Chainlink erklärt – Ein einfacher Leitfaden zum größten Blockchain Orakel

Es ist 500 v.Chr.…

…und deine griechische Stadt hat ein Problem: zu viele Menschen, zu wenig Platz.

Deshalb musst du auswandern und eine neue Stadt gründen.

Doch wohin sollst du gehen?

Um das zu erfahren, gehst du nach Delphi – und fragst das Orakel. Nur dort bekommst du wertvolle Informationen von außen.

(Nicht, weil eine Frau auf Drogen die Weisheit der Götter preisgibt, sondern weil dort die ganze Welt ein und aus geht – Delphi war wie der Zugang zum Internet).

Nichts anderes machen Blockchains heute. Sie brauchen Informationen von außen und fragen deshalb ein Blockchain Orakel.

Das heutige Orakel von Delphi ist dabei Chainlink – mit einer Marktkapitalisierung von 12 Milliarden ist es ca. 30-mal größer als das nächste Orakel (Band Protocol).

Deshalb bekommst du jetzt Chainlink erklärt:

  • Was machen Blockchain Orakel?
  • Wie funktioniert Chainlink?
  • Wofür wird Chainlink eingesetzt?
  • Und wofür brauchst du den LINK Token?

Pack deine Sachen und wir machen uns auf die Reise nach Delphi… äh, ich meine Chainlink.

Warum braucht die Blockchain ein Orakel?

Blockchains sind wie Laptops ohne Internetanschluss.

Sie wissen nur, was auf der Blockchain (on-chain) geschieht – wie z.B.: Wie viele Nutzer wollen gerade überweisen? Was kostet eine Transaktion? Welche Adresse hält so und so viele Coins?

…Was Blockchains nicht wissen, ist, was außerhalb (off chain) passiert:

Wie ist das Wetter? Was kostet eine Tesla Aktie? Wer hat die Weltmeisterschaft gewonnen?

Dennoch brauchen Blockchains diesen Informationen.

Und wofür?

Für Smart Contracts.

Das sind intelligente Verträge, die sich selbst ausführen.

Stelle sie dir vor wie Wenn-Dann-Funktionen:

WENN Deutschland die Weltmeisterschaft gewinnt, DANN bekomme ich meinen Wett-Gewinn auf Augur (einem Wett-Protokoll auf Ethereum).

Wer jedoch die Weltmeisterschaft gewonnen hat, das muss der Blockchain erst ein Orakel sagen.

Orakel sind also die Brücken, die die Außenwelt mit der Blockchain verbinden. Und natürlich auch umgekehrt.

Ohne Orakel sind Blockchains wie Piraten mit zwei Augenklappen und Wachs in den Ohren – sie hören und sehen nichts.

Und was, wenn wir die Blockchain einfach mit der Fifa verbinden und die Fifa durchgibt, wer die Weltmeisterschaft gewonnen hat?

Geht auch, hat jedoch ein Problem:

Die Fifa ist EINE zentrale Stelle – gibt sie falsche Informationen durch, bekommst du auch ein falsches Ergebnis. Oder wie die Amerikaner sagen: garbage in, garbage out.

Was Blockchains hingegen brauchen, sind viele, dezentrale Stellen, die jeweils das Ergebnis liefern.

So kannst du vergleichen, aussortieren, kontrollieren und schließlich das richtige Ergebnis herausfiltern.

Und genau das macht Chainlink.

Doch wie funktioniert es? Jetzt bekommst du Chainlink erklärt – einmal in der Kurzform und dann in der nerdigen Langformen (sie darfst du gerne überspringen; ich petze nicht).

Was ist Chainlink?

Die Kurzfassung:

Chainlink ist das Bindeglied zwischen einem Smart Contract (dem Auftraggeber) und Oracles (den „Nachrichtensendern“).

Zuerst fragst du als Betreiber eines Smart Contracts bei Chainlink an, um etwas zu erfahren. Beispielsweise vertreibst du dezentrale Aktien und brauchst Aktienkurse in Echtzeit.

Chainlink sucht nun nach passenden Oracles, die auf deine Anfrage bieten können und LINK Tokens bekommen, wenn sie richtige Daten liefern.

Zuvor überprüft Chainlink jedoch noch ihr Führungszeugnis – wie gut waren ihre Nachrichten in der Vergangenheit? – und verbindet darauf passende Kandidaten mit dir.

Sie leiten nun die Daten an Chainlink weiter; Chainlink übersetzt sie in „Blockchain-Sprache“ und speist sie in deinen Smart Contract.

Fertig.

Jetzt die Langform – aber, aber, sage nicht, ich hätte dich nicht gewarnt!

Die Langfassung:

Eins vorweg: Ich bin kein Technik-Profi. Sollten sich Fehler eingeschlichen haben, schreibe es gerne in die Kommentare.

Bleiben wir beim Beispiel: Du bist ein Smart Contract, der Aktienkurse in Echtzeit braucht.

So gehst du vor:

  1. Du sendest an Chainlink ein Request – also eine Anfrage, was du für Daten brauchst.
  2. Chainlink nimmt dein Request an und übersetzt es in einen Smart Contract – ein sogenanntes Service-Level-Agreement (SLA). Dieses SLA löst drei weitere Smart Contracts aus: einen Reputation Contract, einen Order Matching Contract und einen Aggregating Contract. Was können diese drei Smart Contracts?
  3. Der Reputation Contract ist wie ein Polizist bei einem Verhör. Er überprüft die Oracles (Nachrichtensender) auf deine Vorgaben im SLA, auf ihre Erfolgsgeschichte und ihr Ansehen im Link-Ökosystem. Die schlechten sortiert es aus, die passenden bleiben.
  4. Der Order Matching Contract leitet deine Anfrage an die Oracles weiter. Sie können nun darauf bieten. Das heißt? Sich bewerben, um den Auftrag zu bekommen. Der Order Matching Contract wählt schließlich die Oracles aus. Zudem enthält der Order Matching Contract die Bezahlung; in ihm liegen die LINK Token, die die Oracles verdienen.
  5. Aggregating Contract: Er fasst alle Daten – im Beispiel: Aktienkurse – zusammen, bündelt, vergleicht und kontrolliert sie und sendet dir nun den Konsens zu. Aber das ist noch nicht alles:
  6. Wie kommt nämlich deine Anfrage von der Blockchain zu den News-Feeds, die die Daten liefern? Denn die Aktienkurse MÜSSEN von außerhalb kommen – nicht von der Blockchain. Das übernimmt Chainlink Core: Es übersetzt die on-chain Programmiersprache in off-chain Programmiersprache und leitet sie an Schnittstellen (APIs) weiter. Über diese APIs senden News-Feeds die Aktienkurse.
  7. Chainlink Core nimmt dann die Aktienkurse, übersetzt sie zurück in „Blockchain Sprech“ und sendet sie an den Aggregating Contract, der sie an dich weiterleitet.
  8. Haben die Oracles den Auftrag pflichtgemäß erfüllt, werden sie mit LINK Tokens aus dem Order Matching Contract bezahlt.

Wow, das war ein richtiger Mund voll an Contracts und Oracles… ich habe mir die Finger fast fusselig geschrieben.

Lass uns deshalb zu etwas einfacheren kommen: Wofür brauchst du Chainlink?

Chainlink erklärt: Wofür wird Chainlink eingesetzt?

Die Use Cases von Chainlink erklärt

  1. Dezentrale Finanzen (DeFi): Aktienkurse, Ölpreise, Wechselkurse… das dezentrale Finanzsystem braucht Daten, Daten, Daten. Beispielsweise ermöglicht dir das Protokoll Synthetix, den Preis von Öl auf der Blockchain zu handeln. Und natürlich flüstert Chainlink den Ölpreis an Synthetix.
  2. Wetten: Zentrale Wettanbieter zwacken hohe Gebühren ab, begrenzen Auszahlungen und bestimmen, worauf du wetten darfst. Augur ändert das – mit diesem Protokoll kannst du sicher, dezentral und verlässlich auf alles wetten. Und woher bekommt Augur die Daten? Genau: von Chainlink.
  3. Keepers: Keepers sind „Smart Contract Auslöser” – sie können Smart Contracts auslösen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, und zwar Bedingungen auf der Blockchain und außerhalb der Blockchain. Beispielsweise eine Liquidation auf Aave: Chainlink bemerkt: „Oh, oh, der Preis der Sicherheit fällt und fällt. Bald ist die Position des Nutzers nicht mehr gedeckt und muss liquidiert (aufgelöst) werden.“ Fällt der Preis weiter, lösen die Chainlink Keepers den Smart Contract aus und liquidieren den Nutzer.
  4. Versicherung: Beispielsweise könntest du dich auf der Blockchain gegen ein Erdbeben versichern – aber ich weiß nicht, ob das möglich ist! Bebt nun die Erde, leitet Chainlink die Nachricht an einen Smart Contract, der dir die Schadenssumme auszahlt.

Das sind nur einige Beispiele und zieht sich fort für Lieferketten, Identität oder auch Non Fungible Tokens.

Kurz: Chainlink arbeitet überall, wo du Daten von außerhalb und innerhalb der Blockchain brauchst.

Dafür nutzt du also Chainlink; aber das Protokoll hat ebenso einen Token (LINK). Was kann der?

Chainlink erklärt: Was sind die Use Cases von LINK?

Möchtest du in einen Token investieren, musst du dir zuerst eine Frage stellen:

Wofür verdammt nochmal braucht man das Ding eigentlich?

Ist deine Antwort länger als drei Sätze, nur wildes Herum-Gedruckse oder „wen Lambo?“, dann scheidet dieser Coin völlig aus.

Wofür brauchst du nun LINK?

  • Zahlungsmittel: Chainlink akzeptiert kein Ether, Bitcoin oder Dollar, nein, alle Nodes werden in LINK entlohnt, wenn sie richtige Daten liefern.
  • „Geisel“: Die Oracles (Nachrichtensender) müssen LINK als Geiseln stellen, wenn sie einen Auftrag bekommen. Was heißt das? Es dient zur Sicherheit: Liefert das Oracle lausige Daten, bekommt der Auftraggeber die hinterlegten LINK Tokens. Das Oracle bekommt die Tokens nur zurück, wenn es seinen Auftrag sachgemäß ausführt.
  • Statussymbol: Wie altgediente Generäle sich mit Orden schmücken, so schmücken sich Oracles mit LINK Tokens, indem sie sie halten. Wozu? Hältst du mehr Tokens, ist deine Reputation (Ansehen) höher und du bekommst bessere Aufträge. Deswegen zeigst du gerne, was du hast.

Simpel, oder? So sollten Use Cases sein.

Fazit zu Chainlink erklärt

Chainlink ist die Internetverbindung der Blockchain – es liefert Aktienkurse, Wetterdaten, Nachrichten von Sensoren auf irgendeinem Hafen… ohne Chainlink würden viele Anwendungen auf der Blockchain nicht funktionieren.

Dabei basiert Chainlink eigentlich auf Ethereum, ist jedoch auf vielen Blockchains unterwegs wie Polygon, Binance Smart Chain oder Avalanche.

Zudem steht hinter Chainlink eine der aktivsten Crypto Communities überhaupt – die Link Marines. Sie stemmen sich gegen Kritiker, shillen den Coin und promoten ihn überall.

Damit hat Chainlink alles, was ein erfolgreiches Projekt benötigt: ein Produkt, das jeder braucht; und eine treue Gefolgschaft, die hinter dem Projekt steht.


DISCLAIMER: Dieser Text ist keine Anlageberatung, sondern spiegelt nur die persönliche Meinung des Autors wider. Alles, was du mit den genannten Informationen machst, unterliegt allein deiner Verantwortung.


Junger Mann schaut in die Kamera

Über den Autor:

Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und  notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin Prock. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.

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