Hedgefonds gnadenlos einfach erklärt
Was sind Hedgefonds?

- Sie werben mit „Absolute Return.“
- Sie dürfen in alle Anlageklassen investieren.
- Sie dürfen Aktien Leerverkaufen.
- Sie dürfen Fremdkapital aufnehmen (Leveraging).
- Sie haben oft eine Kostenstruktur von 2/20 (Two an Twenty).
- Sie sind illiquide.
- Sie sind kaum reguliert.
- Sie sind nur bestimmten Investoren zugänglich.
1. Sie werben mit „Absolute Return“
Alle Investmentfonds vereinigt ein Ziel: Sie wollen einen Index übertrumpfen wie den DAX oder den S&P 500 – das ist ihre Benchmark oder Vergleichsindex. Erzielt der Dax ein Minus von -30 Prozent, der Fonds jedoch nur -20 Prozent, ist der Fonds der Sieger. Seine relative Rendite (relative Return) ist höher. Doch Hedgefonds sind allergisch gegen Minus-Zeichen; diese jucken, stechen, brennen und verscheuchen die Investoren wie fettige Haare ein Blind-Date. Nein, sie wollen nicht nur den Markt schlagen, sondern ebenso im Plus stehen, wenn der Markt im tiefen Minus badet. Das ist absolute Rendite: überragender Gewinn, unabhängig in welcher Marktlage. Doch werden sie ihrem Anspruch gerecht? Am Ende des Beitrags wirst du sehen, dass diese überragenden Renditen recht kleinwüchsig aufs Konto der Anleger einrücken.2. Sie dürfen in alle Anlageklassen investieren
„Derivate sind finanzielle Massenvernichtungswaffen.“ – Warren Buffet Gewöhnliche Investmentfonds sind in ihrer Auswahl beschränkt wie Ladentheken in der DDR – Aktien und Anleihen, das war’s. Hedgefonds hingegen wählen von der Speisekarte aller Finanzinstrumente; für sie gilt keine Beschränkung: Sie investieren mit Derivaten, Immobilien, Gold, Kryptowährungen, Patenten, Währungen… Sie könnten sogar eine Position in Whiskey-Flaschen eröffnen, wenn es sich mit ihrer Anlagestrategie vertrüge. Vielleicht würde es ihre Überlebenschancen stark erhöhen: Manche Whiskey-Sorten machen über 10 Prozent pro Jahr.3. Sie dürfen Aktien leerverkaufen
„Ein Leerverkäufer ist, der sich selbst eine Grube gräbt, in die jemand anderes hineinfällt.“ Verkaufst du etwas, was du nicht besitzt, bist du ein Scharlatan – verkaufst du Aktien, die du gar nicht hast, bist du ein Leerverkäufer. Doch was nützt dir das? Leerverkäufer spekulieren auf fallende Kurse; und so stellen sie es an:- Der Kurs von Apple klemmt bei 100 € und der Leerverkäufer denkt: Der muss fallen wie jede Stadt, in der Gerald Butler seinen Präsidenten beschützt.
- Er leiht sich von einer Bank 1000 Apple-Aktien, um sie pronto zu verkaufen – er erzielt 100.000 €.
- Am nächsten Tag kommt der Fall auf 98 €; jetzt kauft er die Aktien zurück für 98.000 €.
- Der Leerverkäufer macht 2000 € Gewinn, abzüglich der Gebühr für die Leihe.
- Kauft er Apple jetzt zurück, macht er Verluste.
- Wartet er noch länger, bedrängen ihn die Leihgebühren für die Aktien.
4. Sie dürfen Fremdkapital aufnehmen (Leveraging).
„Wenn du Unwissenheit und Leverage verbindest, bekommst du erstaunliche Resultate.“ Warren Buffet. Leveraging bedeutet: Du erzielst – oder eben nicht – eine Überrendite, indem du dir Fremdkapital leihst. Das ist das Geheimnis von CFDs, die dir auf Börse-Online oder Finanzen.net feilgeboten werden. Und so funktioniert der Leveraging-Effekt, falls er funktioniert:- Hedgefondsmanager A glaubt, Apple steigt demnächst von 100 € auf 110 € – beachtliche 10 % Rendite.
- Der Fonds ist jedoch klamm und kann nur 10.000 € zusammenkratzen; der Gewinn wären lausige 1000 €
- Deshalb nimmt der Manager 90.000 € Kredit auf und kauft insgesamt für 100.000 € Apple Aktien.
- Der Kurs steigt von 100 auf 110 € und der Manger macht statt 1000 € kernige 10.000 € Gewinn.
- Er verzehnfacht seinen Gewinn und verdoppelt damit sein Grundkapital – das ist die Hebelwirkung.
- Zuletzt zahlt er das geliehene Geld zurück und die angefallenen Zinsen.
5. Sie haben eine Gebühr von two and twenty
„Der Hauptberuf eines Hedgefonds-Managers ist nicht, dass du mit einem Lächeln in Rente gehst – sondern dass er mit einem Lächeln in Rente geht.“ – Mark Cuban. Two and Twenty steht für 2 Prozent Management-Gebühr plus 20 Prozent Performancegebühr, falls der Manager Gewinn erwirtschaftet. Das sind die Kosten der meisten Hedgefonds. Das heißt: Selbst, wenn der Manager nur stillsitzt, bezahlen ihm seine Kunden jährlich 2 Prozent – oft summiert sich das zu Millionenbeträgen. Nichtstun wird also kaiserlich entschädigt, Verluste ebenso. Gewinnt er hingegen, ist er Vorkoster der Gewinne und säbelt sich ein großes Stück des Kuchens selbst ab – der Manager ist also wie das Casino, er gewinnt immer.
6. Hedgefonds sind illiquide
Aus Investmentfonds kannst du theoretisch jederzeit dein Geld abziehen, was nicht sehr weise ist, wenn die Märkte einmal kentern. Trotzdem hält der Investmentfonds die Anleger nicht ab; Hedgefonds schon: Einmal investiert, ist das Geld für eine bestimmte Zeit festgekettet – es ist illiquide, nicht flüssig. Wer trotzdem türmen will, muss oft Strafe zahlen. Außerdem sind die Fonds Closed-End; d. h., sobald sie eine Zielsumme erreichen, werden sie für Anleger gesperrt. Beispielsweise schluckte Bridgewaters Pure Alpha Fonds 51 Milliarden; dann wurde er geschlossen für neue Investoren.7. Hedgefonds sind kaum reguliert
„Erst beim Abfassen der Einkommensteuererklärung kommt man dahinter, wie viel Geld man sparen würde, wenn man gar keines hätte.“ – Fernandel Hedgefonds sind oft idyllisch stationiert – sie sonnen sich an Steueroasen wie den Bermudas, Bahamas oder den Cayman Island. Nicht nur verschönern dort viele Briefkästen die Landschaft, auch die Steuern sind bescheiden und die Regulierungen lasch: Keine aggressive Finanzaufsicht kontrolliert, beschneidet oder schmälert die Operationen der Hedgefonds.8. Nur ausgewählte Anleger dürfen mitmachen
Falls du immer noch vom großen Geld durch Hedgefonds träumst, hier die Ernüchterung: Für Privatanleger sind sie zugenagelt, zumindest in Deutschland. Zulangen dürfen nur professionelle Anleger (z. B. Versicherungen) oder Semiprofessionelle Anleger (ab. 200.000 € Anlage). Doch nicht nur die Gesetze sind streng, auch die Fonds selbst sind wählerisch: Einstiegshürden sind oft Millionen- oder Milliardensummen, bevor der Investor dem Club beitreten darf. Doch wie können – was sie nicht sollten – Privatanleger in Hedgefonds investieren? Mit drei Möglichkeiten:- Dachfonds: Ein Dachfonds investiert in mehrere Hedgefonds und reicht die Rendite – wie die hohen Kosten – an die Anleger weiter.
- ETFs auf Hedgefonds
- Aktien des Hedgefonds.
Die Anlagestrategien der Hedgefonds

1. Long/Short Equity
Wir kaufen die Gewinner und verscherbeln die Loser – das ist kurzgefasst diese Strategie. Unterbewerte Aktien (günstige bei guter Qualität) werden gekauft und überbewerte Aktien (überteuerte) leerverkauft. Meist stammen beide Unternehmen aus einer Branche wie Daimler und Volkswagen. Ein Manager könnte jetzt Daimler leerverkaufen und Volkswagen kaufen; Gewinne fährt er ein, wenn Daimler fällt und Volkswagen steigt. Was ist also das Erfolgsrezept der Strategie? Glück und das Talent des Managers, die richtigen Papiere aus dem Aktienpool zu angeln.2. Markt-Neutralität
Hedgefonds brüsten sich oft mit Markt-Neutralität: Ob der Markt kippt oder steigt, Renditen werden trotzdem eingeheimst. Wie soll das gehen? Indem man tatsächlich marktneutral handelt: Der Fonds kauft beispielsweise 50 Aktien und verkauft 50 Aktien leer – so ist er neutral, 50 positiv, 50 negativ. Damit ist er abgesichert, weil er bei fallenden und steigenden Märkten Gewinn macht – vorausgesetzt, er hält die richtigen Wertpapiere. Problem dieser Strategie: Investoren sind oft entweder optimistisch oder pessimistisch – sie treiben den Markt (meist) entweder nach unten oder nach oben. So ist es für marktneutrale Fonds zuweilen ein Nullsummenspiel: Die Verluste fressen die Gewinne und die Rendite bleibt kläglich.3. Event Driven (Ereignisbasiert)
Diese Strategie benutzen Hedgefonds, wenn am Markt die Sonne scheint. Sie suchen Unternehmen, die straucheln, aber wahrscheinlich nicht untergehen – sogenannte Turnaround-Kandidaten. Deren Schulden (Anleihen) werden billig aufgekauft, weil sie beglichen werden, sobald das Unternehmen aus dem Tief ausbricht. Auch in die entgegengesetzte Richtung kann der Fonds wetten: Ein Unternehmen ist ruiniert und muss Insolvenz anmelden – doch zuvor verkauft der Fonds ausgiebig die Aktien leer: Sofort, wenn die Insolvenz des Unternehmens angemeldet ist, sollte der Kurs fallen und dem Fonds saftige Gewinne einbringen.4. Global Macro (globbale Makroökonomische Trends)
Wie könnte ein höherer Leitzins den Devisenmarkt verquirlen, umstülpen und durchschütteln? Wie beutelt ein möglicher Handelskrieg zwischen der USA und China den Aktienmarkt? Global Macro spekuliert auf solche globalen Trends; wie reagieren weltweit Währungen, Rohstoffe, Aktien… auf gesamtwirtschaftliche Veränderungen? Ein sehr riskantes Manöver mit häufigem Schiffbruch, wenn die Wirtschaft nicht die Wette des Fondsmanagers berücksichtigt.5. Short only (nur Leerverkäufe)
An der Börse herrscht grob der Gegensatz zweier Lager: Optimisten und Pessimisten – die letzte Gruppe arbeitet nur mit Leerverkäufen. Sie graben in Geschäftsberichten nach verstecken Krisen; sie sprechen mit Unternehmen, Zulieferern und Großhändlern, um verborgene Flauten aufzuspüren. Oder sie decken Bilanzbetrüge auf, tätigen Verkäufe und profitieren von nach unten schießenden Kursen. Nur mit einem allgegewärtigen Risiko kämpfen Short-Only-Fonds: Meistens steigen die Kurse.6. Quantitativer Ansatz
Diese Strategie bildet die Realität in Zahlen ab; Mathematik und Statistik suchen nach Chancen im Markt (Marktanomalien), die ausgebeutet werden können. Der ganze Ansatz steht und fällt mit überlegener Technik: schnelle Computer und überlegene Algorithmen.Natürlich fahren Hedgefonds noch andere Strategien, prominent ist noch die Arbitrage – das Ausnutzen von Preisunterschieden verschiedener Märkte, Börsen oder Papiere. Doch genug der Strategien, kommen wir zu den Renditen:
Die Renditen der Hedgefonds

| Zeitraum | UBS ETF (IE) HFRX Global Hedge Fund Index | iShares Core MSCI World |
| Lfd. Jahr | -3,52 | -3,47 |
| 2019 | 2,27 | 30,22 |
| 2018 | -10,96 | -4,30 |
| 2017 | 2,29 | 7,61 |
| 2016 | -0,47 | 11,28 |

Fazit

- George Soros mit anderen Spekulanten erschütterte 1992 das britische Pfund, wodurch eine Krise des Europäischen Währungssystems ausbrach.
- John Paulson wette 2007 erfolgreich gegen die Immobilienpreise und strich für sich und deine Anleger 15,5 Milliarden Dollar ein, während die Welt in der Finanzkrise beinahe ertrank.
Über den Autor:
Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.
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