Inflation: So viel Kaufkraft verlierst Du wirklich

Gestern traf es mich wie der Schlag. Ich blätterte durch die Supermarkt-Zeitung, ausspähend nach Angeboten, und da sah ich es: Rinder-Beinscheiben reduziert, jetzt nur 5,49 Euro – pfff, mittelprächtiges Angebot, sonst kosten die doch 6,41. Aber halt! Normaler Kilopreis 7,49. Und da begriff ich sie: die fiese Macht der Inflation; ernährte ich mich nur von Beinscheiben, wäre mein Essen schlagartig um sechzehn Prozent teurer!

Was ist Inflation?

Schlangen bilden sich vor der Bäckerei; die Menschen tragen Körbe, Koffer oder Schubkarren, woraus die Geldscheine quellen. Sie müssen sich beeilen, sonst reicht auch das nicht mehr: Innerhalb von sieben Monaten kletterte der Brotpreis von 474 Mark auf 5,6 Milliarden Mark. Diese galoppierende Verteuerung plagte die Menschen während der Hyperinflation 1923 – aber sie zeigt, was Inflation ist: Geldentwertung.

Kramen wir in der Beispiel-Kiste: Die Bäcker backen jährlich 1000 Laib Brot; im ganzen Land gibt es dafür 1000 €. Folglich darf man für 1 € in die duftende Kruste des Brotes beißen. Plötzlich aber verteilt Väterchen Staat 1000 € mehr unter der Bevölkerung. Was bewirkt diese Veränderung? Jetzt gibt es 1000 Laib Brot, jedoch 2000 € – demnach kostet ein Laib Brot jetzt 2 €.

Hier verneigt sich die Inflation: Die Geldmenge (Euro) ist schneller gestiegen als die Warenmenge (Laib Brot). Das ist Inflation; ich kann mir weniger kaufen für das gleiche Geld – für 1 € bekomme ich nur ein halbes Brot.

Inflation! – schrecklich: Warum brauchen wir das?

Wie die Kreuzritter schrien „Gott will es!“, so schreit der Staat „Die Wirtschaft will es!“. Denn die Wirtschaft muss wachsen, gedeihen und sprießen. Warum, fragt der neugierige Bürger? Damit Papa Staat seine Schulden bezahlen kann. Wächst die Wirtschaft nicht, fließt weniger Geld in die Kassen. Und wer soll dann die Banken bezahlen? Wie soll sich der Staat billig Geld leihen?

Aber was hat Wirtschafts-Wachstum mit Inflation zu tun? Inflation ist der Sklaventreiber zum Konsum: Unternehmen investiert, sonst ist euer Geld weniger wert! Bürger, schmeißt das Geld hinaus! In zwei Jahren könnt ihr davon weniger kaufen.

Dennoch schmerzt die Inflation nicht wie ein Peitschenhieb; sie soll nur jucken wie ein Mückenstich: 2 Prozent jährlich sind das Ziel. Das merkt der Bürger kaum, bleibt ruhig, murrt nicht und muckt nicht auf.

Aber beträgt die Inflation wirklich 2 Prozent? Schauen wir uns dafür an, wie das Kind gemacht wird: Der Otto-Normalverbraucher „Statistisches Bundesamt“ stellt jährlich einen Warenkorb zusammen; darin enthalten sind Güter, die der Bürger im Leben verbraucht – so die Miete, Arzneien, Benzin oder Butter. Diese Preise rechnet er monatlich zusammen und vergleicht sie zum Vormonat. Et voilà: Um wie viel teurer die Produkte geworden sind, das ist die Inflation.

Im Jahr 2018 hatten wir dadurch eine Inflation von 1,9 Prozent, für 2019 waren es 1,4 . Aber stimmt das? Oder trickst man uns gewaltig aus?

Trick 1: Vom Butterbrot zur Karibik-Reise

„Natürlich hat nicht jeder den gleichen Warenkorb, was für eine Binsenweisheit!“ Das ist richtig: Ein Asket, der nicht reist, immer seine Kutte trägt und nur Klapprad fährt, berappt deutlich weniger als jemand, der pendelt, jährlich nach Italien fliegt und am Wochenende seinen Spätburgunder schlürft. Aber diese Vorlieben verzerren nicht die amtliche Statistik, es sind die linken Tricks.

Im Preis-Kaleidoskop bildet das Statistische Bundesamt (Destatis) Waren so ab, wie sie prozentual in den Warenkorb einfließen. Der Verkehr verschlingt 12,9 Prozent, Freizeit 11,3 und Nahrungsmittel 9,7. Das Problem: Die Inflations-Treiber drücken sich aus dem Preis-Kaleidoskop! Im Jahr 1995 waren Nahrungsmittel noch zu 13,1 Prozent vertreten; jetzt sind es 3,4 weniger – aber genau diese treiben die Inflation: Im April 2020 sind es + 4,6 Prozent.

Fällt der Nahrungsmittel-Anteil, steht natürlich ein Preis-Musterknabe Gewehr bei Fuß – so z.B. Freizeit und Urlaub: 1995 noch 10,4 Prozent, nun sind es 11,3. Das schönt natürlich die Statistik, weil Freizeit immer billiger wird (April 2020 = -0,2 %). Dirk Müller fasst es wunderbar zusammen: „Würde(n) sie weniger essen und stattdessen öfter nach Mauritius fliegen, hätte(n) sie auch nicht so eine hohe persönliche Inflationsrate – was für ein Zynismus!“

Trick 2: Stöhnen im Geldtresor – der „Lustzugewinn“

Das Wort hedonische Glättung ist ein lebender Untoter – er verschreckt den neugierigen Bürger und taugt nur zur wissenschaftlichen Leichenfledderei. Deshalb übersetzen wir ihn mit Lustzugewinn. Das bedeutet: Ein Produkt wird teurer, leistet jedoch mehr; das Ergebnis: Es wird statistisch billiger und drückt die Inflation. Warum? Du bekommst deutlich mehr für Dein Geld, also hast Du gefälligst gespart.

Nehmen wir einen schnöden Taschenrechner; er rechnet nichts weiter als plus, minus, mal, geteilt und kostet 5 Euro. Im nächsten Jahr kostet er 6 €; aber jetzt kann er mehr: Wurzel, Prozentrechnung, Exponentialfunktionen und Logarithmusfunktionen. Jetzt jubelt der Statistiker: „Das sind vier Funktionen mehr, ganze 100 Prozent. Der Rechner ist nicht teurer geworden, sondern billiger. Das bremst die Inflation!“

Hier gibt es drei Probleme:

  1. Ich habe nie nach einer Verbesserung gefragt. Vielleicht brauche ich sie gar nicht? Trotzdem bezahle ich mehr.
  2. Die Deutsche Bahn wird teurer, pünktlicher ist sie dafür lange nicht: Die hedonische Glättung beachtet zwar Verbesserungen; was hingegen schlechter wird, das kehrt sie unter den Aktenschrank. Verschlechterungen heben folglich nicht die Inflation.
  3. „Super, mein Müsli ist 10 Cent billiger geworden. Aber halt: Jetzt ist nur noch die Hälfte drin!“ Auch Gewichts-Abnahmen schönen die Inflation.

Trick 3: Immobilien nicht vertreten

Eben weil Zentralbanken immer mehr Geld drucken, erhöht sich auch die Geldmenge – doch auch Geld muss irgendwo hin, und am besten in sichere Anlagen. Das sind eben Immobilien. Deren Preise sind vom Jahr 2000 bis 2019 enorm gestiegen; offiziell sind es knapp 52 Prozent (Quelle: Hauspreisindex Statista).

Dennoch ist das nur der Durchschnitt. In manchen Städten haben sich die Preise mehr als verdoppelt: In Berlin stiegen die Quadratmeterpreise guter Lagen von ca. 4.237 Euro auf rund 8.993 Euro – und das nur seit 2013 (Quelle: Immoverkauf24.de)! In der Inflationsrate stehen Immobilien trotzdem nicht.

Also: Der größte Inflations-Treiber, die Immobilien, wird tot geschwiegen – dafür finden nur die Mieten Platz. In den Großstädten sind sie zwar unbezahlbar, humpeln aber den Immobilienpreisen hinterher. Durchschnittlich sind sie von 2000 bis 2019 um fast 26 % gestiegen (Quelle: Mietpreisindex Statista). Das ist gerade einmal die Hälfte der Immobilien!

Deine persönliche Inflationsrate: Was kannst Du tun?

Den Inflationsraten unter 2 % müssen wir also nachwinken wie einem Soldaten, der an die Front fährt – sie sehen wir nicht wieder. Deswegen errechnen wir unsere eigene Inflationsrate; so schauen wir der Verteuerung in die hässliche Fratze und können ihr begegnen. Was haben wir für Möglichkeiten?

  1. Shadowstats.com: Dieser Informationsdienst errechnet die ungeschönte Inflationsrate für die USA – ohne Lustzugewinn und statistische Bübereien. Für 2020 (Stand 1.April) liegt sie bisher zwischen 7 und 8 Prozent. Klar, das gilt für die USA. Aber in der Geldpolitik und der Wirtschaft unterscheiden wir uns kaum.
  2. Managergehälter großer Konzerne: Die Vorstände börsennotierter Unternehmen schöpfen Gehaltserhöhungen mit der Suppenkelle; in der Regel sind es 5 bis 7 Prozent jährlich. Denn sie kennen sie Ausgaben: Wie viel kostet Kantinenessen (Nahrungsmittelpreise), wie aufwendiger arbeitet die Verwaltung (IT-Preise) oder was kostet die Logistik (Spritpreise). Sie fühlen die Inflation genau und das überträgt sich auf ihre Gehälter.
  3. Eigene Inflationsrate berechnen: Jetzt wird es aufwendig und langwierig. Picke Dir jedes Jahr den gleichen Monat heraus und trage die Ausgaben in ein Haushaltsbuch – aber wirklich alles: bis zum letzten Kinder Schokobon. Diesen Wert vergleichst Du schließlich mit dem Vorjahr; so errechnest Du grob Deine persönliche Inflationsrate. Du willst es ganz genau? Dann führe jeden Monat Buch.

Fazit

Inflation ist eine schleichende Geldentwertung, indem die Preise kontinuierlich steigen. Das fördert den Konsum und zwingt Unternehmen zu Investitionen – es wächst die Wirtschaft. Die Inflationsrate soll jedoch 2 Prozent nicht überschreiten; dennoch tut sie das – aber statistische Tricksereien beschönigen sie. Deshalb ist es nicht unrealistisch, die persönliche Inflationsrate bei mindestens 5 Prozent anzusetzen.

Aber halt: Dann ist ja mein Sparbuch nutzlos, meine Anleihen und Lebensversicherungen verschwendetes Geld. Genau – mit diesen Anlagen wirst Du schrittweise enteignet. Deshalb musst Du lernen, wie Du Geld vermehrst, richtig anlegst und für Dich arbeiten lässt. Das erfährst Du im Umsetzungsprogramm „Investment Held“. Über 12 Wochen errichtest Du mit Deinem Geldcoach Marco ein sicheres Finanz-Fundament. Ebenso lernst Du mit sechs Coaches profitable Geldanlagen kennen und wie man in sie investiert – dazu gehören ETFs, P2P-Kredite und Immobilien.

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Zum Nachlesen:

Andreas Ogger: Die schleichende Enteignung – Inflation.

Focus Money: Die wahre Inflation.

Focus Money: Die große Inflationslüge: Warum Ihr Geld viel weniger wert ist, als Sie denken.

Der 5 Minuten Blog: Was steigt schneller? Die Geldmenge M3 oder die Inflationsrate?

WirtschaftsWoche: Milliarden fürs Brot.

 

Hat Dir der Beitrag gefallen? Hast Du das Gefühl, immer mehr zu bezahlen? Wie schützt Du Dich gegen die Inflation? Ich freue mich auf Deinen Kommentar 🙂


Junge schaut in die Kamera.

Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und  notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.

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Robin Prock

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