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Welche Vor- und Nachteile haben ausschüttende ETFs?

Heute ist es so weit. Ich melde mich bei meinem Broker an und starre auf mein Verrechnungskonto. In mir macht sich ein warmes, wohliges Gefühl breit. Meine Mundwinkel zeihen sich nach oben.

Eine dicke, schwarze Zahl strahlt mir entgegen. „Geld, das auf meinem Konto gelandet ist, ohne, dass ich im Grunde genommen viel dafür tun musste., denke ich bei mir. So oder so ähnlich kann es dir beim Kauf eines ausschüttenden ETFs ergehen.

Doch sind ausschüttende ETFs wirklich nur das Warten auf ein passives Einkommen oder verbergen sich dahinter auch Nachteile, die du nicht außer Acht lassen solltest? Das klären wir in diesem Blogbeitrag!

Der Unterschied zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETFs

Bei der Auswahl eines für dich passenden ETFs kommt es nicht nur auf den entsprechenden Index, das Fondsvolumen und die Replikationsmethode an, sondern ebenso auf die Ertragsverwendung.

Diese Information findest du entweder ganz einfach im Factsheet oder bei der Recherche unter beispielsweise justetf.com oder unter finanzen.net.

Dabei stehen dir zwei Optionen zur Verfügung: thesaurierende oder ausschüttende ETFs.

Welche Erträge bietet ein ausschüttender ETF?

Die ausgeschütteten Erträge können sich auf zweierlei Art ergeben. Zum einen aus Dividenden von Aktien- und Immobiliengesellschaften und zum anderen aus Zinserträgen durch Anleihen. Andere Anlageklassen wie beispielsweise Rohstoffe bieten diese Möglichkeit nicht.

Entscheidest du dich für eine ausschüttende Variante, findest du auf der Übersichtsseite zudem einen Vermerk dazu, wie häufig eine Ertragsauszahlung stattfindet. Das kann quartalsweise, jährlich oder sogar einmal im Monat sein. Das kommt auf den jeweiligen ETF an.

wie häufig eine Ertragsauszahlung stattfindet

Erträge aus Dividenden

Die Dividendenerträge ergeben sich daraus, dass die im Index enthaltenen Unternehmen Teile ihrer erzielten Gewinne ausschütten. Ganz so, wie bei einer regulären Dividenden-Aktie auch.

Im Gegensatz dazu bietet ein Dividenden-ETF indessen eine breite Streuung gepaart mit geringen Gebühren.

Mag ein passives Einkommen aus Dividenden noch so verlockend klingen, ist es häufig ratsamer Dividenden-starke Unternehmen als Ergänzung, denn als Basis des eigenen Portfolios einzusetzen.

Aufgrund des, nach der Ausschüttung stattfindenden, Kursabfalles ergeben sich durch die Ausschüttungen kaum gewinnbringende Resultate für den Anleger. Nichtsdestotrotz setzen viele Börsianer auf die Dividendenstrategie.

Diese erfolgreich umzusetzen bedarf umfangreicher Analysen und ein gewisses Know-How. Mit dem  alleinigen Herausfiltern der stärksten Dividendenrendite ist es bei dieser Strategie nicht getan.

Erträge aus Zinsen

Beim Kauf von Anleihen erfolgt in der Regel eine jährliche Kuponzahlung an die Gläubiger:innen. Der zuvor festgelegte Zinssatz entschädigt für die Wartezeit bis der Emittent die geliehene Summe wieder zurückzahlt.

Umso riskanter das Geschäft und umso wahrscheinlicher die Ausfallquote, umso höhere Kuponzahlungen müssen Emittenten den Gläubiger:innen bieten.

Um mit Anleihen-ETFs den risikoarmen Anteil des eigenen Portfolios abzudecken, wird allerdings immer dazu geraten nur Staaten mit bestem Rating und damit exzellenter Bonität auszuwählen.

Dazu eignet sich am ehesten die DACH-Region. Aufgrund der geringen Zinspolitik dieser Länder ist ein solches Investment derzeit nicht lohnend. Diese Punkte solltest du bei deiner Anlagestrategie beachten.

Warum kann sich ein thesaurierender ETF lohnen?

Wählst du einen thesaurierenden ETF wird, dein Herz beim Anblick deines Verrechnungskontos nicht schneller schlagen. So viel kann ich dir versprechen. Das kann sich jedoch ändern, wenn du ein Auge auf dein Depot wirst.

Im Idealfall findest du hier eine positive Entwicklung, die nicht allein auf deinen Orders basiert. Die regelmäßig anfallenden Erträge werden bei der Thesaurierung nicht ausgezahlt, sondern dazu verwendet Anteile des gleichen ETFs automatisch wieder anzulegen.

Auf diese Weise kannst du optimal vom Zinseszins profitieren. Sprich, du erhältst Zinsen auf deine Zinsen.

Welches finanzielle Ziel hast du?

Bist du an einer langfristigen Vermögensbildung interessiert, möchtest du selbstverständlich, dass die Zahl auf deinem Depot wächst. Thesaurierende ETFs machen es dir leichter, dein Geld nicht sinnlos auszugeben und gleichzeitig für dich arbeiten zu lassen.

Sind die Zinserträge und Dividenden gar nicht erst auf deinem Verrechnungskonto, ist die Versuchung deutlich geringer deine Ausschüttungen zu verkonsumieren. Dazu müsstest du bereits investiertes Kapital wieder liquidieren.

Dieser Schritt ist deutlich umständlicher als sich die nette Summe eines ausschüttenden ETFs einfach aufs eigene Konto zu überweisen.

Darüber hinaus musst du dich nicht nur davor hüten deine Erträge zu verschleudern, sondern es auch noch selbstständig wieder anlegen. Das bedeutet für dich eine doppelte Kraftanstrengung. Beim Vermögensaufbau solltest du die psychologischen Aspekte nicht unberücksichtigt lassen.

psychologischen Aspekte nicht unberücksichtigt lassen

Es kann ebenso genau umgekehrt sein. Wenn es dich über die Maßen motiviert, Kapitalerträge aus deinen Anlagen auf deinem Konto zu sehen, dann sind ausschüttende ETFs vielleicht doch die richtige Wahl für dich.

Bezogen auf die Kapitalbildung empfiehlt es sich auf thesaurierende ETFs zu setzen.

Anders verhält es sich, wenn du von deinen regelmäßigen Erträgen leben oder diese als Einkommensbonus nutzen möchtest. Dann steht nicht der Ausbau deiner Geldmittel im Vordergrund, sondern deren Nutzung im Alltag.

Aus diesem Grund ist es zweckmäßiger einen ausschüttenden ETF zu nutzen.

Thesaurierende und ausschüttende ETFs – Steuerliche Unterschiede

In Deutschland fällt seit 2009 auf Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Wertpapier- und Fondsverkäufen die sogenannte Kapitalertragssteuer an. Das bedeutet, dass diese Erträge derzeit noch anders versteuert werden als beispielsweise das Gehalt.

So ergeben sich aus 25 Prozent Abgeltungssteuer und 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag eine Steuerlast von 26,375 Prozent. Gegebenenfalls kommen bei dir noch Kirchensteuern hinzu.

Hast du dich für ausschüttende ETFs entschieden, werden diese Steuern sofort fällig, das bedeutet, dass deine Depotbank diesen Betrag direkt von deinen Erträgen abzieht. Anders ist es bei thesaurierenden ETFs.

Versteuerung thesaurierender ETFs

Dort wird zu Beginn des Jahres eine Vorabpauschale berechnet, um so die anfallenden Steuern für das vorherige Jahr zu bestimmen. Die Vorabpauschale ergibt sich aus dem Basisertrag subtrahiert mit den Ausschüttungen.

Der Basisertrag errechnet sich aus einer Multiplikation des ETF-Wertes zu Jahresbeginn, dem Basiszins und 0,7. Der Basiszins wird zuvor vom Bundesfinanzministeriums festgelegt.

Derzeit verhält es sich so, dass aufgrund des negativen Basiszinses, die Vorabpauschale für 2021 komplett entfällt. Der Abzug der Pauschale wird ebenfalls automatisch von deiner Bank vorgenommen.

Versteuerung thesaurierender ETFs

Als Referenz dient zunächst dein Verrechnungskonto. Die Summe auf diesem Konto sollte demnach groß genug sein, um die Vorabpauschale abbuchen zu können.

Allerdings müssen bis zu einem Betrag von 801 EURO für Einzelpersonen und 1.602 EURO bei Ehepaaren gar keine Steuern gezahlt werden.

Dieser Freibetrag ist der sogenannte Sparerpauschbetrag und muss von dir bei deinem Broker mit einem Antrag oder Formular hinterlegt werden.

Du kannst deinen Freibetrag auch auf mehrere Konten und Depots aufteilen. Dabei solltest du auf jeden Fall darauf achten, dass du die 801 EURO pro Person nicht überschreitest.

Letztendlich gilt seit 2018, dass alle ETFs gleich besteuert werden. Das bedeutet, dass du weder mit einem ausschüttenden noch mit einem thesaurierenden ETF einen wirklichen steuerlichen Vorteil erwirken kannst.

Der einzige Unterschied besteht im Zeitpunkt der Besteuerung. Während die größte Steuerlast für ausschüttende ETFs im Moment der Ertragsauszahlung stattfindet, so geschieht dies bei einem thesaurierenden ETF erst beim Verkauf.

Somit kann der Anleger vom Steuerstundungseffekt profitieren, was die positive Auswirkung auf den Zinseszins verstärkt.

Eine Steuerstundung muss jedoch nicht immer zum Vorteil gereichen. Was zunächst gut klingt, kann sich für den Einzelnen dennoch ungünstig auswirken, je nach persönlicher steuerlicher Situation.

Der Sparerpauschbetrag kann schließlich nur in voller Höhe genutzt werden, wenn auch entsprechende Erträge realisiert werden.

Evaluiere für dich selbst, welche finanziellen Ziele du verfolgst und welchen Einfluss die Eigenschaften thesaurierender und ausschüttender ETFs auf deine Psyche haben.

Zusätzlich kannst du dir Gedanken zu deiner individuellen steuerlichen Ausgangslage machen und herausarbeiten, ob eine der beiden ETF-Formen Nachteile für dich herbeiführen kann. Mit diesen Antworten im Gepäck wird dir eine Entscheidung nicht schwerfallen.


Über die Autorin:

Hallo! Mein Name ist Jessi, ich bin 31 Jahre alt und lebe zusammen mit meinem Mann und meinem kleinen Sohn in Berlin. In den letzten 15 Jahren habe ich so ziemlich jeden Euro, den ich zusammenkratzen konnte, für Bekleidung oder anderen Schnick Schnack ausgegeben.

Bis ich eines Tages auf das Thema Börse, Aktien und ETFs gestoßen bin. So schaffte ich es, nicht nur ein Jahr lang keine Kleidung zu kaufen, sondern gleichzeitig noch mein Geld für mich arbeiten zu lassen. Alles zu meiner persönlichen Weiterentwicklung und, wie du das auch schaffen kannst, findest du unter themoneygirl.de

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