Die 5 besten Verschuldungskennzahlen bei Aktien: Lasse nie wieder Pleitegeier in dein Depot!

Die Pleitegeier kreisen. Ihre Opfer sind Aktionäre, die überschuldete Unternehmen kaufen. Willst du ihr Opfer sein? Ich glaube nicht! Deshalb erfährst du jetzt 5 Verschuldungskennzahlen, mit denen du garantiert bestimmst, wie finanziell gesund ein Unternehmen ist.

Dieser Artikel ist Teil 2 unserer kurzen Reihe zu Aktienkennzahlen:

  1. Aktienkennzahlen, mit denen du unterbewertete Aktien findest und dir nur Gewinner ins Depot holst.
  2. Verschuldungskennzahlen, mit denen du Pleite-Kandidaten und wacklige Zahler ausschließt.

5 Verschuldungskennzahlen, um schlechte Unternehmen aus deinem Depot zu verbannen

1. Debt-to-Equity (D/E-Ratio)

Berechnung: Gesamte Verbindlichkeiten / Eigenkapital

Diese Zahl sagt dir drei Dinge:

  1. Finanziert sich das Unternehmen mehr über Schulden oder Eigenkapital (also Aktien)?
  2. Können mit dem Eigenkapital alle Schulden beglichen werden, wenn das Unternehmen bergab geht?
  3. Und das Wichtigste: Wie verschuldet ist das Unternehmen?

Eine Zahl über 2 ist schlecht, zwischen 1 und 2 normal, unter 1 ausgezeichnet.

Aber auch diese Zahl sagt dir nicht alles:

Ein kurzer Blick auf AbbVie genügt – dieses Unternehmen hat eine Debt-to-Equity-Ratio von 5,7 (grausig, als würde Michael Meyers bei dir anklopfen); dennoch deckt der Gewinn mehr als fünfmal die Zinsen.

Außerdem sitzt es auf einem Berg voller Bargeld – all das dämpft diese miserable Zahl.

Ein Beispiel: die Sportsachen-Hersteller Nike und Under Armour für 2019


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Frederik Keilen und Vincent Willkomm (freaky finance) – Jeden Monat Dividenden leicht gemacht

“Einmal eine Dividenden-Aktie gekauft, so hast Du eine gute Chance, ein Leben lang ein passives Einkommen aus dieser Aktie zu erzielen. Und genau darum lieben wir Dividenden!” – Frederik Keilen auf Krawattenlos

Über Frederik und Vincent

Frederik Keilen ist Aktienmarkt-Experte und ganz besonders Experte von Dividendenaktien.

Auf seiner Plattform „Krawattenlos“ vermittelt er seinen Lesern, wie sie aus dem Trott von 9 to 5 ausbrechen und sich mit Dividendenaktien ein sicheres passives Einkommen aufbauen.

Vincent Willkomm beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Finanzen und ist Selfmade-Millionär.

Auf seinem Blog „freaky finance“ schreibt er über verschiedene Finanzthemen und seine persönlichen Erfahrungen.

Über den Workshop:

Und beide erklären dir mit ihrem Workshop „Jeden Monat Dividenden leicht gemacht“, wie du dir ein passives Einkommen mit Dividenden aufbaust.

Du erfährst

  • Wie du dir ein Portfolio aus Dividenden-Aktien zusammenstellst, mit denen du jeden Monat ein passives Einkommen erwirtschaftest
  • Du erkennst, wann eine Dividenden-Aktie günstig oder zu teuer ist
  • Und du erfährst, welche monatliche Sparrate nötig ist, damit du diese Dividendenstrategie erfolgreich anwenden kannst.


Nike

Under Armour

Gesamte Verbindlichkeiten: 14,6 Milliarden

Gesamte Verbindlichkeiten: 2,6 Milliarden

Eigenkapital: 9 Milliarden

Eigenkapital: 2,1 Milliarden

Debt/Equity: 1,6

Debt/Equity: 1,2

Under Armour ist weniger mit Schulden beladen. Zudem ist für Nike bedenklich, wie die Schulden über die Jahre weiter steigen und das Eigenkapital abnimmt.

Aber alles noch im grünen Bereich – keine Angst: Hinter Nike steht immer noch ein Haken.

2. EBITDA-Zinsdeckung

Berechnung: EBITDA / Zinszahlungen

Beantragst du einen Kredit, wirst du durchleuchtet wie das Gehirn im MRT – was arbeitest du, wie viel verdienst du, deine Schufa-Einräge

Die Bank bewertet, ob sie pünktlich ihr Geld zurückbekommt und du die Zinsen bezahlen kannst.

Beim Value Investing und in der Aktienanalyse, sitzt du als strenger Bankberater vor dem Unternehmen, schaust grimmig auf die Zahlen und fällst schließlich eine Entscheidung:

Kann das Unternehmen vor dir seine Zinsen decken?

Schließlich haben Zinsen Vorrang: Zuerst sind sie zu begleichen, bevor der Gewinn (das Geld der Aktionäre) in die Bilanz kleckert.

Um das zu errechnen, benutzt du ein Ungetüm eines Wortes: EBITDAEarnings before interest, taxes, depreciation and amortization.

Oder auf Deutsch: Gewinn vor Zinsen, Steuern und jeglichen Abschreibungen.

Was sagt dir diese Verschuldungskennzahl?

Wie gesagt: Zuerst sind Zinsen und Steuern fällig, anschließend der Gewinn.

Deshalb kannst du Gewinn, Zinslast und Steuerlast zusammenrechnen und erhältst einen Geld-Topf, woraus die Zinsen beglichen werden können.

Hinzu kommen die Abschreibungen; hier versickert kein Geld, es sind allein Posten in der Bilanz.

Weil die Bosch-Bohrmaschine über Jahre abnutzt, muss das Unternehmen sie abschreiben (sie ist weniger Wert als der Kaufpreis).

Das Geld verschwindet jedoch nicht und kann herangezogen werden, um die Zinsen zu begleichen.

Deshalb berechnest du EBITDA wie folgt:

EBITDA: Jahresüberschuss + Steuerlast + Zinslast + Abschreibungen und Amortisierungen.

Sei trotzdem vorsichtig mit EBITDA:

In Industrien, die Kapital verschlucken wie der Wal Pinocchio (Stahl, Kohle, Öl…), müssen Anlagen ständig erneuert werden – das Geld für die Abschreibungen MUSS reinvestiert werden.

Hier solltest du lieber EBIT nehmen (EBITDA OHNE Abschreibungen und Amortisierungen), und diesen Wert durch die Zinslast teilen.

Was sind nun gute Werte?

  • Miserabel: Alles unter 1,5
  • Okay: 1,5 bis 4
  • Sehr gut: ab 4

Beispiel AbbVie und Pfizer TTM:

Kennzahl Pfizer AbbVie
Nettoüberschuss: 8,686 Milliarden 8,436 Milliarden
Steueraufwand: -0,214 Milliarden (Zuschreibung) 0,544 Milliarden
Zinslast: 1,594 Milliarden 1,960 Milliarden
Abschreibung und Amortisierung: 5,115 Milliarden 2,073 Milliarden
EBITDA: 15,181 13,013 Milliarden
EBITDA / Zinslast: 13,8 6,6

Du siehst: Der Gewinn hält sich die Waage, dennoch ist Pfizer der vorbildliche Zahler.

(Obwohl beide Werte ausgezeichnet sind).

3. Nettoverschuldung / EBITDA

Mann übergibt Frau Bargeld
Quelle: Foto von Karolina Grabowska von Pexels

Berechnung: (vollständige Schulden – Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente) / EBITDA

Ja, ja ich weiß: EBITDA ist wie eine Geschlechtsumwandlung – du musst dich erst daran gewöhnen.

Trotzdem ist es im Rahmen einer Analyse der Verschulungskennzahlen besser als der Gewinn.

Es zeigt dir, wie viel Cashflow (Geldströme) wirklich im Unternehmen schwimmt.

So auch bei dieser Kennzahl: Nettoverschuldung / EBITDA.

Nettoverschuldung bedeutet, du bereinigst die Verbindlichkeiten (kurzfristige + langfristige) um Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente.

Das Ergebnis teilst du durch das EBITDA und schon weißt du, wie viele Jahre es braucht, dass alle Schulden getilgt sind.

(Solange sich nichts verändert).

Und zwar tilgt das Unternehmen nicht mit dem Gewinn, sondern mit Geld, das wirklich im Unternehmen steckt.

Was ist ein guter Wert?

Mindestens unter 3!


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Frederik Keilen und Vincent Willkomm (freaky finance) – Jeden Monat Dividenden leicht gemacht

“Einmal eine Dividenden-Aktie gekauft, so hast Du eine gute Chance, ein Leben lang ein passives Einkommen aus dieser Aktie zu erzielen. Und genau darum lieben wir Dividenden!” – Frederik Keilen auf Krawattenlos

Über Frederik und Vincent

Frederik Keilen ist Aktienmarkt-Experte und ganz besonders Experte von Dividendenaktien.

Auf seiner Plattform „Krawattenlos“ vermittelt er seinen Lesern, wie sie aus dem Trott von 9 to 5 ausbrechen und sich mit Dividendenaktien ein sicheres passives Einkommen aufbauen.

Vincent Willkomm beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Finanzen und ist Selfmade-Millionär.

Auf seinem Blog „freaky finance“ schreibt er über verschiedene Finanzthemen und seine persönlichen Erfahrungen.

Über den Workshop:

Und beide erklären dir mit ihrem Workshop „Jeden Monat Dividenden leicht gemacht“, wie du dir ein passives Einkommen mit Dividenden aufbaust.

Du erfährst

  • Wie du dir ein Portfolio aus Dividenden-Aktien zusammenstellst, mit denen du jeden Monat ein passives Einkommen erwirtschaftest
  • Du erkennst, wann eine Dividenden-Aktie günstig oder zu teuer ist
  • Und du erfährst, welche monatliche Sparrate nötig ist, damit du diese Dividendenstrategie erfolgreich anwenden kannst.


Alles ab vier ist wie die 20 nach 4 Stellung des Bestecks im Restaurant:

Ich passe und bin satt!

Beispiel: Die REITs Realty Income und Simon Property TTM:

Kennzahlen Realty Income Simon Properties
Nettoüberschuss: 406,9 Millionen Dollar 1,347 Milliarden
Steuerlast: 11,9 Millionen 3,7 Millionen
Zinsaufwendungen: 305,6 Millionen 776,4 Millionen
Abschreibungen: 684 Millionen 1,299 Milliarden

EBITDA

1,408 Milliarden 3,429 Milliarden
Gesamte Verbindlichkeiten 9,285 Milliarden 29,458 Milliarden
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 724,6 Millionen 1,082 Milliarden

Nettoverschuldung / EBITDA

6 Jahre 8,2 Jahre

Sechs und acht Jahre – das ist ja furchtbar!

Das diese finanziellen Wracks überhaupt noch an der Börse schwimmen und nicht schon längst ersoffen sind…

Halt! Halt!

Ich wollte dir mit den REITs zeigen: Nimm eine Kennzahl nicht zu ernst.

REITs haben immer hohe Verbindlichkeiten, von denen sie Immobilien gekauft haben.

Schaue deshalb immer auf die Branche, nicht auf den Einzelfall!

Im Vergleich zu anderen REITs ist Realty Income vorbildlich kapitalisiert.

4. Current-Ratio und Quick-Ratio

Nicht erschrecken: Die zwei Aktienkennzahlen sagen das Gleiche – nur ist die Current Ratio der Good-Cop und die Quick Ratio der Bad-Cop.

Falls du kein Liebhaber von Gangster-Filmen bist, gleich verstehst du, was ich meine:

Current Ratio

Berechnung: Aktuelle Anlagen (current Assets) / Aktuelle Verbindlichkeiten (current Liabilities)

Verdienst du diesen Monat 2000 €, verprasst aber 500 € mehr,  hast du ein Problem: Du solltest sparsam leben, weil du deine Verbindlichkeiten nicht begleichen kannst.

Ebenso sind Unternehmen morsch wie Weihnachtsbäume im Spätsommer, sobald ihre aktuellen Anlagen ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht decken.

Dann müssen sie Schulden aufnehmen und schlittern immer tiefer in die Schuldenspirale.

Doch was bedeutet “aktuell”? – innerhalb eines Jahres.

Ein guter Richtwert ist 2: Die aktuellen Anlagen sollten doppelt so hoch sein wie die aktuellen Verbindlichkeiten – dennoch unterscheidet sich das von Branche zu Branche:

Öl oder Grundversorger sind oft sehr kapitalintensiv, dafür sind die Zahlungsströme planbar. Deshalb unterschreitet die Current Ratio meistens 2.

Beispiel: Unser Pillenhersteller von oben AbbVie

  • Aktuelle Anlagen: 49,5 Milliarden
  • Aktuelle Verbindlichkeiten: 15,5 Milliarden
  • Current Ratio: 3,1

Kerngesund – und das ganz ohne Tabletten.

Quick Ratio

Ein Inventar mit Schuhen
Quelle: Photo by Martin Adams on Unsplash

Berechnung: (Aktuelle Anlagen – Inventar) / Aktuelle Verbindlichkeiten

Die Current Ratio hat einen Schönheitsfleck: Sie beinhaltet das Inventar.

Eigentlich kein Problem, nur ist es genauso flüssig wie Wüstensand.

Beispielsweise konnte der Nahrungsmittel-Zulieferer Sysco im Lockdown keine Restaurants beliefern – die Nackensteaks verstaubten im Kühlraum.

Und wenn ein Modehersteller auf Gelb setzt, aber der Trend ist Grün, wer kauft dann noch die Klamotten?

Deshalb verzichtet die Quick Ratio auf das Inventar (darum der strenge Bad-Cop).

Das bedeutet: Nur wirklich flüssige Anlagen sollten die aktuellen Verbindlichkeiten bezahlen können.

Hierbei gilt: Aller über 1 ist ausgezeichnet.

Beispiel: wieder AbbVie.

  • Aktuelle Anlagen: 49,5 Milliarden
  • Inventar: 1,8 Milliarden
  • Aktuelle Anlagen – Inventar: 47,7 Milliarden
  • Aktuelle Verbindlichkeiten: 15,5 Milliarden
  • Quick Ratio: 3

Ich hoffe, es zeigt dir: Schaue nicht nur auf eine Verschuldungskennzahl, willst du bestimmen, wie finanziell gesund ein Unternehmen ist.

Laut der Debt-to-Equity-Ratio ist AbbVie ein Invalide (5,7), nach der Quick Ratio jedoch Michael Phelps in Beijing.

Quelle Beitragsbild: Photo by Vinicius Wiesehofer on Unsplash


Junger Mann schaut in die Kamera, während er am Laptop sitzt

Über den Autor:

Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und  notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin Prock. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.

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