Die 7 wichtigsten Aktienkennzahlen – ohne die du dir nur Loser ins Depot holst

Hingesetzt und Heft aufgeschlagen! Willkommen zur Börsenmathematik: Jetzt erfährst du 7 Aktienkennzahlen, mit denen du Aktien wie ein Profi analysierst. Und verhinderst, dass du dir teure Loser ins Depot holst.

Das ist Teil 1 von 2 einer kleinen Reihe zur Aktienanalyse – und lernen wirst du Folgendes:

Mit beiden Werkzeugen bis du als Anfänger gewappnet, den Dschungel der Aktien durchqueren, und wie die Profis Verlierer auszusortieren.

Doch zuerst die Frage: Wie setzt du Aktienkennzahlen richtig ein, damit du nicht teure Fehler machst?

Aktienkennzahlen sind keine Glaskugeln – achte auf diese drei Dinge:

1. Aktienkennzahlen sind nur die Kirsche der Aktienanalyse

Aktienkennzahlen machen die gleichen Geräusche wie ein Sexkino: lauter Stöhnen – müssen diese Zahlen wirklich sein?

Ja, müssen sie; aber sie sind nicht alles, sondern nur ein Teil der Story (Geschichte), die du dir zum Unternehmen zurechtlegst.

Sie untermauern deine Annahmen: Ist das Unternehmen profitabel? Hat es nicht zu viele Schulden? Ist das Management effektiv?

Aber die Annahmen kommen vorher – zuerst schaust du dir das Unternehmen an, dann die Zahlen.

Warum?


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Frederik Keilen und Vincent Willkomm (freaky finance) – Jeden Monat Dividenden leicht gemacht

“Einmal eine Dividenden-Aktie gekauft, so hast Du eine gute Chance, ein Leben lang ein passives Einkommen aus dieser Aktie zu erzielen. Und genau darum lieben wir Dividenden!” – Frederik Keilen auf Krawattenlos

Über Frederik und Vincent

Frederik Keilen ist Aktienmarkt-Experte und ganz besonders Experte von Dividendenaktien.

Auf seiner Plattform „Krawattenlos“ vermittelt er seinen Lesern, wie sie aus dem Trott von 9 to 5 ausbrechen und sich mit Dividendenaktien ein sicheres passives Einkommen aufbauen.

Vincent Willkomm beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Finanzen und ist Selfmade-Millionär.

Auf seinem Blog „freaky finance“ schreibt er über verschiedene Finanzthemen und seine persönlichen Erfahrungen.

Über den Workshop:

Und beide erklären dir mit ihrem Workshop „Jeden Monat Dividenden leicht gemacht“, wie du dir ein passives Einkommen mit Dividenden aufbaust.

Du erfährst

  • Wie du dir ein Portfolio aus Dividenden-Aktien zusammenstellst, mit denen du jeden Monat ein passives Einkommen erwirtschaftest
  • Du erkennst, wann eine Dividenden-Aktie günstig oder zu teuer ist
  • Und du erfährst, welche monatliche Sparrate nötig ist, damit du diese Dividendenstrategie erfolgreich anwenden kannst.


Würden Rechne an der Börse erfolgreich machen, wären Analysten und Mathematikprofessoren reicher als die Geissens.

Sind sie jedoch nicht – vor allem Analysten liegen oft falsch.

Verstehe deshalb zuerst das Unternehmen, bevor du es in Formeln zwängst wie in ein Zahlen-Korsett:

  • Was sind die Produkte des Unternehmens? Wie hoch ist ihr Anteil am Umsatz?
  • Steigen die Gewinne? Der Umsatz?
  • Hält das Management einen großen Teil der Aktien (gut)? Oder hält es am Ende des Monats nur eine Gehaltsabrechnung (schlecht)?
  • Ist es vielleicht familiengeführt?
  • Hat es einen Burggraben? – Beispielsweise wie die Marke Coca Cola oder Netzwerkeffekte?
  • Was ist die Vision des Unternehmens? Die Pläne für die Zukunft?
  • Sind die Kunden und Angestellten zufrieden?

2. Es gibt nicht die EINE Kennzahl

Viele sind an der Börse monogam unterwegs: Sie verheiraten sich mit einer Kennzahl (KGV, Dividendenrendite) und schämen sich, anderen hinterherzuschauen.

Trotzdem gibt es an der Börse nicht die eine!

Du brauchst einen ganzen Harem an Kennzahlen, um eine Aktie zu bewerten – und zwar nach verschiedenen Kategorien:

  • Verschuldungsgrad: Debt-to-Equity, Current Ratio (Teil 2)
  • Bewertung an der Börse: KGV, KUV, EV/S
  • Effektivität des Managements: Return on Equity, Return on Invested Capital
  • Profitabilität: Operating Margin, Owner Earnings

Dabei muss sich jeder seinen eigenen Zahlen-Eintopf zusammenrühren, denn nicht jede Branche lässt sich gleich bewerten.

Beispielsweise nutzt Stefan Waldhauser von High Growth Investing für Tech-Aktien die Kennzahlen EV/Sales, Rule of Forty oder Gross Margin.

Ein Dividenden-Investor schaut auf das Dividendenwachstum, die Dividendenrendite und die Ausschüttungsquote.

Kennzahlen sind also eine Werkzeugkiste: Nutze Hammer, Säge oder Nagelpistole – ja nachdem, welches Material du bearbeitest.

In diesem Artikel lernst du NUR ein paar Werkzeuge.

3. Immer vergleichen!

Aktienkennzahlen allein sagen weniger aus als ein Mafiosi zum Verhör – du musst sie vergleichen.

Und hier hast du drei Möglichkeiten:

  • Vergleich zur Vergangenheit: Ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis höher als vor drei Jahren? Ist die Return on Equity gestiegen? Ein guter Vergleichszeitraum sind drei bis sieben Jahre.
  • Vergleich zur Range: Vor allem beim Value Investing suchst du Aktien, die in Ranges, also Spannen schwanken. Beispielsweise liegt ihr KGV meistens zwischen 20 und 30 – unter 20 könnte nun “Kaufen!” schreien, über 30 hingegen “Verkaufen!”.
  • Vergleich zur Konkurrenz der GLEICHEN Branche: Es nützt nichts, Apple mit McDonalds zu vergleichen! Bleibe in einer Branche: Wie hält sich Unilever im Vergleich zu Kraft Heinz?

7 Aktienkennzahlen, mit denen du Loser aussortierst und Gewinner erkennst

1. Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) / P/E-Ratio

Berechnung: Aktienkurs / Gewinn pro Aktie

Das KGV setzt den Aktienkurs (Preis der Aktie) ins Verhältnis zum Gewinn (wie viel du mit der Aktie „verdienst“).

Doch was bedeutet das?

Das KGV gibt an, wie viel Jahre du warten musst, bis du den Preis wieder reingeholt hast:

Steht der Kurs bei 30 und der Gewinn pro Aktie bei 3, hast du in 10 Jahren (KGV von 10) „dein Geld zurück“. Solange sich nichts verändert.

Nur leider umrankt das KGV endlose Mythen wie den Weltenbaum Yggdrasil.

Gern genannt wird:

Ein KGV unter 10 ist günstig, eines über 10 ist teuer.

Blödsinn!

Nimm hier Coca Cola als Beispiel:

2019

21,35

2018

29,50

2017

152,79

2016

29,54

2015

26,46

2014

27,68

2013

23,24

2012

22,41

Viel Glück, bis du Zahlen unter 10 siehst!

Glück hast du eher, wenn du Schwankungen unter 20 abwartest.

Noch eine Faustregel hinterher:

Normalerweise sollte das KGV das Gewinnwachstum nicht überschreiten.

Stieg der Gewinn letztes Jahr um 10 Prozent, ist 10 ein faires KGV – 5 ist günstig, 15 zu teuer.

Problem heute: Weil der Leitzins so niedrig ist, schwemmt mehr Kapital in Aktien – die Folge: Aktien sind überteuert. 

Du findest kaum noch Aktien, auf die diese Regel zutrifft.

Merke dir deshalb drei Sachen:

  • Ein niedriges KGV bedeutet: Das Unternehmen ist für den Markt eine Restrampe und er sieht schwarz für die Zukunft.
  • Ein hohes KGV bedeutet: Der Markt glaubt an hohes Gewinn-Wachstum und ist bereit, mehr zu zahlen.
  • Ob das KGV wirklich hoch oder niedrig ist, zeigt dir der Vergleich zur Konkurrenz, zum Index (z.B. das KGV des S&P 500) und zur Vergangenheit des Unternehmens.

 Nur mit Punkt 3 triffst du brauchbare Entscheidungen!

Charts, ein Handy und Papiere mit Aktienkennzahlen
Quelle: Foto von Olya Kobruseva von Pexels

2. Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) / Price-to-Sales-Ratio

Berechnung: Aktienkurs / Umsatz pro Aktie (Umsatz / Anzahl Aktien)

Diese Kennzahl ist sinnvoll, wenn etwas fehlt: Gewinn!

Vor allem Tech-Startups machen weniger Gewinn als ein Nuller im Lotto – das KGV kannst du nicht einsetzen.

Trotzdem kannst du sie bewerten:


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Frederik Keilen und Vincent Willkomm (freaky finance) – Jeden Monat Dividenden leicht gemacht

“Einmal eine Dividenden-Aktie gekauft, so hast Du eine gute Chance, ein Leben lang ein passives Einkommen aus dieser Aktie zu erzielen. Und genau darum lieben wir Dividenden!” – Frederik Keilen auf Krawattenlos

Über Frederik und Vincent

Frederik Keilen ist Aktienmarkt-Experte und ganz besonders Experte von Dividendenaktien.

Auf seiner Plattform „Krawattenlos“ vermittelt er seinen Lesern, wie sie aus dem Trott von 9 to 5 ausbrechen und sich mit Dividendenaktien ein sicheres passives Einkommen aufbauen.

Vincent Willkomm beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Finanzen und ist Selfmade-Millionär.

Auf seinem Blog „freaky finance“ schreibt er über verschiedene Finanzthemen und seine persönlichen Erfahrungen.

Über den Workshop:

Und beide erklären dir mit ihrem Workshop „Jeden Monat Dividenden leicht gemacht“, wie du dir ein passives Einkommen mit Dividenden aufbaust.

Du erfährst

  • Wie du dir ein Portfolio aus Dividenden-Aktien zusammenstellst, mit denen du jeden Monat ein passives Einkommen erwirtschaftest
  • Du erkennst, wann eine Dividenden-Aktie günstig oder zu teuer ist
  • Und du erfährst, welche monatliche Sparrate nötig ist, damit du diese Dividendenstrategie erfolgreich anwenden kannst.


Vergleiche dafür ihre KUVs.

Diese Aktienkennzahl zeigt dir, mit wie vielen Jahresumsätzen der Preis für die Aktie bezahlt wäre.

Ist das KGV 2, müsstest du zweimal den kompletten Umsatz ausgezahlt bekommen, um dein Geld wieder zu haben.

Es gilt:

Wer ein niedrigeres KUV hat, ist günstiger bewertet.

Tesla

NIO

Umsatz TTM: 28,8 Milliarden $

Umsatz TTM: 1,9 Milliarden $

Umsatz je Aktie: 29,7 $

Umsatz je Aktie: 1,8 $

KUV: 28,8

 KUV: 34,5

(TTM bedeutet: Trailing Twelve Months – also die Ergebnisse der letzten 12 Monate.)

Gegen den chinesischen E-Auto-Hersteller NIO wirkt sogar Tesla billig wie ein Kaugummi aus dem Automaten.

3. Enterprise Value-Sales-Verhältnis (EV/Sales)

Berechnung: (Marktkapitalisierung + Total Debt – Zahlungsmittel und Zahlungsmittel-Äquivalente) / Sales (Umsatz)

Diese Kennzahl ist das KUV mit einem Bizeps wie Arnold Schwarzenegger: Denn sie beachtet zusätzlich die Schulden und das Bargeld (Cash).

Heruntergebrochen bedeutet diese Kennzahl: Wenn ich das Unternehmen übernehmen würde, wie viel müsste ich für einen Dollar-Umsatz bezahlen?

Beispiel Apple TTM:

  • Marktkapitalisierung: 2,2 Billionen
  • Total Debt (langfristige und kurzfristige Verbindlichkeiten): 258 Milliarden $
  • Zahlungsmittel und Zahlungsmittel-Äquivalente: 38 Milliarden
  • Umsatz: 274 Milliarden
  • EV/Sales: 8,8

Für einen Dollar Umsatz bezahlst du 8,8 – ob das viel oder wenig ist, musst du mit der Konkurrenz und der Vergangenheit vergleichen.

Trotzdem sollten ab 10 die Alarmglocken läuten: Ist es wirklich sinnvoll, 10 Dollar für 1 zu bezahlen – und davon noch Produktionskosten abzuziehen, Marketing, Zinsen und Steuern?

Meistens sage ich nein; nur bei Palantir konnte ich nicht widerstehen.

4. PEG-Ratio

Berechnung: KGV / (Gewinn letzte vier Quartale / Gewinn vorherige 4 Quartale)

Diese wichtige Kennzahl ist das KGV, auf das man Rinderbullen-Testosteron geträufelt hat, damit es noch stärker wirkt.

Warum dieser lächerliche Vergleich?

Weil es zusätzlich das Gewinnwachstum beachtet.

Sonst ist das KGV wie ein Bild auf einem Film – ein Momentausschnitt – und beachtet nicht, ob der Gewinn noch wächst oder schrumpft.

Die PEG-Ratio hingegen zeigt bewegte Bilder, indem es dir wie auf einer Leinwand einen Film abspielt.

Achtung: 

Diese Aktienkennzahl gibt es in zwei Ausführungen – einmal das KGV geteilt durch den erwarteten Gewinn und durch den vergangenen Gewinn.

Ich bevorzuge Methode zwei; ich berufe mich lieber auf Fakten als auf den Kaffeesatz der Zukunft.

Doch was sagt dir diese Kennzahl?

Alles unter 1 gilt als unterbewertet – darüber als überbewertet.

Amazon Walmart
KGV TTM: 92,6 KGV TTM: 21,28
Gewinnwachstum: 53 % Gewinnwachstum: 36,8 %
PEG Ratio: 1,7 PEG Ratio: 0,57

Zugegeben: Der Vergleich zwischen Amazon und Walmart hinkt ein wenig.

Ich wollte zuerst Alibaba nehmen, sein Gewinn ist jedoch im Vergleich zu September 2019 TTM gesunken – somit geht die Rechnung nicht auf.

Nach der obigen Rechnung wäre also Amazon überbewertet und Walmart unterbewertet – aber es ist nur eine Kennzahl und sagt nicht alles:

Denn Amazon pumpt so viel in Forschung und Entwicklung, dass für den Gewinn kaum etwas bleibt.

Kerzenchart einer Aktie
Quelle: Foto von AlphaTradeZone von Pexels

5. Eigenkapitalrendite / Return on Equity (ROE)

Berechnung: Eigenkapital (Sharholders Equity) / Jahresüberschuss (Profit)

Wenn Tagesgeld 2 Prozent pro Jahr einbringt (der war gut), ist das die Rendite deines angelegten Kapitals.

Ebenso ist es mit der Eigenkapitalrendite:

Wie viel Rendite auf sein Eigenkapital (Geld der Aktionäre) erwirtschaftet ein Unternehmen?

Beispiel: Ist das Eigenkapital 100 € und der Jahresüberschuss 10 €, beträgt die Eigenkapitalrendite 10 %.

Die Eigenkapitalrendite gehört zu den Aktienkennzahlen, ausweisend, ob das Management etwas taugt: Erwirtschaftet es mit deinem Geld einen hohen Gewinn?

Ein guter Richtwert sind 10 bis 15 Prozent – willst du schnell wachsende Unternehmen, 15 Prozent aufwärts.

Beispiel: Exxon Mobile Vs. Royal Dutch Shell 2019:

Exxon Royal Dutch Shell
Eigenkapital: 198 Milliarden Eigenkapital: 190 Milliarden
Gewinn: 14 Milliarden Gewinn: 15 Milliarden
Eigenkapitalrendite: 7 Prozent Eigenkapitalrendite: 7,8 Prozent

2019 war Royal Dutch besser für dein Geld – aber die Unterschiede sind minimal.

Nicht vergessen: Eigenkapitalrendite über einen längeren Zeitraum überprüfen!

Über die letzten 7 Jahre hat Exxon nämlich fast DOPPELT so viel Eigenkapitalrendite erwirtschaft wie Royal Dutch – 2019 war ein Ausrutscher.

6. Return on Invested Capital (ROIC)

Berechnung: Operativer Gewinn nach Steuern / (Gesamte Verpflichtungen + Eigenkapital – Zahlungsmittel und Zahlungsmittel-Äquivalente)

Dieser Brocken muss noch zertrümmert werden:

  • Operativer Gewinn nach Steuern (EBIT x (1-Tax rate oder Steuerrate): Sind der Operative Gewinn (Gewinn vor Zinsen und Steuern) x (1 – Steuerrate)
  • Steuerrate: Steuern / Gewinn vor Steuern (EBT)
  • Gesamte Verpflichtungen: langfristige Verbindlichkeiten + kurzfristige Verbindlichkeiten

Der Rest dürfte klar sein, doch was heißt dieses Monster jetzt? – Ganze einfach:

Das Ziel eines jeden Unternehmens ist es, sein Kapital so profitabel wie möglich anzulegen (Kapital = Fremdkapital + Eigenkapital).

Beispiel:

Baut Getränkehersteller X eine Fabrik für 1 Million und erwirtschaftet mit ihr pro Jahr 500.000, dann ist das ROIC 50 Prozent!

Getränkehersteller Y baut ebenfalls für 1 Million, erwirtschaftet jedoch nur 100.000, dann ist das ROIC nur 10 Prozent – ein viel schlechteres Investment

Denn wer sein Kapital langfristig profitabel anlegen kann, wächst, wächst und wächst – und (Gewinn)-Wachstums lässt deine Aktien steigen.

Schauen wir uns wieder zwei Beispiele an: die zwei Pharma-Unternehmen Pfizer und AbbVie für 2019:

Pfizer AbbVie
Steuerrate: 8 Prozent (0,08) Steuerrate: 6 Prozent (0,06)
1 – Steuerrate: 0,92 1 – Steuerrate: 0,94
Operativer Gewinn nach Steuern: 12 Milliarden Operativer Gewinn nach Steuern: 12,1 Milliarden
Gesamte Verpflichtungen: 104 Milliarden Gesamte Verpflichtungen: 97 Milliarden
Eigenkapital: 63 Milliarden Eigenkapital: – 8 Milliarden (Schulden übersteigen Anlagen)
Cash and kurzfristige Investitionen: 9,8 Milliarden Cash and kurzfristige Investitionen: 39,9 Milliarden
ROIC: 7,6 Prozent ROIC: 25,2 Prozent

Das bedeutet: AbbVie handelt viel effektiver, aus eingesetztem Kapital neuen Wert zu schaffen.

Oder einfacher ausgedrückt: Ein gebautes Labor reagiert, verknallgast und entflammt mehr Moneten.

7. Operating Margin

Berechnung: Operativer Gewinn (Operating Income) / Umsatz (Sales)

Diese Zahl gehört zu den Profitabilitätskennzahlen und sagt mir:

Wie viel muss das Unternehmen für jeden Dollar Umsatz bezahlen – also für Produktkosten, Marketing und Löhne?

Oder anders ausgedrückt: Wie viel zahlen die Kunden für meine Kosten? – Nehme ich einen Dollar ein, wie viel hat mein Kunde davon bezahlt?

Umso weniger das Unternehmen bezahlt (hohe Operating Margin), desto mehr verdient es.

Bleibe auch hier wieder in einer Branche! Es nützt nichts, Apple mit dem Stahlproduzenten Nucor zu vergleichen.

Ein Beispiel: Die Telekommunikations-Konzerne Verizon und AT&T für 2019:

Verizon AT&T
Operativer Gewinn: 7,6 Milliarden Operativer Gewinn: 6,1 Milliarden
Umsatz: 31,5 Milliarden Umsatz: 42,3 Milliarden
Operating Margin: 24 Prozent Operating Margin: 14,4 Prozent

Hätte ich doch nur Verizon gekauft!

Noch ein Tipp hinterher:

Vergleiche ebenso die Bruttomarge (Bruttoergebnis vom Umsatz / Umsatz) und die Nettomarge (Nettoüberschuss / Umsatz).

So erkennst du, wessen Produkt weniger in der Herstellung kostet (Bruttomage = Kosten ohne Marketing und Gehalt der Arbeiter) und wer profitabler ist (Nettomarge: Wie viel Gewinn bleibt vom Umsatz).

Utensilien, mit denen jemand Aktienkennzahlen anaylsiert
Quelle: Foto von Joslyn Pickens von Pexels

Bonus: Owner Earnings

Berechnung: Nettoüberschuss + Abschreibung und Amortisierung und andere nicht zahlungswirksame Posten – Cashflow aus Investitionstätigkeit (Capital Expenditures) -/+ Änderungen des Betriebskapitals (ob negativ oder positiv).

Investoren stürzen sich auf den Jahresüberschuss wie Hirsche auf den Brunstplatz in der Paarungszeit.

Dennoch verschweigt er viel – und oft ist er Produkt einer Schönheitsoperation, wo er mit Botox, Silikon und Make-up aufgedonnert wurde.

Beispielsweise kann das Unternehmen die Abschreibungen kürzen, schon ist der Gewinn höher.

Als Eigentümer musst du jedoch wissen: Wie viel Geld (Cashflow) steckt wirklich im Unternehmen?

Wie gelingt dir das?

Du rechnest nicht zahlungswirksamen Posten wieder hinein:

Abschreibungen und Amortisierungen sind keine tatsächlichen Ausgaben, wo Geld fließt; es sind nur buchhalterische Posten.

Die Holzverarbeitungs-Maschine von Siemens nutzt über die Jahre ab, wird weniger Wert und muss deshalb abgeschrieben werden.

Genauso ist mit anderen nicht zahlungswirksamen Posten.

Beispielsweise will Exxon 20 Milliarden im 4. Quartal 2020 abschreiben; das macht den Gewinn negativ – dennoch ist das Geld ist nicht weg, nur aus den Büchern verschwindet es.

Machen wir es konkret an einem Beispiel: Der Öl-Konzern Chevron 2019.

Er hat eine Dividende gezahlt von 4,77 $ pro Aktie – jedoch nur 1,55 $ pro Aktie Gewinn gemacht.

Ein Skandal, das kann sich keiner leisten, einfach unwirtschaftlich…

Doch halt! Schauen wir uns die Owner Earnigs an:

Kennzahlen Chevron
Nettoüberschuss: + 2,845 Milliarden
Abschreibungen und Amortisierungen: + 29,218 Milliarden
andere nicht zahlungswirksame Posten: + 2,909 Milliarden
Capital Expenditures: – 14,16 Milliarden
Änderung des Betriebskapitals: + 1,927 Milliarden
Owner Earnings pro Aktie: 12 $

 Die Dividende ist also komfortabel gedeckt!

Trotzdem sind Owner Earnings nur eine Annäherung.

Beispielsweise müssen Öl- und Gas-Industrien Abschreibungen reinvestieren (und oft noch mehr), um langfristig nicht abgehängt zu werden wie ein Holzbeinpirat in einem 100 Meter-Sprint.

Deshalb ermöglichen dir Owner Earnings hineinzublicken, wie viel Geld ungefähr da ist – wofür es genutzt wird, verrät es dir nicht.

 


Junger Mann schaut in die Kamera, während er am Laptop sitzt

Über den Autor:

Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und  notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin Prock. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.

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