Bye Bye Aktien: 7 Gründe, wann du Aktien verkaufen solltest

Aktien zu verkaufen ist wie eine Amputation. Du verlierst einen Teil von dir. Schließlich hast du Wochen überlegt, bevor du zugeschlagen hast. Und jetzt das: Die Aktie liegt tot im Depot wie ein Pottwal an der Nordsee. Sie fällt nur noch; trotzdem… verkaufen? – vielleicht steigt sie wieder. Die übliche Ausrede. Heute erfährst du 7 Gründe, wann du Aktien verkaufen solltest.

Dabei gehen wir so vor:

Zuerst schauen wir uns den Gesamtmarkt an: Wann läuft die Börse kochend heiß und du solltest Aktien verkaufen?

Danach kommen die Einzelaktien – wann ist eine Aktie ein Todeskandidat und sollte aus deinem Depot abtreten?

Los geht‘s.

Am Anfang war doch das Ei

Ich habe nie geglaubt, am Anfang wäre das Huhn gewesen. Und damit bin ich in bester Gesellschaft: Die Börsenlegende Kostolany gibt mir recht – und hat sogar das Ei (er)gefunden.

Das Ei des Kostolany; ein Zyklenmodell, wie die Börse funktioniert. Er muss es wissen, er hatte über 70 Jahre Börsenerfahrung – er hat Millionen gewonnen wie verloren.

Mit diesem Modell beginnen wir; es gibt uns einen ersten Hinweis, wann du dein Wertpapierdepot ausmisten solltest.

Und so rollt das Ei… Entschuldigung, die Börse:

Schema, wann man Aktien verkaufen sollte
Quelle: André Kostolany, Börsenseminar.

Y: Das ist 2008, 2000 oder 1929 – der Börsencrash. Wie eine Grippewelle geht der Pessimismus um; keiner will Papiere kaufen oder halten. Nur die Hartgesottenen decken sich ein.

A1: Das ist die Phase der Korrektur. Erste wirtschaftliche Lichtblicke erhellen die Stimmung. Die Wirtschaft scheint sich zu erholen und die ersten kaufen wieder.

A2: Das ist die Phase der Begleitung. Die Wirtschaft brummt und die Kurse begleiten diese Tendenz. Es geht nach oben. Neue Anleger schwemmen an die Börse.

A3: Das ist die Phase der Übertreibung. Die Kurse steigen und steigen, losgelöst von der Wirtschaft. Der Markt läuft heiß, alle kaufen und hoffen, wieder teurer zu verkaufen.

X: Das ist 1928, 1999 oder 2006 – die Euphorie, die Blase und Hochstimmung. Jeder ist Optimist, jeden zerrt es an die Börse. Jeder glaubt nur an steigende Kurse – „diesmal ist alles anders.“

B1: Das ist die Phase der Korrektur. Die Anleger finden niemanden mehr, der ihre frisch gekauften Papiere teurer abnimmt. Alle sind mit Aktien eingedeckt; so verkaufen die ersten billiger als erwartet.

B2: Das ist die Phase der Begleitung: Diese Ernüchterung greift um sich; die Börse war zu heiß gelaufen. Viele wollen jetzt ihre Aktie verkaufen – doch finden nur wenig Käufer.

B3: Das ist die Phase der Übertreibung: Panik macht sich breit; alle wollen verkaufen und verschleudern ihre Papiere zu Ramschpreisen. Tiefer Pessimismus legt sich über die Börse.

Wann solltest du also deine Aktien verkaufen? Wenn der Markt zu heiß gelaufen ist (X) – bestenfalls in den Stufen A3 und B1.

In den Phasen B3 und A1 solltest du billig kaufen.

Während der übrigen Phasen abwarten; und entweder Geld Aktien halten (A2) oder Geld horten (B2)

Doch wie erwischst du diese Phase – erkennst sie richtig? Das erfährst du jetzt:

7 Gründe, warum du Aktien verkaufen solltest

1. Die Euphorie droht zu platzen

„Be fearful when others are greedy and greedy when others are fearful“ – Warren Buffett

Sei gierig, wenn andere angstvoll sind; angstvoll, wenn andere gierig sind.

Eine Grundregeln, wenn du in Aktien investierst: Bevor eine Blase platzt, sind die Anleger tollwütig. Sie kaufen Aktien wie eine Großfamilie Geschenke zu Weihnachten.

Hier musst du deine Aktien verkaufen, um nicht in der drohenden Abwärts-Entwicklung zu ertrinken.

Damit du diesen Zeitpunkt erwischst, gibt es zum einen psychologische Vorzeichen:

  1. Dein Umfeld: Plötzlich ist die Börse in der Öffentlichkeit. Häufig kaufen Leute, die zuvor nie etwas damit zu tun hatten. Sind Aktien in aller Munde, musst du raus.
  2. Nur steigende Kurse: Die Kurse steigen nur noch, ohne dass dahinter ein Wert steckt. Viele Anleger investieren in Start-ups, in jede Klitsche, und hoffen auf schnelle Kursgewinne
  3. Unrealistische Preise: Der Wert eines Unternehmens ist vergessen – seine Kennzahlen, seine Profitabilität. Nur der Preis ist wichtig; solange er steigt, kauft die Meute.

Der letzte Finanzrocker-Podcast hat mich aufhorchen lassen: Der Gast sagte, die Deutschen interessierten sich verstärkt für den Aktienmarkt.

Eigentlich ein gutes Zeichen und ein Fortschritt finanzieller Bildung; vorsichtig macht es mich trotzdem.

Dennoch ist das alles sehr psychologisch – gibt es nicht etwas Handfestes aus Zahlen und Daten?

Zwei Indikatoren – u.a – gibt es:

Fear & Greed Index: Er berechnet die Stimmung an den Börsen – ist sie angstvoll oder eher gierig? Zu gierig könnte eine Krise andeuten. Wie der Indikator zustande kommt und wie er funktioniert, habe ich dir hier verlinkt.

Buffet-Indikator: Er setzt die Marktkapitalisierung ins Verhältnis zur aktuellen Wirtschaftsleistung (BIP). Ist das Ergebnis über 115, ist der Markt überbewertet. Lese hier nach, wie der Indikator funktioniert. 

Alles diese Anzeichen sind keine Glaskugel; du erfährst nicht, wann die Börse wirklich crasht.

Der Buffet-Indikator steht schon seit 2016 auf überbewertet – außer der Corona-Senke ist mit Crash bisher nichts gewesen.

Deshalb:

Die Börse hält sich nicht an feste Regeln; monatelang kann sie heiß laufen wie ein Runner des Badwater-Laufs im Death Valley.

Trotzdem helfen die genannten Punkte, weil sie dich vorsichtig machen.

Du tauchst deinen Kopf in Kühlwasser, während die anderen mit Feuer spielen.

Denke darüber nach, Aktien zu verkaufen, wenn alle Alarmglocken gleichzeitig klingeln.

So viel zum Gesamtmarkt. Jetzt erfährst du, wann du einzelne Aktien verkaufen solltest.

Keine Sorge: Jetzt wird es – teilweise – konkreter.

2. Deine Gedanken stellen sich als falsch heraus

Was sind deine Gedanken beim Aktienkauf? – es sind nicht die Zahlen, die Diagramme und Bilanzen. Es ist die Idee:

Ich bin mir sicher, dieses Unternehmen wird steigen wie der Luftdruck in der Tiefsee – und war aus diesem Grund…

Ein Beispiel: Natrium-Ionen-Akkus.

Ich weiß, unscheinbar wie Aschenputtel ohne Kleid und Kutsche; aber höre mir zu:

Natrium-Ionen-Akkus könnten leistungsfähiger sein als Lithium-Akkus, länger haltend und enorm günstiger.

Lithium-Akkus wären folglich überflüssig, wie sie Tesla und Konsorten herstellen und verbauen.

Jetzt der Gedanke: Diese Natrium-Ionen-Akkus wälzen die ganze Autobranche um, bringen neue Spieler auf den Markt und öffnen die Mauer zur „Autowende“.

Du wettest also auf die Aktien/Autobauer, die davon am meisten profitieren könnten. Du bestückst dein Depot und erwartest das Ersehnte.

Steigen deine Aktien, ist der Gedanke ein Erfolg.

Wann solltest du deine Aktien hingegen verkaufen?

Wenn die Autowende nach meiner Kenntnis nicht sofort unverzüglich eintritt (Schabowski).

Das könnten die Ursache sein:

  • Die Natrium-Ionen-Akkus scheitern in der Produktion.
  • Sie sind nicht so leistungsfähig wie erhofft.
  • Eine noch revolutionärere Technologie läuft ihr den Rang ab.
  • Du hast auf die falschen Unternehmen gesetzt.

Du wirst gerupft wie eine Weihnachtsgans in den Händen einer pommerischen Bäuerin, weil deinem Gedanken kein Erfolg beschert war.

Jetzt musst du deine Aktien verkaufen; Besserung ist nicht mehr möglich.

Das war mein Gedanke, als ich den verlinkten Golem-Artikel gelesen habe. Verfolgt habe ich ihn nicht – ich verstehe nichts von Technik.

Gedanken gehen jedoch auch einfacher: Du wettest beispielsweise, Henry Lawrence Culp Jr. gelingt der Turnaround von General Electric.

Xiaomi erobert Platz zwei der größten Smartphone-Hersteller.

Huawei wird durch die US-Sanktionen unabhängig von Amerika und dadurch langfristig Marktführer.

Alles Gedanken, denen man folgen könnte

Sind sie jedoch fehlerhaft wie mein Mathe-Abi, musst du dich von deinen Wertpapieren verabschieden.

3. Die Kennzahlen des Unternehmens sind schlecht

Maurer haben ihre Kelle, Aktionäre haben ihre Kennzahlen – ohne sie sind sie verloren wie Peter Pan am Arbeitsmarkt.

Denn Kennzahlen sind zumindest handfest. Aus ihnen kannst du näherungsweise die Zukunft eines Unternehmens abschätzen.

Was sind also Kennzahlen, die ein Verkaufssignal geben?

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)

Formel KUV: Marktkapitalisierung / Jahresumsatz.

Bei einem niedrigen KUV (unter 1) lecken sich Value-Investoren die Finger als wären sie Wassereis.

Denn – im Kontext zu anderen Zahlen – offenbart es eine unterbewertete Aktie (eine sehr günstige). Sie könnte in Zukunft wieder aufholen.

Was nützt dir das, wenn du Aktien verkaufen willst?

Ein hohes KUV verrät auch eine überbewertete Aktie; sie ist zu teuer. Doch hier brauchst du Kontext, und zwar die Branchenmitglieder:

Hat deine Aktie im Branchenvergleich das – mit Abstand – höchste KUV, könnte das ein Verkaufssignal sein.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Formel KGV: Kurs einer Aktie / Gewinn je Aktie

Würde Lucifer einen eingefleischten Börsianer fragen, was dieser sich wirklich wünsche, wäre die Antwort unweigerlich: Ein niedriges KGV (bestenfalls unter 10) bei den Aktien meiner Watch-List.

Die Liebe zum niedrigen KGV sitz tief wie die Heroinsucht in Portsmouth, Ohio.

Doch was besagt diese Kennzahl?

Ist sie niedrig, ist die Aktie unterbewertet; also wieder günstig zu haben.

Doch auch das Gegenteil trifft zu: Ist das KGV zu hoch, ist die Aktie überwertet – also reif, verkauft zu werden.

Wann ist jedoch ein KGV zu hoch?

Das lässt sich pauschal nicht sagen: Die KGVs von Apple, Microsoft oder Amazon sind (oft) Himmelsstürmer. Geschadet hat es ihnen bisher nicht.

Folglich wieder ein Vergleich und dieses Mal ein zweifacher:

a.) Setze das KGV ins Verhältnis zur Branche und den direkten Konkurrenten. Steht das KGV deiner Aktien viel höher, könnte das eine Warnung sein.

b.) Überblicke die historischen KGVs der Aktie – tanzt es zurzeit ungewöhnlich aus der Reihe? Ist es viel höher als sonst? Das KÖNNTE ein Signal sein, die Aktie zu verkaufen.

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis (KCV)

Formel KCV: Aktienkurs / Free-Cash-Flow

Was ist der Cashflow eines Unternehmens? Es ist die Portokasse; Geld, das ein Unternehmen tatsächlich besitzt.

Gewinne sind oft wie falsche Zähne – von außen strahlend weiß, doch innen nur Kunststoff.

Bilanzen können Gewinne schönen; stolz zeigen sie Geld, das gar nicht da ist.

Dieses Problem umgeht das KCV; hierüber erfährst du wie viel Geld das Unternehmen wirklich frei besitzt.

Und dieses Geld steht dir als Aktionär zu (beispielsweise als Dividende bei Dividendenaktien).

Was heißt das nun für dich?

Das gleiche Spiel wie bei den zwei letzten Kennzahlen: Ist das KCV vergleichsweise hoch – die Aktie ist überbewertet – könntest du die Aktien verkaufen.

Die Pay-out-Ratio (Ausschüttungsquote)

Formel: Dividende je Aktie / Gewinn je Aktie x 100

Dividenden können zwei Effekte haben: Sie zwingen das Unternehmen zum gesunden Haushalten oder nagen an der Substanz wie Biber an einem Pappel-Stamm.

Zu viel ist zu viel – eine bestimmte Pay-out-ratio kann ein Unternehmen nicht stemmen.

Es bleibt kein Geld für Investitionen, Übernahmen oder Reserven. Die Firma vertrocknet im Inneren.

Achte deshalb immer, wie viel Gewinn ein Unternehmen an die Aktionäre verteilt.

Ein vernünftiger Rahmen ist 25 bis 75 Prozent – natürlich ist das Branchen-abhängig: Ein Software-Unternehmen muss weniger in Produktionsmittel investieren als ein expandierender Autobauer.

Die Ausschüttungsquote darf folglich höher ausfallen.

Eine Dividende nahe 100 Prozent (oder darüber) ist hingegen Gift.

Das Unternehmen hält nur die Investoren bei der Stange, nicht ihre Zukunftsaussichten.

Wer hier nicht kürzt und mehr ausgibt, als er einnimmt, dessen Aktien solltest du verkaufen.

Mann überprüft die Kennzahlen einer Aktie, um sie notfalls zu verkaufen
Photo by Adam Nowakowski on Unsplash

Dividendenkürzung oder Dividendenausfall

Dividenden-Jäger haben es vergleichsweise einfach: Wird eine Dividende nicht gezahlt oder gekürzt, fliegt die Aktie aus dem Depot.

Denn was bedeutet ein Dividendenausfall: Das Unternehmen verdient nicht genug, um sie zu bezahlen.

Es steckt in einer Krise

Allerdings zieht auch diese Strategie zwei Probleme mit dem Schlepptau:

a.) Kürzt eine Dividendenaktie ihre Dividende, saust der Kurs in den Keller. Hohe Verluste sind vorprogrammiert.

b.) Nicht das Unternehmen ist schuld, sondern der Markt. Bereits im April hatte fast ein Viertel der STOXX 600 Unternehmen ihre Dividende gestrichen – Corona sei nicht Dank.

Katapultierst du diese Aktien aus deinem Aktiendepot, könnten dir saftige Gewinne entgehen, sobald sich Corona zurückzieht.

Verdeutlichen wir das:

Ein Positiv-Beispiel wäre Royal-Dutch-Shell (Öl). Vor der Corona-Krise ein Dividendenaristokrat, konnte es die Dividenden nicht mehr stemmen – sie wurde gekürzt.

Deshalb bleibt mehr Geld für Investitionen, um sich vom Öl unabhängiger zu machen; eine gesunde Entscheidung des Unternehmens.

Gegenbeispiel ist ExxonMobile (auch Öl); es leidet ebenso, aber spekuliert anders: Es kürzt die Dividenden nicht, weil es seine Investoren nicht vergraulen will.

Es hofft darauf, dass nach der Corona-Krise die Öl-Preise wieder steigen und das schwarze Gold wieder richtiges Gold in die Schatzkammern spült.

Solange wird die Dividende gezahlt – auf Gedeih und Verderben.

Welches von beiden Unternehmen recht behält (und das bessere Investment ist), werden die nächsten 1 bis 2 Jahre zeigen.

Deswegen ist die Dividendenstreichung in Krisenzeiten oft ein Dilemma – verkaufen oder nicht?

Ist der Markt jedoch sanft wie eine Meeresbrise, sind Streichungen ein Eingeständnis:

Wir haben miserabel gewirtschaftet – schuldig!

Bitte verkaufe uns.

Alibi-Dividendenerhöhung

Wie gerade gezeigt: Manche Unternehmen leben vom Sog ihrer Dividenden.

Wie ein Strudel werden die Investoren davon mitgerissen und baden in den regelmäßigen Ausschüttungen.

Das ist im Grunde kein Problem.

Ein Problem wird es erst, wenn nur die Dividenden locken wie ein Wurm am Angelhaken. Beißt du zu, schlitzt du deinem Vermögen die Wangen auf und der Hacken zerrt dich qualvoll an der Wunde nach oben.

Bildlich gesprochen.

Was ich damit sagen will: Manche Unternehmen locken mit Popel-Dividenden – jährlich 1–2 Prozent Zuwachs.

Das sind Alibi-Dividendenerhöhungen, damit die Anleger nicht entmutigt sind.

Eins, zwei Jahre mag das kein Problem sein, langfristig das das aber ein schlechtes Zeichen.

Ein gesundes Unternehmen benimmt sich anders:

Procter & Gamble hat seine Dividende um 13 Prozent erhöht – von 1,28 USD zu 1,45 USD. 

Und das nicht unter Regenbogen und Sonnenschein, sondern in der Finanzkrise (2007 zu 2008).

Auch 2009 machte Procter & Gamble nicht schlapp: Es ging noch einmal 13 Prozent nach oben (auf 1,64 USD).

In den letzten Jahren war die Dividendenerhöhung hingegen mickrig (und auch die Ausschüttungsquote über 100 Prozent).

Das könnte zum Denken anregen.

Nimm also folgendes mit: Langsames Dividendenwachstum ist allein kein Verkaufssignal; aber eine mehrjährige Schlappe könnte ein Anzeichen sein, die Aktien zu verkaufen.

Hohe Fremdkapitalquote

Erinnerst du dich an das Märchen vom süßen Brei? – es kocht über von Börsenweisheiten.

Doch was ist die Moral?

Zu viel führt in die Katastrophe.

Genauso bei einem Unternehmen: Moderate Schulden stillen den Investitions-Hunger; zu viele Schulden verstimmen den Magen.

Achte also auf den Verschuldungsgrad eines Unternehmens – auf die Fremdkapitalquote.

Sie darf nicht zu hoch sein; das Risiko wäre enorm.

Frage dich deshalb:

Wie viele Jahresgewinne braucht das Unternehmen, um die Schulden zu tilgen?

Eins bis sieben Jahre sind vertretbar und gesund. Alles darüber ist nicht zu verkraften.

Denke nur an dein Privatleben: Bräuchtest du sieben Jahresgehälter, um deine Schulden zu bezahlen, bist du privatinsolvent.

Selbst Peter Zwegat würde an dir verzweifeln.

Natürlich gibt es Ausnahmen: Manche Branchen verschlingen Fremdkapital wie Piranhas eine blutende Kuh – so beispielsweise Immobilien-Unternehmen.

Verkaufe also Aktien, wenn ihre Verschuldung den genannten Grad übersteigt.

Das waren einige Kennzahlen; mehr findest du im Video von Finanzfluss, das ich dir oben verlinkt habe.

Noch eine Warnung zu Kennzahlen: Sie sind nur ein Teil einer Analyse. Die Börse ist keine Mathematik. Vertraue deshalb nicht nur auf diese Indikatoren.

Kennzahlen sind wie Gartenzwerge – einzeln hässlich, unverzichtbar im Gesamtbild.

Zuletzt die Tipps, wo du die Kennzahlen findest:

4. Eine bessere Aktie am Branchenhimmel

Manchmal musst du ehrlich zu dir sein und deinen Mann, Frau oder divers stehen: Du hast auf einen Loser gesetzt.

Eine junge Frau denkt über ihre Aktien nach
Quelle: Foto von Kaboompics .com von Pexels

Die Konkurrenz fliegt vorbei und deine Aktie bleibt am Boden.

Viele Anleger baden hier in Selbsttäuschung und romantischer Fantasie: Sie hätten den wahren Geheimtipp; er stünde schon auf der Startrampe und warte nur darauf, endlich abzuheben.

Die Wahrheit ist: Eine schlechte Aktie ist meist eine schlechte Aktie – kein Geheimtipp.

Schau nur auf die Konkurrenz: Performt sie seit Langem besser? Hat sie das größere Wachstum (Umsatz/Gewinn)? Produziert sie die beliebteren Produkte.

Murmelst du unwillig ein dreifaches „Ja“, ist es Zeit, deine Aktien zu verkaufen.

5. Sippenhaft

1815 waren fast zwei Millionen Menschen tot.

Hingestreckt in den Koalitionskriegen seit 1792 – fast 23 Jahre ununterbrochen Gemetzel, Blutbad und Abschlachten.

Und es war noch nicht vorbei:

Napoleon kehrte aus der Verbannung zurück und setzte sich erneut die Kaiserkrone Frankreichs auf den Kopf.

Jetzt brauchte er nur eins: Soldaten.

Denn ganz Europa stürmte mit hunderttausenden Soldaten gegen Frankreich, um Napoleon endgültig zu besiegen.

Doch auch Frankreich hatte genug; es wollte nicht mehr bluten.

So flüchteten viele junge Männer in die Wälder, damit sie den Einberufungen entkämen.

Hinter ihnen her die Militärpolizei Napoleons. Denn Fahnenflucht wurde nicht geduldet.

Auch ihre Familien litten: Sie wurden verhaftet, eingesperrt und gefangen gehalten, bis der Flüchtige zurückkehrte.

Es war ein grausames Druckmittel – eine unbarmherzige Sippenhaft.

Wir Anleger sind nicht besser als die Gendarmen Napoleons.

Laufen ein paar Unternehmen schlecht, nehmen wir die ganze Branche in Sippenhaft.

So die Finanzbranche 2008 oder die IT-Branche 2001.

Hier ist die Frage: Lohnt sich der Verkauf? Verkaufst du deine Aktien, weil die Branche abschmiert?

Schließlich gibt es genügend schlechte Beispiele: Die deutsche Bank steht immer noch miserabel, genauso die Commerzbank.

Deren Kurs hat sich von der Finanzkrise noch nicht erholt – die Commerzbank stand 2007 bei 249 Euro, heute bei knapp 5!!!!

Du musst also abwägen, ob du dich lieber von deinem Papier trennst oder die Schwäche aussitzt.

Auch letzteres lohnt sich: Microsoft und Amazon knickten im Dotcom-Crash erst ein und stehen heute hoch wie nie.

Also: Wenn die ganze Branche versagt, ist deine Aktie nur Kollateral-Schaden oder Täter?

Letzteres könnte ein Signal sein, die Aktie zu verkaufen.

Quelle: Photo by Milad B. Fakurian on Unsplash

6. Eine neue Technologie am Markt

Erinnerst du dich an Kodak?

Diesen Pionier der Fotografie für Filme, Spulen oder ausgetüftelte Mechanik.

Ein Traum in Farbe für jeden Fotografen im 20 Jh.

Liest du das Problem?

Im 20. Jahrhundert!

Kodak hat den Sprung in die Digitalisierung verpasst – den Übergang zu Digitalkameras und Chips.

Canon, Samsung, Nikon, Panasonic überrumpelten Kodak wie Zeugen Jehovas unschuldige Hausbesitzer.

2011 kam die Insolvenz, 2013 der Neuanfang – Ausgang ungewiss.

Kodak ist kein Einzelfall – denke nur an Nokia oder Blockbuster Inc.

Die Beispiele sind endlos, aber zeigen: Neue Technologien fressen erbarmungslos alte Börsen-Lieblinge.

Frisches Beispiel sind ESG und nachhaltiges Investieren.

Wer in den nächsten Jahren nicht mitzieht, wird untergehen.

Ist dein Aktien auf der Verliererseite, verpasst einen neuen Trend oder verschließt sich der Entwicklung, solltest du die Aktien verkaufen.

Beispiel Kodak, um Aktien zu verkaufen
Quelle: Bild von Wolfgang Eckert auf Pixabay

7. Gewinne mitnehmen

Manchmal ist der Verkauf kinderleicht.

Es muss dem Unternehmen keinesfalls schlecht gehen, um dessen Aktien zu verkaufen.

Manchmal musst du Gewinne mitnehmen – Aktien eindampfen und sie zu Gold machen.

Wann tritt das ein?

a.) Das Unternehmen hat sein altes Allzeithoch überschritten (meist naht eine Korrektur durch Gewinnmitnahmen).

b.) Das Unternehmen hat dein festgelegtes Ziel gerissen.

Punkt b ist mir am sympathischsten: Ich bin persönlich kein Fan von großen Tech-Werten, die bis ins Endlose steigen sollen.

Ich brauche Geld auf die Kralle und viele Growth-Aktien sind bei Dividenden leider knausrig wie Ebenezer Scrooge.

Deshalb sind hauptsächlich Dividendentitel auf meiner Watch-List und bevor ich einsteige, definiere ich genau, wann ich verkaufen will.

Wie komme ich dahin? Ich schaue mir Geschäftszahlen an, den Chart und die langfristigen Kursentwicklungen.

Ebenso habe immer ich einen Gedanken, warum ich ein bestimmtes Investment tätige.

Danach lege ich einen bestimmten Zielwert fest.

Die Methode ist nicht perfekt – aber zumindest eine Strategie.

Reißt eine Aktie die Schwelle, klingelt mein Alert beim Broker.

Dann schaue ich nach, ob auch Verkaufsgründe Alarm schlagen: Überhitzt der Markt? Ist das Unternehmen überbewertet? Oder ist der Kursanstieg gerechtfertigt?

Trifft letzteres zu, setze ich eine Stop-Loss-Order beim vorbestimmten Limit und lasse die Aktie weiter wachsen.

Steigt die Aktie maßlos weiter, schleife ich meinen Stop-Loss zu neuen Limits.

Ist die Aktie dagegen überhitzt, wird sie aus dem Ofen genommen – so einfach ist es.

Also: Lege dir vorher einen Plan zurecht, wann du deine Aktien verkaufen würdest, um Gewinne mitzunehmen.

Alex Fischer mit seiner Dividendenstrategie verfährt genau so: Der Indikator seines Dividenden-Alarms bestimmt die Marktphase – unterbewertet, neutral oder überbewertet.

Eine unterbewertete wird gekauft, eine überbewertete verkauft (natürlich nach Einzelprüfung).

Während der neutralen Phase sammelt er Cash.

Was ist der Vorteil? Er macht viel höhere Renditen:

Hält er nur eine überbewertete, Aktie kassiert er (z. B.) zwei Jahre lang die Dividende – sagen wir insgesamt 10 Euro.

Verkauft er jedoch das Wertpapier und wartet zwei Jahre, macht er viel höhere Renditen:

Fallen die Kurse – soll ja vorkommen – verdient er 5, 6, 7 Jahresdividenden, nur weil er billig einkauft.

Er erhält mehr Aktien und damit mehr Dividenden – perfekt, um Geld zu vermehren.

Deshalb lohnt sich Geduld – und ab und zu Aktien zu verkaufen.

Alex Fischer im Gespräch mit Marco Lachmann-Anke
Dein Geldcoach Marco Lachmann-Anke im Gespräch mit Alex Fischer

Fazit: Kann man Aktien so einfach verkaufen?

Ich gebe es zu: Alle diese Gründe sind kalt wie eine Leiche auf dem Seziertisch.

Jetzt mögen sie dir einleuchten, doch in der Hitze des Verlusts laufen die Gefühle Amok.

Du denkst nicht mehr klar – du kannst es nicht.

Genauso wenig weiß ich, ob ich meine Aktien unmittelbar verkaufen würde, falls sich meine Gedanken als falsch herausstellen, die Aktien berechtigt abschmieren oder eine Blase zu platzen droht.

Diese Ehrlichkeit ist wichtig; nur mit ihr können wir uns beim Wertpapierhandel disziplinieren.

Denn unser Gehirn hasst Verluste: Das nennt sich Loss-Aversion und zählt zu den kognitiven Verzerrungen.

Deshalb schreibe ich immer auf, wann ich eine Aktie verkaufen würde – sei es mit Gewinn oder Verlust.

Warum die Schreibarbeit? Wegen des psychologischen Effekts der Beständigkeit – ein mächtiger Tipp.

Genauso haben die Chinesen im Koreakrieg US-amerikanische Kriegsgefangene zu halben Kommunisten erzogen.

Eine fast unglaubliche Geschichte:

Die Gefangenen sollten im Lager politische Debatten führen, Essays schreiben und politische Manifeste aufsetzen.

China-freundliche Aufsätze wurden zwar nicht verlangt, aber belohnt:

Die Gefangenen bekamen Kippen, Brot, Freizeit. Natürlich widerstanden nicht viele.

Der Clou: Sie schrieben ihre Bekenntnisse auf. Diese wurden im Camp verteilt, auf Debatten verlesen oder im Camp-Radio ausgestrahlt.

Jeder wusste nun, was du geschrieben hast – ein höllischer Zwang.

Du und das Camp hatten es schwarz auf weiß: Du bist dem Kommunismus zumindest nicht abgeneigt.

Dadurch formte sich ein neues Selbstbild: Du hast ein Bekenntnis verfasst; es ist ein Teil von dir – Teil deines Selbstbildes.

Dieses Bild gehört nun zu uns – wir können es nicht mehr ablegen, ohne flatterhaft und unbeständig zu erscheinen.

Handeln wir dagegen, widersprächen wir uns selbst. Und das verabscheut unser Gehirn.

So äußerten sich viele Kriegsgefangene China-freundlich, sobald der Krieg vorbei war und die Soldaten Heim kehrten.

Das ist die Regel der Beständigkeit.

Schreibst du etwas auf, verpflichtest du dich zu der Handlung – ein Selbstbild entsteht.

Zwar ist das nicht todsicher, aber es zwingt dich mehr als bloße Worte.

Du bist gefasster in der Krise.

Oder du sagst direkt: Ich bin Buy-and-Hold forever. Das ist ebenso dein gutes Recht.

Doch der Hobby Investor sagt es so treffend: Aus Buy-and-Hold wird schnell Buy-and-Forget.

Wertpapiere krepieren im Depot, weil du sie vergisst wie schlechte Eltern ihre Kinder im Bällebad.

Lass es nicht so weit kommen.

Erinnere dich an deine Aktien – und verkaufe sie, wenn nötig.

Disclaimer: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Der Inhalt entspricht nur der persönlichen Meinung des Autors.


Junge schaut in die Kamera

Über den Autor:

Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und  notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.

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