Wie arbeiten Blockchain Orakel wirklich? – Funktion, Anwendungen, Beispiele genial einfach erklärt

Stelle dir Folgendes vor:

Du sitzt am Rechner, browst dich durch Google, YouTube, Facebook… doch plötzlich: der graue Bildschirm.

„Kein Internet.“

Und dazu kein YouTube, Facebook, Wikipedia…

Die vier grünen Balken brechen zusammen, Google streikt, du steckst fest.

Du hast deinen Kontakt zur Welt verloren – du bist wie ein Radio ohne Empfang.

Nichts anderes sind Blockchains: Laptops ohne Internetanschluss.

Sie wissen nicht, wer bei der Bundestagswahl gewinnt, welchen Preis Tesla hat oder ob morgen die Sonne scheint.

Jemand muss es ihnen sagen – und das übernehmen Blockchain Orakel.

Deshalb erfährst du jetzt, wie Orakel funktionieren, wo du sie einsetzt, welche Arten es gibt, und natürlich: Was sind die besten Orakel?

Let’s go:

Was sind Orakel? – Der Internetanschluss der Blockchain

Bleiben wir beim Beispiel:

Wenn deine Internetverbindung ausfällt, ziehst du wahrscheinlich den Stecker des Routers, wartest kurz – 1,2,3…10 – und steckst den Stecker wieder hinein.

Meisten werden dann die vier Balken wieder grün.

Blockchains brauchen auch einen Stecker – den Stecker zur Außenwelt.

Denn sie sind in sich geschlossene Systeme; sie wissen nur, was auf der Blockchain passiert:

Beispielsweise wie viele Blöcke gemint wurden, welche Transaktion bestätigt wurden, wie viel eine Transaktion kostet etc.

Wissen von außen bringen dagegen Blockchain Orakel. Sie sind die Brücke, die Außenwelt und Blockchain verbindet.

Wie machen sie das?

Über eine API (Schnittstelle) speisen sie Daten in einen Smart Contract, damit dieser aktiviert wird.

Ein Beispiel:

Du handelst dezentrale Aktien auf der Blockchain – wie Tesla, Google, oder Microsoft. (Bisher auf Synthetix möglich, bald auch auf DeFiChain).

Dafür nutzt du Smart Contracts, also intelligente Verträge.

Sie sind Wenn-Dann-Funktionen: WENN ich den Preis für eine Tesla Aktie bezahle, DANN bekomme ich die Tesla Aktie.

Doch den Preis der Tesla-Aktie? Die kennt die Blockchain nicht!

Sie kommt über ein Orakel. Es sammelt die Preise verschiedener Börsen – NYSE, London, Frankfurt – und gibt dir einen exakten Preis.

Somit handelst du zum gleichen Preis Aktien auf der Blockchain wie auf der NYSE.

Wichtig hierbei ist noch:

Orakel sind nur die Fähre für die Daten – nicht deren Erzeuger.

Sie prüfen, vergleichen und kontrollieren; die Daten erstellen, tun sie nicht.

Also: Orakel sind wie die Internetverbindung der Blockchain; erst über sie können Blockchains auf „Wikipedia“ oder „die Frankfurter Börse“ zugreifen.

Ohne Orakel wären Blockchains taub, stumm und in der Funktion massiv eingeschränkt.

Aber welche Daten geben sie weiter? Wo setzt du sie ein? Das schauen wir uns jetzt an:

Welche nutzbringenden Anwendungsbereiche haben Orakel?

Blockchain Orakel auf einer Lieferkette

  1. Lieferketten: Staus, Engpässe, fehlende Verträge… weltweite Lieferketten sind genauso modern wie Schubkarren mit viereckigen Rädern. Fehlt nur eine Unterschrift, tuckern ganze Schiffsladungen wieder zurück in ihren Heimathafen. Wie können Orakel hier helfen? Sie speisen Informationen (die Unterschrift ist da) in den Smart Contract (das Schiff darf ausladen). Problem gelöst.
  2. Dezentrale Finanzen: Sie sind das Finanzsystem auf der Blockchain, wo du dir Geld leihst und verleihst, Kryptowährungen und Token handelst, Derivate erstellst…. und all das braucht Daten. Vor allem Preise. Über Synthetix beispielsweise erstellst du synthetisches Gold, Öl oder Kupfer. Das heißt? Du handelst den Preis von Öl auf der Blockchain. Und woher kommt der Preis? Genau: von einem Blockchain Orakel.
  3. Wetten: Wer gewinnt den nächsten MMA-Kampf? Wer wird Weltmeister? Das kannst du über Augur wetten, einem Wett-Protokoll auf Ethereum! Aber woher bekommt Augur die Information, wer gewonnen hat? Natürlich, durch Orakel.
  4. On-Chain Audits (Wirtschaftsprüfungen): Stablecoins müssen 1:1 gedeckt sein (außer, du heißt Tether). Das bedeutet: Ein Dollar auf der Blockchain bedeutet ein Dollar in einem Safe. Doch woher kommen die Daten? Wieder über Oracles: Wirtschaftsprüfer schleusen in einen Smart Contract die Information „Jup, der Stablecoin ist gedeckt“ und schon darf er weiter ausgegeben werden. So funktionieren PAX and TUSD.

Kurz: Orakel kannst du überall dort einsetzen, wo du Informationen von außen brauchst, um einen Smart-Contract zu aktivieren.

Doch was für Orakel gibt es?

Schauen wir uns das noch an, bevor wir einzelne Beispiele aufzählen:

Arten von Blockchain Orakeln

  1. Software Orakel: Aktien-Preise, Wechselkurse, das Wetter, der Ausgang eines Fußballspiels… Software Orakel übertragen alles, was im Internet steht; oder auf Websites, Datenbanken oder Servern versteckt liegt – und das in Echtzeit.
  2. Hardware Orakel: Sind der Übersetzer von der echten Welt in die Blockchain Welt. Beispielsweise hat ein Hafenmitarbeiter die Ladung eines Schiffes gescannt. Diese Information gelangt auf die Blockchain und aktiviert einen Smart Contract. Hardware Oracles arbeiten also mit Scannern, Sensoren, Barcodes…
  3. Inbound and Outbound Orakel: Das sind Kreuzungen – Inbound Orakel schicken Daten von draußen nach innen zu einem Smart Contract; Outbound Orakel hingegen Informationen von einem Smart Contract (von innen) nach draußen.
  4. Zentrale und dezentrale Orakel: Zentralisierte Orakel sind das EINZIGE Nadelöhr, wodurch Informationen auf die Blockchain schlüpfen. Stelle es dir vor wie die Frankfurter Börse, die Aktien auf der Blockchain anbietet. Sie allein würde die Preise festlegen. Das ist natürlich riskant, falls diese eine Informationquelle falsch ist. Dezentrale Orakel hingegen zapfen viele Quellen an – oder, um beim Beispiel zu bleiben: die Preise vieler Börsen. So stellen sie Konsens her; also: Wer hat die besten und verlässlichsten Informationen?
  5. Menschliche Orakel: Hier speist ein Mensch die Daten ein. Ein Beispiel könnten die On-Chain-Audits von oben sein. Hat der Wirtschaftsprüfer die Reserven eines Stablecoins geprüft, gibt er seinen Daumen nach oben und leitet die Ergebnisse zu einem Smart Contract.
  6. Vertrags-spezifische Orakel: Sie sind Gehirnchirurgen, Augenärzte oder Brückenbauer… also Spezialisten. Die Orakel übertragen nur Informationen für einen Vertrag. Beispielsweise: Ist die Ladung im Hafen angekommen? Das macht sie unpraktisch für breite Anwendungen, dafür sind sie präzise und verlässlich.

Wenn du jedoch in Blockchain Orakel investieren möchtest – keine Anlageempfehlung! –, welche Auswahl hast du?

Schauen wir uns kurz die drei größten des Orakel-Menüs an:

Wer sind die drei größten Orakel?

  1. Chainlink: Mit Abstand das größte Orakel mit einer Marktkapitalisierung von über 12 Milliarden Dollar. Chainlink ist für Orakel, was Windows für Rechner ist: die Standardlösung. Die meisten großen Protokolle und Plattformen – wie Aave, Synthetix oder Celsius – arbeiten mit Chainlink zusammen. Dabei läuft Chainlink auf Ethereum; kann jedoch auch auf anderen Blockchains arbeiten, solange sie Smart-Contract-fähig sind. Bisher jedoch hauptsächlich mit Blockchains, die mit Ethereum kompatibel sind wie Polygon, Binance Smart Chain oder Avalanche. Und wie funktioniert es? Über viele verschiedene Nodes (Knotenpunkte), die Daten einspeisen. Speist du die richtigen Daten ein, wirst du mit LINK (dem Coin) belohnt – betrügst du, werden deine Einlagen beschnitten.
  2. Band Protocol (BAND): ist der „große“ Rivale von Chainlink. Warum die Anführungszeichen? Weil BAND nur eine Marktkapitalisierung von guten 300 Millionen besitzt. Dafür agiert BAND auf dem Cosmos Ökosystem. Das heißt? Cosmos strebt die Interoperabilität – Zusammenarbeit – vieler Blockchains an, sodass du leicht Coins von einer Blockchain auf die nächste schicken kannst. Das könnte Band Protocol einen Vorteil bei anderen Blockchains geben – außerhalb des Ethereum-Ökosystems. Trotzdem ist Band schon weit abgeschlagen.
  3. Aeternity: Der drittgrößte und noch weiter abgeschlagen mit einer Marktkapitalisierung von guten 44 Millionen. Dafür hat Aeternity einen Vorteil: Es ist eine eigene Blockchain! – sie ist hoch skalierbar, sicher und hat die Orakel-Funktion bereits mit eingebaut. Chainlink und Band Protocol hingegen bauen auf fremden Blockchains auf. Trotzdem ist eine Blockchain nur so viel wert, wie viele Programmierer darauf entwickeln und wie viele Nutzer sie anlockt. Ob Aeternity das gelingt? Das werden wir sehen.

Die ganze Zeit habe ich Orakel nur gepriesen und mit Rosenwasser bespritzt. Doch was sind die Nachteile? Was kann schiefgehen?

Die drei erschreckenden Nachteile der Blockchain Orakel

Wie das Orakel von Delphi manchmal Quatsch erzählt:

„Duft von Schildkröte ward mir bewusst, dem gepanzerten Tiere, /Die in ehernem Kessel gekocht wird, und Stücke von Lammfleisch, /Erz ist darunter gelegt, und Erz wird ruh’n auf dem Kessel…“

…so sind auch Orakel auf der Blockchain nicht fehlerfrei.

Das sind typische Gefahren:

  • „Man-in-the-middle-Attack“ (Attacke des Manns in der Mitte): Hier schiebt sich ein Bösewicht zwischen Blockchain und Orakel, verändert die Informationen oder speist Falsche ein.
  • „Garbage in, Garbage out“ (Müll hinein, Müll hinaus): Ein Orakel ist nur so gut wie seine Quelle. Ist sie fehlerhaft, macht auch der Smart Contract Fehler. Dagegen helfen dezentrale Orakel, die aus vielen Quellen ihr Wissen schöpfen.
  • Vertrauen: Die Blockchain selbst ist vertrauenslos – muss jedoch immer dem Orakel vertrauen. Denn Orakel unterliegen nicht dem Sicherheitsmechanismus der Blockchain.

Fazit zu Blockchain Orakeln

Orakel sind wie der Internetanschluss zu deinem Laptop. Erst mit ihm hast du Zugang zu Informationen.

Genauso sind Blockchains blind und taub – sie wissen nicht, was außerhalb passiert.

Das wissen sie nur über Oracles. Diese speisen alle Informationen ein.

Das größte Oracle ist Chainlink.


Disclaimer: Dieser Text ist keine Anlageberatung, sondern nur die persönliche Meinung des Autors! Alles, was du mit den genannten Informationen machst, unterliegt allein deiner Verantwortung!


Junger Mann schaut in die KameraÜber den Autor:

Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und  notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin Prock. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.

 

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