinem Papier, nicht in deiner Tasche.

Trotzdem ist der psychologische Verlust schmerzhaft – dein Vermögen ist ja geschrumpft und du besitzt weniger Kaufkraft. Deshalb solltest du dich seelisch auf solche Ereignisse vorbereiten; dein Vermögen kann immer 20, 30 oder 40 Prozent an Wert verlieren, wenn du in Aktien investierst.

Läuft dein Gehirn dann Amok, ist diese Anlageklasse nichts für dich. Diese Kursstürze musst du aussitzen wie ein Schüler, den die Lehrerin zur Strafe in die stille Ecke schickt. Aber zurück zum VW-Skandal:

Damals brach der Kurs ein, und zwar von 160 auf unter 100 Euro. Natürlich erholte er sich wieder und stand vor Corona auf über 180 Euro. Investiere deshalb langfristig mit einem Horizont von mehreren Jahren; so verkraftest du gewappneter solche Einbrüche.

Wirtschafts- oder Finanzkrisen

Willst du die Wirtschaft wirklich verstehen, schaue dir dieses Video an.

Was Unternehmenskrisen im Kleinen sind, sind Finanzkrisen im Großen. Nicht nur eine Aktie schmiert ab, sondern der gesamte Aktienmarkt. Was ist hier zu tun? Das Gleiche wie oben: Sich dir Ohren zuhalten, nicht in Panik verfallen und die Krise aussitzen.

Klingt einfach, ist es natürlich nicht. Zwar hat sich der Aktienmarkt immer nach einer Krise erholt, trotzdem fällt schnell der Satz: „Dieses Mal ist alles anders.“ Aber das ist falsch: Unser Wirtschaftssystem lebt von Zyklen – es geht rauf und runter.

Vertraue deshalb darauf, dass der Aktienmarkt langfristig wächst. Denn darauf fußt unsere Wirtschaft: Wachstum. Gibt es über Jahrzehnte kein Wachstum, dann hast du andere Probleme als den Stand deiner Aktien.

Eine letzte Warnung: Investiere nur so viel in Aktien, wie du 10 – 15 Jahre nicht brauchst. Wieso dieser Zeitraum? – weil darüber Verluste (meist) ausgeglichen werden. Du kannst ziemlich sicher sein, mit einem Plus herauszugehen – garantieren kann dir das aber keiner!

Kommen wir jetzt zum wichtigsten Teil: Wie solltest du als Anfänger Aktien auswählen? Dafür gebe ich dir jetzt mehrere Kriterien vor. Ich versuche es, einfach zu gestalten und dich nicht an schweren Rechnungen festzunageln wie dein Mathelehrer.

Wie wählst du Aktien aus?

Größe

Oben habe ich dir gepredigt: Fange keine Mücken, sondern Elefanten. Nicht die kleinen Aktien, sondern die Großen. Hier ist als Anfänger das Risiko geringer, weil diese Weltkonzerne (Blue Chips) weniger schwanken, jederzeit handelbar sind, oft gute Dividenden zahlen und transparent („einsehbar“) sind.

Achte hierbei auf eine hohe Marktkapitalisierung (Anzahl Aktien x Aktienkurs) von mehreren Milliarden – gut sind über 50, besser über 100. Zudem sollte das Unternehmen alt sein; das beweist, wie profitabel es über eine längere Zeit wirtschaftet. Trotzdem ist dieses Kriterium kein Bodyguard für dein Vermögen:

Der amerikanische Riese „General Electric“ strauchelt zurzeit. Das Unternehmen gibt es bereits seit 1892 und steckt in der Krise – sein Kurs liegt nur noch bei knapp über 5 € (2017 waren es noch über 30). Einstmals gehörte es zu den Vorzeigeunternehmen der amerikanischen Wirtschaft; jetzt weiß keiner, ob es durchkommt.

Das nur als Beispiel, dass auch diese Dickschiffe kentern können. Falls du eine Liste mit großen, attraktiven Unternehmen suchst, findest du hier eine Liste auf dem Blog Reich-mit-Plan.

Wachstum

Ein Unternehmen muss wachsen, damit es langfristig profitabel bleibt. Schaue hierfür auf drei Kennzahlen: Umsatz, Gewinn und bestenfalls Dividende. Sie sollten über einen längeren Zeitraum zwischen 5 – 8 Prozent jährlich wachsen. Ausrutscher sind aber erlaubt, weil keine Weste rein ist.

Verschuldungsgrad

Wie verschuldet ist das Unternehmen? Dafür schaust du in der Bilanz auf das Fremdkapital (die Schulden). Diesen Wert teilst du durch den jährlichen Gewinn (am besten den Durchschnitt der drei letzten Jahresgewinne). Liegt das Ergebnis über 5 Jahren, solltest du besser die Finger davon lassen. Warum?

Weil das Unternehmen fünf Jahre lang seinen ganzen Gewinn hergeben müsste, um die Schulden zu tilgen. Bräuchtest du das Nettoeinkommen von fünf Jahren, um deine Schulden zu begleichen, hätte schon längst Peter Zwegat an deiner Tür geklingelt.

Dividenden

Es zeugt von der Gesundheit eines Konzerns, wenn die Dividenden jährlich steigen und kein Jahr ausfallen – deshalb sind Dividendenaktien so attraktiv. Gleichzeitig ist ein Unternehmen meistens in der Krise, wenn es die Dividende kürzt oder sogar streicht.

Vergleich zu Branchenkollegen

Anleger verlieren sich oft in Widersprüchen: Kaufen sie unter drei Marken einen schlechten Laptop, so sagen sie: „Was für eine Grütze.“ Vergleichen sie aber drei Laptop-Hersteller, setzen sie häufig auf den schlechtesten. Warum? – es könnte ein Geheimtipp sein.

Bitte verabschiede dich davon: Ein schlechtes Unternehmen ist meistens wirklich ein schlechtes Unternehmen. Vergleiche deshalb mit seinen Konkurrenten das Unternehmen, das du kaufen willst. Zwei bis drei Konkurrenten sollten genügen. Entscheide dich dann für den Besten.

Margin

Die Margin ist der Gewinn, der übrigbleibt, sobald ein Unternehmen ein Stück seiner Ware verkauft. Diese Margin soll natürlich hoch sein. Es bringt nichts, wenn ein Unternehmen viel verkauft, aber davon kaum etwas einstreicht.

McDonalds ist hier ein Musterknabe: Für jeden Hamburger, den es verkauft, macht es 27,9 % Netto-Gewinn (Profit Margin) – ein Spitzenwert.

Natürlich fragst du dich jetzt: Wo um Himmelswillen soll ich diese Informationen hernehmen? Darauf habe ich nur gewartet. Hier habe ich dir 3 Plattformen verlinkt, wo du alle genannten Zahlen findest – einziger Nachteil: Zwei davon sind auf Englisch. Alternativ (aber nicht so ausführlich) kannst du auf Finanzen.net oder Börse-online nachschauen:

Hast du etwas an Erfahrung gewonnen, erweitere gern die Analyse und beobachte weitere Kennzahlen wie das KGV (Kurs Gewinn Verhältnis). Für den Einstieg sollten aber die genannten Punkte genügen.

Das Wichtigste: Kenne das Unternehmen

Das Wichtigste kannst du nicht aus einem Zahlensalat ablesen: Was macht das Unternehmen? Verstehst du seine Produkte? Nutzt du sie im Haushalt? Hier komme ich zurück zu Procter & Gamble:

Wahrscheinlich nutzt du Braun- oder Gilette-Rasierer – diese Marken kennst du. Dadurch hast du einen direkten Bezug zum Unternehmen, kennst die Qualität ihrer Produkte und kannst es viel besser einschätzen.

Du würdest deshalb eher eine Procter & Gamble-Aktie kaufen als eine vom Konkurrenten „Wilkinson“ (Edgewell Personal Care).

Das meine ich mit “Kenne das Unternehmen” – was jeder im Haushalt hat, sollte bei dir oft im Depot liegen.

Wie kaufst du eine Aktie?

Hier kannst du den Aktienkauf verfolgen.

Das Technische ist geklärt, kommen wir zum Praktischen: Wie investierst du in Aktien? Dafür brauchst du einen Aktien-Broker – das ist wie eine Bank für Aktien. Dort meldest du dich an und kannst in Aktien investieren.

Einmal gekauft, liegen Aktien dort wie auf einem Girokonto (das nennt sich Depot bzw. Wertpapierdepot). Allerdings sogar noch sicherer: Aktien sind Sondervermögen – geht der Broker pleite, werden deine Wertpapiere nicht angetastet. Sie werden einfach zu einem anderen Broker weitergeleitet. Diese Broker sind empfehlenswert:

Willst du noch mehr Alternativen, lese dir den Artikel “Aktienbroker-Vergleich” durch.

Wie funktioniert nun der Aktienkauf? Dafür klickst du bei deinem Broker auf „Kaufen“ und gibst die WKN oder ISIN der Aktie ein. Google einfach die Aktie, so findest du die Nummern. Dann wählst du bestenfalls die „Limit-Order“ aus.

Dadurch begrenzt du den Preis, den du zu zahlen bereit bist. Steht Daimler beispielsweise bei 40 €, gibst du 40,1 € ein. Bis zu diesem Preis bist du bereit zu kaufen – natürlich kannst du die Aktie auch für 39 € bekommen. 40,1 € ist nur die Schmerzgrenze.

Dann klickst du auf „Kostenpflichtig handeln“ und das war’s – die Order (der Kauf) wird ausgeführt. Willst du den ganzen Prozess verfolgen, habe ich dir unter der Überschrift ein Video verlinkt – dort wird es anhand der Comdirect genau erklärt.

Quelle Beitragsbild: Foto von Andrea Piacquadio von Pexels


Junge lächelt in die Kamera

Über den Autor:

Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und  notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.

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