Orderarten an der Börse – Welche es gibt und wie du sie einsetzt, ohne dich zu verzocken

Market Order, Limit Order, Stopp Loss Order… An der Börse hast du mehr Auswahl als an Milka-Schokolade im Supermarktregal. Welche Orderart ist nun die richtige? Wie vermeidest du Börsenfehler und damit Verluste? Jetzt erfährst du die wichtigsten Orderarten und wie du sie goldrichtig einsetzt.

Orderarten an der Börse – wie du sie richtig einsetzt, um nicht unnötig Geld zu verlieren

Market Order – Du kaufst zum angebotenen Preis

Was ist das?

„Frische Lachsforelle, 3,80!“ „Ochsenbäckchen, frisch geschlachtet, 5,99 das Kilo!“ „Saftige Erdbeeren, heute erst gepflückt, 4 Euro!“

Dieses Geschrei begrüßt dich, wenn du auf einen Wochenmarkt gehst (zumindest im Mittelalter).

Der Verkäufer sagt dir seinen Preis und entweder nimmst du die Erdbeeren für 4 € mit – oder nicht.

Kauft jedoch niemand die Erdbeeren, muss der Verkäufer den Preis senken.

Das nennt sich Angebot und Nachfrage – und auch an der Börse treffen sie aufeinander:

Der Verkäufer veräußert Aktien zu einem Briefkurs (Ask), der Käufer nimmt sie zu einem Geldkurs (Bid).

(Versuche erst gar nicht, Brief- und Geldkurs auseinanderzuhalten; bereits seit zwei Jahren muss ich sie jedes Mal nachschlagen).

Daraus errechnet sich der Marktpreis, den dir dein Broker anzeigt.

Und was ist nun die Market Order?

Es ist deine Entscheidung, zum angezeigten Preis zu kaufen – steht Apple bei 100 €, landet Apple zu 100 in deinem Depot.

Natürlich nur, wenn du Glück hast; aber dazu mehr unter den Nachteilen.

Vorteile der Market Order

Unter den Orderarten ist die Market Order die bequemste: kein Grübeln, Überlegen, Nachsinnen – du schlägst einfach zu.

Für wen lohnt sich das?

Vor allem, wenn du als Anfänger Aktien kaufst oder der Preis egal ist.

Mit der Market Order hast du es schnell hinter dir.

Nachteile der Market Order

Kennst du diese nagende Wut?

Du gehst einkaufen und verliebst dich in ein Kleidungsstück – „das muss ich einfach haben“.

Du probierst es an, legst es stolz auf die Kasse und dann gehört es dir.

Doch dann:

Eine Woche später siehst du das gleiche Kleidungsstück; nur 30 Prozent billiger!

Jetzt ist der Stoff NICHT mehr geschmeidig, die Farbe NICHT mehr strahlend und die Größe NICHT mehr wie angegossen.

Das Kleidungsstück ist nur noch ein teures Fetzen Wolle, Seide, Viskose, Kaschmir oder Polyester

Das ist die Verlustaversion, eine kognitive Verzerrung: Wir verabscheuen es, Geld zu verlieren.

Genauso ist es mir der Market Order:

Früh am Morgen kaufst du Apple für einen Kaufkurs von 100, abends steht sie für 97 beim Broker.

BITTER.

Mit einer Limit Order hättest du deinen Einstieg besser planen können.

Damit sind die Nachteile jedoch nicht am Ende.

In ruhigen Marktphasen bleibt die Market Order relativ sicher – die Börse schwankt kaum, – läuft der Markt allerdings heiß, springen auch die Kurse im Dreierhopp hin und her.

Mit einer Market Order könntest du einen schlechten Preis erwischen, weil Zeit vergeht zwischen „Jetzt kostenpflichtig handeln“ und „Ihre Order wurde ausgeführt“.

Der Preis könnte fallen (dein Glück) oder weiter steigen (dein Pech).

Bei einer kleinen Stückzahl spürst du das kaum; aber ein Kauf von 1000 Wertpapieren und zwischenzeitlich steigt der Kurs um 2 €…

Das wird teuer.

Deshalb solltest du meist die Market Order vermeiden und andere Orderarten benutzen.

So die Limit Order:

Limit Order – Du setzt den Preis fest

Speed Limit 25
Quelle: Photo by Joshua Hoehne on Unsplash

Was ist das?

Mit einer Limit Order legst du den Preis fest: Bis zu diesem Preis bin ich bereit zu kaufen – darüber? Vergiss es!

Sagen wir, du willst wieder Apple für 100 €; das gibt du ein und wartest…

Jetzt bezahlst du keinesfalls mehr als 100 €, aber du könntest Apple für 99,5 bekommen, 98 oder 97; nach unten gibt es KEIN Limit.

Nur nach oben.

Das macht sie zur besten der Orderarten für normale Anleger.

Vorteile der Limit Order

Der größte Vorteil?

Du bezahlst nicht zu viel!

Wie gesagt: Du zahlst für Apple nicht mehr als 100 €

Doch wenn Apple bei 120 baumelt? Und du möchtest das Unternehmen zu gerne in deine Obstschale – Verzeihung: Depot – legen, was dann?

Dann ist die Limit Order wie ein Planungstool unter den Orderarten:

Du kannst das Limit setzen und warten; kommt der Fall auf 100, wird die Order automatisch ausgeführt.

(Natürlich nur, sofern deine Ordergültigkeit nicht verfällt; folglich immer nachschauen, wie lange die Order gültig ist).

So reservierst du dir Aktien wie ein Tisch im Restaurant und schlägst zu, sobald sie im Sonderangebot stehen.

Nachteile der Limit Order

Der offensichtliche Nachteil?

Du bekommst die Aktie nicht.

Morgens klemmt der Kurs bei einem Betrag von 36,15 und du stellst deinen Limitkurs auf 36: Hehe, wird schon klappen.

Nur tut es das nicht:

36,50, dann 37, nun 38… Die Kurse schwanken bedrohlich unter 40.

Mittlerweile kaust du ängstlich deine Fingernägel als wären sie eine 1,8 Meter Hubba-Bubba-Kaugummi-Rolle.

Und dann reicht es dir. Du kaufst einfach. BASTA!

Sobald du jedoch kaufst, sinkt der Kurs wieder – zumindest geht es mir immer so.

(Shortseller können sich gerne bei mir melden. Vielleicht sollte ich mal eine Kauforder auf Tesla aufgeben)

Was sind also zusammengefasst die Nachteile?

  1. Du könntest deine Aktie verfehlen.
  2. Du stürzt in eine kleine Nervenkrise, wenn du die Aktie unbedingt willst, sie sich aber deinem Limit entfernt.

Wie löst du dieses Problem?

Hast du eine Aktie ins Herz geschlossen, setze ein Limit, aber ÜBER dem jetzigen Kurs (ein paar Cent reichen).

So erwischst du deine Aktie, läufst aber nicht Gefahr, zu viel zu bezahlen.

Das macht die Limit Order so praktisch unter den Orderarten.

Stop Loss Order – Begrenze deine Verluste

Ein Stop Zeichen
Quelle: Photo by Jose Aragones on Unsplash

Was ist das?

Ertappst du dich bei diesem brutalen Denkfehler?

Glaubst du, wenn eine Aktie um 50 Prozent fällt, müsstest sie nur 50 Prozent zurückerobern, um wieder auf „null“ zu sein?

Falsch gedacht: Es sind 100 Prozent.

(Von 100 auf 50 sind 50 Prozent; von 50 auf 100 sind 100 Prozent).

Deshalb sagt Warren Buffet:

„Regel Nr. 1: Verliere nie Geld. Regel Nr. 2: Siehe Regel Nr. 1.“

Eine Stop Loss Order gehört zu den Orderarten, die diese Verluste beschneiden.

Setzt du sie, erfolgt automatisch der Verkauf, wenn die Aktie eine Schwelle nach UNTEN reißt.

Sagen wir, der Stop Loss liegt bei 90 – erreicht die Aktie 90, bist du draußen.

Vorteile der Stop Loss Order

Ganz klar: Du senkst dein Risiko und begrenzt deine Verluste – UND nutzt diese Orderart, um deine Gewinne abzusichern:

Wenn der Kurs nämlich steigt und steigt, ziehst du den Stop Loss einfach hinterher.

Wenn das Kursniveau darauf fällt, ist dein Gewinn trotzdem sicher.

Das kannst du selbst machen oder nutzt bei manchen Brokern einen Trailing Stop Loss:

Du gibst die Euros oder Prozente ein, wie weit die Verkaufs-Schwelle vom jetzigen Kurs entfernt sein darf.

Und schon zieht der Trailing Stop Loss hinterher.

Wieder ein Beispiel: Deine Apple Aktie steht bei 110 und du willst deine Gewinne sichern. Dafür gibst du einen Trailing Stopp Loss ein und stellst ihn auf 2 Euro.

Steigt der Kurs anschließend auf 115 – alles gut.

Fällt er dann zurück auf ein Niveau von 113, erfolgt die Ausführung.

Du bist draußen.

Nachteile der Stop Loss Order

Was so simpel klingt, ist eigentlich die tückischste unter den Ordertypen.

Warum?

Weil du – meist für immer – aus der Aktie aussteigst.

Reißt der Kurs von Apple 113, verkaufst du – aber was, wenn er sofort wieder steigt?

115, 117, 120… Deine Position ist trotzdem vorbei.

Oder du setzt einen Stop Loss und bist draußen – dennoch willst du die Aktie haben –, deshalb überlegst du:

Fällt sie auf einen bestimmten Kurs? Ist das ein besserer Einstiegszeitpunkt? Jetzt steigt sie wieder, aber sie könnte auch wieder fallen?

So verpasst du einen günstigen Einstieg und schaust den Kursen hinterher wie einer Frau, die dir gerade einen Korb gegeben hat.

Überlege dir deshalb vorher, ob ein Stopp Loss sinnvoll ist – gerade als Anfänger.

Willst du eine Aktie 20 Jahre halten, ist es wohl den Aufwand nicht wert.

Noch ein WICHTIGER Tipp, damit du nicht unnötig Geld verliest:

Setze deinen Stoppkurs nicht auf geraden Zahlen wie 91, 92 oder 93, sondern auf 91,11…

Wieso dieser Aufwand?

Weil alle, die diese Orderart benutzen, gerade Zahlen einsetzen; reißt nun die Schwelle, verkaufen alle gleichzeitig: Eine Lawine tritt los, die die Kurse nach unten drückt.

Das heißt: Du verkaufst mit Pech nicht bei 91, sondern erst bei 90,5 oder 90 oder 89.

Denn der ausgelöste Stop Loss wird NICHT wie eine Limit Order behandelt, sondern wie eine Market Order – unter der Schwelle ist Fledermausland.

Außergewöhnliche Orderarten bei der Geldanlage

Verschieden-farbige Blätter an einem Seil aufgehängt
Quelle: Photo by Chris Lawton on Unsplash

Bist du Trader? Interessiert dich die Chart-Analyse?

Wenn nicht, dürfte dir folgende Orderarten gleichgültiger sein als der sprichwörtlich umgefallene Sack Jasmin-Reis im chinesischen Honghe.

(Ich bin nicht gut mit Sprichwörtern).

Trotzdem solltest du sie einmal gehört haben.

Warum?

Einfach zum Mitreden: Du hast eine pfiffige Antwort, falls man dich auf der nächsten Betriebsfeier hochnäsig fragt:

„Und, welche Orderarten benutzen Sie?“

  1. Take Profit: Dieser Ordertyp ist das Gegenteil von Stop Loss – du begrenzt nicht deine Verluste, sondern nimmst Gewinne mit. Der Vorteil? Du schützt dich vor deinen Gefühlen: Reißt die Schwelle, erfolgt die Orderausführung, und nicht: „Ach, ich bleibe drin, da geht noch etwas!“
  2. One Cancels the Other (OCO): Was versteckt sich hinter diesem Code-Namen aus einem Agententhriller? Ganz einfach: Du gibst zwei Orders gleichzeitig ein – wird eine ausgeführt, wird die andere gestrichen. Ein Beispiel: Du willst Apple gerne zu 110 verkaufen, fürchtest aber gleichzeitig, sie könnte noch fallen. Deshalb setzt du zugleich eine Limit-Order (bei 110 verkaufen) und einen Stop Loss (bei 100 verkaufen). OCO bedeutet nun, dass der Stop Loss gestrichen wird, sobald die Limit Order aktiviert wird – und umgekehrt.
  3. Dynabeat Order: Nein, kein Song von „Jain“, sondern eine Orderart, um im Orderbuch immer ganz oben zu stehen. Du gibst folglich eine Spanne ein, wofür du höchstens kaufen oder verkaufen möchtest, und wenn das Orderbuch in dieser Spanne liegt, bist du ganz oben oder ganz unten. Grätscht der Preis aus der Spanne, wird die Order gelöscht.
  4. Iceberg: Eisberge haben bekanntlich ein Schulter-Taille-Verhältnis, das auf Tinder wenig ankommt – oben schmal, unten breit. Und genau das wollen sehr reiche Leute an der Börse: Sie können nicht mit einmal 100 Millionen Aktien verkaufen; das würde die Kurse beeinflussen. Deshalb müssen sie häppchenweise die Aktien loswerden – also immer die Spitze des Eisberges. Dann rückt Stück für Stück die breite Hüfte nach.
  5. Hidden: Hidden ist die Spitze der Spitze des Eisberges. Die Order ist so groß, dass sie im Orderbuch überhaupt nicht gelistet wird – still und heimlich wird sie nacheinander ausgeführt.

Es gibt noch ungefähr zehn weitere Orderarten; doch sie sind für Optionen, Futures und Forex und Short-Selling auf einem exotischen Onlinebroker – also für die wenigsten Anleger.

Das ist nicht einmal Thema auf einer Betriebsfeier.

Quelle Beitragsbild: Photo by Nicolas Horn on Unsplash


Junger Mann schaut in die Kamera, während er am Laptop sitzt

Über den Autor:

Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und  notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin Prock. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.

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