Was ist das Humankapital?
Betriebswirtschaftlich gesehen, lässt sich das Humankapital in drei verschiedene Kategorien unterteilen: dynamisches, strukturelles und individuelles Humankapital. Die ersten beiden Varianten finden vor allem unternehmensseitig Anwendung. Die Auswahl, Beschaffung und Organisation des Personals stehen dabei im Vordergrund. Persönlich relevant ist für jedoch in erster Linie das individuelle Humankapital. Dieses umfasst neben deinen Fähigkeiten, deinem Wissen und deinen Erfahrungen ebenso deine physische und psychische Gesundheit. Wie du siehst, ist dieses Feld sehr breit gefächert, was wiederum bedeutet, dass du viel Spielraum zur Verbesserung hast. Eine Optimierung dieser Aspekte hat immer einen unmittelbaren Einfluss auf deinen möglichen Verdienst. Das Humankapital ist der Barwert deines zukünftigen Arbeitseinkommens oder anders ausgedrückt, es ist die Summe aller Einkommen, die du bis zu deinem Renteneintritt verdienen wirst. An welchen Stellschrauben du genau drehen kannst, um dein Humankapital zu steigern, zeige ich dir am Ende des Artikels eingehender.
Wie kann ich mein Humankapital berechnen?
Normalerweise geht es ja immer darum, sein Geld auf verschiedene Assetklassen (Asset Allocation) aufzuteilen, zu investieren und sich ein rentables Portfolio aufzubauen. Dass jedoch das Humankapital bei den meisten Menschen die wertvollste Anlageklasse von allen darstellt, wird häufig vergessen. Oft steht der alleinige Aufbau des Finanzkapitals in Form von Immobilien, Aktien oder ETFs im Vordergrund und die Investition in die eigene Entwicklung wird komplett vernachlässigt. Dennoch sollten wir uns häufiger die Frage stellen: “Wie viel bin ich wert? Wie kann ich mein Humankapital berechnen und darüber hinaus diesen Wert erhöhen?”. Wie bereits angesprochen, fasst das Humankapital mitunter die Menge deiner Einnahmen während deines Arbeitslebens zusammen. Dabei muss allerdings mit einberechnet werden, dass deine Kaufkraft innerhalb der Jahre abnimmt. Einnahmen von beispielsweise von 100 EURO sind heute mehr wert, als in zehn Jahren Grund dafür ist die Inflation, die automatisch den Kaufwert deines Finanzkapitals mindert. Möchtest du dein Humankapital berechnen, kann ein erster möglicher Schritt die Addition aller deiner kommenden Gehälter, inklusive Erhöhungen sein. Davon musst du dann noch die Inflationsrate subtrahieren. Im Fachjargon wird dies als Abzinsung bezeichnet. Hast du das getan, erhältst du die Summe deines gesamten Arbeitseinkommens bezogen auf die heutige Kaufkraft. Die Gehaltssteigerungen haben demnach einen positiven und die Inflation einen negativen Einfluss auf dein Humankapital. Besonders ungünstig wirken diese beiden Faktoren, wenn dein Gehaltszuwachs unter der Inflationsrate liegt und du zudem kaum Geld sparst oder investierst. Eine drohende Altersarmut wird damit immer wahrscheinlicher. Beispielrechnung:- Alter: 30 Jahre
- geplantes Renteneintrittsalter: 67 Jahre
- monatliches Nettogehalt: 2.000 EURO
- Jährliche Gehaltssteigerung: 3 Prozent
- geschätzte Inflationsrate: 2,2 Prozent (Als Basis dienen hier dient hier der Durchschnitt zwischen 1979 bis 2020. Besonders 2021 ist die Inflationsrate jedoch zwischenzeitlich stark gestiegen. Für 2022 ist eine ähnliche Prognose zu erwarten.)
- verbleibende Arbeitsjahre: 37 Jahre
- gesamtes Arbeitseinkommen: 1.588.181 EUR
- Verlust durch Inflation: 559.518 EURO
- dein Humankapital: 1.028.663 EURO
Warum sollte ich das Humankapital berechnen?
Bist du gerade dabei deine Finanzen zu sortieren und dir einen Überblick zu verschaffen, ist eine Aufstellung deines Nettovermögens überaus sinnvoll und hilfreich. Dazu trägst du alle deine Vermögenswerte zusammen und subtrahierst davon deine Verbindlichkeiten, wie Kredite und Schulden. Zu deinen Vermögenswerten zählen: gesparte Gelder, Versicherungen, Wertgegenstände, Wertpapiere wie Anleihen, Aktien und ETFs, Immobilien, Rohstoffe und ebenso dein Humankapital. Das wird in derlei Aufstellungen häufig vergessen, macht aber vor allem in jüngeren Jahren, um die 30 herum, den größten Anteil deines Vermögenswertes aus. Mit zunehmendem Alter, sinkt der Wert deines Humankapitals, da die Summe der noch folgenden Gehälter immer weiter abnimmt. Ein Jobwechsel, Teilzeitarbeit oder ein Arbeitsverlust beziehungsweise längere Arbeitslosigkeit können das Humankapital sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Nichtsdestotrotz ist das Humankapital im Vergleich zu anderen Vermögenswerten relativ konstant. Je nach Branche und Berufszweig zeigt sich eine höhere oder niedrigere Korrelation mit den Entwicklungen der Aktienmärkte. Berufe im Beamtenumfeld unterstehen allgemein einem geringeren Risiko eines Jobverlustes und einer niedrigeren Wechselwirkung gegenüber Börsenkursen als der Arbeitsplatz eines Investmentbankers. Zur Absicherung deines Humankapitals dient im Übrigen eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Informiere dich gegebenenfalls ausführlich über diese Option. Darüber hinaus solltest du dich von Zeit zu Zeit immer wieder dein Humankapital berechnen und dich damit auseinandersetzen, ob sich dieses in die von dir gewünschte Richtung entwickelt. Eventuell sind eine Gehaltserhöhung oder ein Jobwechsel angebracht. Schließlich hat dein Arbeitgeber einen enormen Einfluss auf den Wert deines Humankapitals, da dieser dir dein Gehalt auszahlt. Aus diesem Grund solltest du dir genau überlegen, ob du beispielsweise beim Angebot von Mitarbeiteraktien zuschlägst. Daraus ergibt sich dann eine doppelte Abhängigkeit und stellt wiederum eine stärkere Wechselbeziehung zwischen den Anlageklassen Humankapital und Aktien her. Verschlechtert sich die Wirtschaftslage deines Arbeitgebers, droht dir nicht nur ein Jobverlust und damit Einbußen deines Humankapitals, sondern gleichermaßen eine negative Entwicklung deines Depots.
Wie kann ich mein Humankapital erhöhen?
Um dein Humankapital zu steigern, kannst du dich in folgenden Bereichen weiterentwickeln:- dein generelles Bildungsniveau (Schulbildung bis hin zur allgemeinen Hochschulreife)
- deine Berufserfahrung
- deine allgemeinen Qualifikationen und Fähigkeiten
- deine Sozialkompetenz (Wie kommunizierst du mit anderen? Wie gehst du auf andere zu?)
- Emotionale Intelligenz (Wie nimmst du deine eigenen Gefühle und die anderer Menschen wahr und welche Handlungen leitest du daraus ab?
- persönliche Wesensmerkmale (Bist du teamfähig, motiviert, fleißig, diszipliniert?)
- Moral und Wertvorstellungen (Normen und Grundsätze, die das Zusammenleben in einer Gesellschaft bestimmen)
- Eigenschaften und Charakter (Bist du ehrgeizig, neugierig, optimistisch, begeisterungsfähig,…?)
- deine Kreativität (Bist du in der Lage Probleme zu erkennen, zu definieren und neuartige Lösungsansätze zu finden?)
- dein Netzwerk und deine Kontakte (Wie ist deine Sichtbarkeit? Wie wirst du öffentlich wahrgenommen?)
- deine physische und psychische Gesundheit (Hältst du dich mit Sport fit? Schläfst du ausreichend? Fühlst du dich erfüllt?)
Über die Autorin:
Hallo! Mein Name ist Jessi, ich bin 31 Jahre alt und lebe zusammen mit meinem Mann und meinem kleinen Sohn in Berlin. In den letzten 15 Jahren habe ich so ziemlich jeden Euro, den ich zusammenkratzen konnte, für Bekleidung oder anderen Schnickschnack ausgegeben.
Bis ich eines Tages auf die Themen Börse, Aktien und ETFs gestoßen bin. So schaffte ich es, nicht nur ein Jahr lang keine Kleidung zu kaufen, sondern gleichzeitig noch mein Geld für mich arbeiten zu lassen. Alles zu meiner persönlichen Weiterentwicklung und, wie du das auch schaffen kannst, findest du unter themoneygirl.de
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