Welche Probleme hat nachhaltiges Investieren?
Problem 1: Was ist Nachhaltigkeit?
Nachhaltiges investieren hat sich viele Namen auf die Fahnen geschrieben:- ESG (Enviroment Social Governance): Umwelt, soziale Verträglichkeit und korrekte Unternehmensführung
- SRI (Socially Responsible Investments): Sozial verträgliche/verantwortliche Investitionen; strenger als ESG, weil Branchen-Wertung und die gute/schlechte Presse eines Unternehmens mit einfließen.
- Sustainability: Nachhaltigkeit
Problem 2: Mangelnde Diversifikation
Diversifikation bedeutet: Wir packen nicht alle unsere Anlege-Eier in ein goldenes Körbchen, sondern verteilen sie über verschiedene Anlageklassen, Sektoren, Branchen etc. So vermindern wir das Risiko, weil unsere Anlege-Eier nicht sofort in rote Zahlen auslaufen, sollten sie an einem Unternehmens-Ausfall zerschellen – wir reduzieren also das Risiko, ohne der Rendite zu schaden. Leider verklumpen unserer Anlagen etwas, indem wir nachhaltig investieren. Nehmen wir wieder den MSCI World; in ihm stecken über 1600 Aktien. Wie viele sind wohl im UBS Fonds von oben? – nur 386. Das ist gerade einmal ein Viertel. SO entgeht uns der gewaltige Vorteil des MSCI Worlds: eben breit in die ganze Welt investiert zu sein.Problem 3: Höhere Kosten
Alle Mann in Deckung! Binsenweisheit im Anmarsch! Natürlich bezahlst Du als Anleger mehr, wenn Du einen grünen Filter über deine Anlage stülpst. Der Index-Anbieter hat mehr Aufwand, die gewünschten Aktien herauszufischen; daran verdient er sich aber gern eine grünere Nase. Zusätzlich sind die ethischen ETFs oft physisch replizierend – der Anbieter hält wirklich alle Aktien in seinem Jute-Beutel. Das kostet natürlich ein Quäntchen mehr, die Anleger bevorzugen es aber. Nur bei aktiven Öko-Fonds solltest Du genauer hinschauen: Für das Güte-Siegel „nachhaltig“ klatschen sie gern ein paar Prozente mehr auf die Kosten. Frage dich also, ob der Fonds wirklich ethisch motiviert ist oder bloß den Öko-Trend reitet? Hier ein kleiner Kostenvergleich von nachhaltigen und normalen ETFs:| Lyxor MSCI World: | 0,12 % | Lyxor MSCI World Select ESG Rating: | 0,30 % |
| UBS MSCI Emerging Markets | 0,23 % | UBS MSCI Emerging Markets SRI | 0,35 % |
Problem 4: Rendite-Durchhänger?
Hier zankt sich noch die Wissenschaft und die Wissenschaftler raufen sich die halb-kahlen Schädel: Bringen nachhaltige Investments weniger Rendite? Die derzeitige Tendenz murmelt ein vorsichtiges „Ja“. In einer Studie von 2019 performten ESG-Anlagen schlechter als braune Anlagen – hier kannst Du die Studie nachlesen. Aber diese Meinung entwickelt sich noch; eine Meta-Studie von 2015 – sie untersuchte über 2000 Einzelstudien – bereicherte uns mit anderen Ergebnissen: Es gab entweder keinen Zusammenhang zwischen ESG und der Performance; oder ESG befeuerte sogar die Rendite – hier kannst Du die Studie nachlesen. Also bleiben wir neutral: Ob Nachhaltigkeit ein Viagra ist für unser Portfolio oder ein Durchhänger, das steht noch aus.Nachhaltiges Investieren: Was kann es Dir bieten?
Vorteil 1: Politik und Unternehmen gehen in Richtung Nachhaltigkeit
Schon 2015 haben sich die Vereinten Nationen 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung gesetzt – damit bekämpfen sie die globale Erwärmung, Verletzungen der Menschenrechte oder Wasserverschwendung. Alle Ziele kannst Du hier nachlesen. Aber auch unsere EU zieht nach: Unter den sechs Prioritäten der EU Kommission streckt sich auch der „European Green Deal“. Damit fördert die EU energisch Nachhaltigkeit. Noch ein Beispiel gefällig? Auch die Unternehmen reiben sich die verschlafenen Augen: Blackrock, der größte Vermögensverwalter der Welt, setzt in Zukunft auf Nachhaltigkeit und klimafreundliche Portfolios – hier kannst Du den Brief von Larry Fink (Vorstandsvorsitzender) darüber nachlesen. Also: Billionen werden in Nachhaltigkeit gespült; Dreckschleudern kommen langfristig ins Schlingern. Die Richtung ist also vorgegeben: Umweltfreundlichkeit und soziale Verträglichkeit sind die Zukunft der Wirtschaft und Politik. Welches Unternehmen nicht mit auf den Zug springt, verendet am Bahnhof der Zuspät-Kommer. Solltest Du deshalb gleich mit aufspringen und dein ganzes Portfolio umwerfen? Bloß nicht! Das ist eine langfristige Entwicklung; nicht von heute auf morgen wird die ganze Wirtschaft umgestellt. Schmeiße also nicht deine Strategie über den Haufen, nur weil die Angst juckt, zu spät zu kommen – das machen nur schlechte Investoren. Langfristig kannst Du gerne nachhaltiger investieren, aber das ist deine eigene, überlegte Entscheidung – lass dich nicht überrumpeln und bleibe deinen Anlage-Prinzipien treu.Vorteil 2: Nachhaltigkeit ist ein All-You-Can-Eat-Buffet
Große Auswahl stresst zwar, muss aber kein Nachteil sein: Jeder kann sich sein Nachhaltigkeits-Portfolio selbst zusammenbasteln – und zwar nach seinen persönlichen Richtlinien. Wie ein Sumoringer wabbelt er um das ETF-Buffet und haut sich den Teller voll. Was darf’s denn sein?- Kein Tabak? – dann nehme „ex Tabacco“
- Wenig Kohle? – dann schlage zu bei “Low Carbon“
- Ohne Fossile Brennstoffe? – entscheide dich für „Reduced Fossil Fuels“
- Du willst die grüne Technologie der Zukunft? – haue dir “Disruptive Technology ESG Filtered” auf den Teller.
Welche nachhaltigen Anlagen gibt es?
1. Nachhaltiges Banking.
Verstaust Du Geld auf der Bank, erhält diese einen Freifahrtschein: Sie kann damit machen, was sie will – solange sie es dir auf Befehl zurückgibt. Ob Waffen finanzieren, Afrika das Wasser wegpumpen oder die Umwelt vergiften; die Bank entscheidet, in was sie investiert. Wer das nicht will, findet hier grüne Banken à la carte – sie investieren nur in nachhaltige Projekte:- Tomorrow Bank: Kostenloses Girokonto, App und Debitkarte; die Bank investiert nur in grüne Projekte – ausführlich vorgestellt haben wir sie hier (Klick).
- GLS Bank: Kostenloses Girokonto; investiert nur in sozial-ökologische Projekte
- Tridoros Bank: 5,50 € monatlich für Girokonto; investiert beispielsweise in ökologische Landwirtschaft und erneuerbare Energien.
- Hier kannst Du dich über „Ökobanken“ informieren (Utopia.de).
2. Nachhaltige ETFs
Davon habe ich dir oben einige vorgestellt; aber im Grunde hat sie fast jeder Anbieter im Angebot. Die besten Anbieter sind wohl iShares und Lyxor, weil ihre Preise am Günstigsten sind – aber das muss jeder selbst entscheiden! Aber ein Problem gibt es: Nicht viele Broker vertreiben Sparpläne für nachhaltige ETFs. Am ehesten fündig wirst Du wohl bei diesen:- Comdirect
- DKB
- Consorsbank
- Nachhaltige ETFs kannst Du hier finden: Just ETF.
3. Nachhaltige Aktien
Klar: Aktien haben immer das Klumpen-Risiko; dein Geld verklumpt in ein paar Unternehmen und löst sich in Verlusten auf wie eine Brausetablette, sobald die Unternehmen kippen. Das ist bei nachhaltigen Branchen sehr wahrscheinlich; denn sie setzen oft auf Subventionen – ändern sich die Gesetze, ändert sich die Rendite gleich mit. Das sind nachhaltige Branchen mit Beispielen (Keine Empfehlung!):- Wasseraktien: American Water Works, Evoqua Water, Pentair
- Solaraktien: Canadian Solar IncShs, Neoen SPA, SunPower Corp
- Landwirtschaft: Beyond Meat, John Deer
4. Robo-Advisor
Robo-Advisor legen automatisch dein Geld an – Du wählst eine Strategie und bist investiert. Danach kümmerst Du dich um gar nichts mehr; das spart zwar Aufwand, kostet jedoch etwas mehr und raubt dir die Kontrolle. Diese Robo-Advisor haben grüne Portfolios:- Kapilendo: Ihn haben wir hier vorgestellt (Klick)
- Investify
- Vividam
- Quirion
- Visualvest
5. Crowdinvesting
Bei Crowdinvesting wirst Du ein Kapitalgeber. Du unterstützt Start-Ups und wirst am Gewinn beteiligt – oder erhältst eine jährliche Rendite. Aber hier lauert ein hohes Risiko: Dein Geld ist nachrangig. Geht das Unternehmen pleite – was oft vorkommt – wirst Du als letztes ausbezahlt, falls überhaupt Geld übrig bleibt. Beispiele sind:- Econeers: Habe ich hier ausführlich vorgestellt (Klick).
- Seedmatch: Teilweise ökologische Projekte
- Bettervest: Investiert weltweit in grüne Projekte – z.B. E-Mobilität oder Solaranlagen.
Fazit
Wie süß nachhaltig auch im Trommelfell zwitschert: Lass dich nicht blenden! Nur weil nachhaltig Investieren draufsteht, ist nicht immer das Gewünschte drin – schlimmstenfalls ist lediglich die Verpackung schön, aber das Innere ranzig. Klar: Du willst etwas bewirken und Gutes tun, aber achte zuerst auf dich – wenn Du dein Geld versenkst, entfällt auch ein gesunder Lebensstil und nachhaltiges Investieren. Vergiss deshalb nie den roten Faden guter Anlagen: Kosten, Rendite, Transparenz, Sicherheit und Verfügbarkeit. Erst wenn das stimmt, darf sich Nachhaltigkeit einreihen! Aber welche Möglichkeiten hast Du jetzt genau? Das muss dein Gewissen entscheiden, aber ich sehe 4 Stück:- Du pfeifst drauf und investierst wie immer.
- Du investierst wie immer aber spendest und führst einen nachhaltigen Lebensstil.
- Du investierst tlw. nachhaltig.
- Du investierst nur nachhaltig.
Empfehlungen zum Nachschauen auf YouTube:
echtgeld.tv: Nachhaltiges Investieren. Madame Moneypenny: Grünes Geld – wie investiere ich nachhaltig? Investierst Du bereits nachhaltig? Bist Du damit zufrieden? – lasse es mich in den Kommentaren wissen :).
Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.
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Robin Prock
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