Daytrading einfach erklärt: Was das ist und wie Du damit Geld verdienst

Rauf und runter zacken die Kurse über den Bildschirm, flott und schamlos wie ein Flitzer im Stadion. Ein Klick könnte Tausende auf das Konto spülen – oder ein fettes Minus hineinreißen. Das ist Daytrading: Der Kauf und Verkauf von Anlagen innerhalb eines Tages. Für viele ist es eine exakte Methode und Wunderformel für schnelles Geld; für andere reines Hexenwerk und die Lizenz zur Geldvernichtung.

In diesem Beitrag stellt Dir Marco zuerst vor, was Daytrading überhaupt ist, und wie Du damit anfängst. Der Text dafür stammt aus seinem Buch „Geldrezepte“ – er war so freundlich, das Kapitel kostenlos zur Verfügung zu stellen. Danach kommt eine Checkliste, was Du alles brauchst für das Daytrading – gefolgt von einem dicken Risikohinweis.

GeldtypLeistungsorientierter, ehrgeiziger Dominanz Geldfuchs mit hohem Erfolgswillen
Geldrückfluss Höhe****
Passivität des Einkommens*
Initiale zeitliche Investition*
Initiale finanzielle Investition*
Reziprozität (Werte)Der Finanzmarkt wird stabiler und liquider

Zutatenliste

  • 1x Computer mit Internetverbindung
  • 1x Startkapital
  • 1x Tradingsoftware

Geld Rezept

Beim Daytrading handelt es sich um eine Investmentstrategie, die die täglichen Börsenschwankungen von Aktien, Währungen oder auch Rohstoffen in Gewinn für den Anleger umwandeln soll. Im Wesentlichen geht es dabei darum, aus dem aktuellen Nachrichtenstrom diejenigen Meldungen oder Einflussfaktoren herauszufiltern, die die Kurse in den nächsten Stunden bewegen sollten.

Wenn du mit Daytrading Geld verdienen möchtest, dann solltest du Interesse für wirtschaftliche Zusammenhänge und deren mögliche Auswirkungen auf Kursbewegungen mitbringen. Der erste Schritt für das erfolgreiche Daytrading ist, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie sich einzelne Aktien, Edelmetalle, Währungen oder auch Rohstoffe im Laufe eines Tages entwickeln werden.

Dazu solltest du noch nicht an die konkreten Produkte denken, sondern an denjenigen Wert, an den sich später Optionen oder Futures anlehnen werden. Denn Optionen und Futures bzw. deren Kurse und Bewertungen werden von dem Basiswertpapier “abgeleitet”. Deshalb heißen diese auch Derivate (bedeutet: abgeleitetes Wort).

An Tagen mit Quartalsmitteilungen, Umsatzzahlen für vergangene Perioden oder auch Investorentagen kannst du mit einer hohen Volatilität eines Wertpapiers rechnen. Dann müsstest du dich vor der Veröffentlichung entscheiden, ob du von steigenden oder sinkenden Werten ausgehst. Denn mit Derivaten kannst du sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen.

Eine weitere Voraussetzung ist die Möglichkeit, sich einige Stunden aus dem Arbeitsalltag, Studium oder ähnlichem ausklinken zu können. Sobald eine Position offen ist, solltest du die Gelegenheit haben, die Wertentwicklung verfolgen zu können. Eine Kursveränderung von drei, vier oder fünf Prozent am Tag kann sich bei einem entsprechenden Hebel schon nach wenigen Stunden in eine gute Geldanlagegelegenheit verwandeln. Du solltest deine Position sowohl mit einer Order zur entsprechenden Gewinnmitnahme und auch Verlustbegrenzung absichern, sowie persönlich ein Auge auf die Wertentwicklung werfen können.

Wenn du einige Daytrading-Ideen sozusagen auf Papier erfolgreich abgeschlossen hast, dann kannst du dich auf die Suche nach einem Wertpapier oder einem Verfahren machen, mit dem sich die Anlageidee umsetzen lässt. Das Wichtigste dabei: Nicht zu hohe Gebühren und die Möglichkeit, schnell nachrechnen und handeln zu können.

Deshalb könntest du dir einen Bankpartner suchen, bei dem du die “pure” Wertveränderung mit einem festen Hebel handeln kannst und der vergleichsweise wenig Gebühren verlangt. Die Produkte werden von vielen Direktbrokern angeboten und als CFDs (Contracts for differences = Verträge auf Wertveränderungen) bezeichnet.

Zubereitung: Schritt-für-Schritt-Anleitung 

Vorbereitung

  • Tradingstrategien finden
  • Bücher lesen, Online-Kurse und Seminare besuchen
  • Such dir einen Trader als Mentor

Testphase

  • Nutze die Simulatoren und Demokonten der Handelsplattformen
  • Entwickle deine eigene Strategie und teste sie mit “Spielgeld”
  • Wende deine Strategien auf die Vergangenheit an (hätten sie funktioniert?)

Trading

  • Riskiere zu Beginn nur wenig und steigere dich
  • Nimm dir Zeit und überwache deine Trades
  • Gib dein Wissen an andere weiter (Lehren ist wie Lernen nur intensiver)

Hier geht’s zum Buch “Geldrezepte” (Klick).

Daytrading: Was Du zum Start brauchst

Brokerwahl

Der Bauarbeiter hat seinen Bagger, der Tischler seine Hobelbank, Du hast Deinen Broker: Es ist Dein Werkzeugkasten und Arbeitsinstrument. Deshalb wähle weise; solltest Du bereits hier patzen, verschlingen Dich die Gebühren, versteckten Kosten oder schlimmer noch: Der Broker wettet im Hintergrund gegen Dich. Hier ist eine kleine Checkliste, die die Wahl erleichtert:

  • Gibt es eine Einlagensicherung?
  • Sind die Konten getrennt: Fließt Dein Geld nicht in das Vermögen des Brokers?
  • Wie ist der Broker reguliert: Oft sitzen Broker im Ausland; kontrolliert ihn eine strenge Behörde wie die FCA (Financial Conduct Authority)?
  • Hat der Broker internationale Auszeichnungen wie z.B. der Broker GKFX?
  • Hast Du die AGB gelesen und verstanden?
  • Gibt es eine deutsche Niederlassung; ist der Kundenservice 24/7 erreichbar?
  • Was sind die Kosten?
  • Bietet er kostenlose Tools, Webinare und Software an?

Metatrader

Wie vor einen Horrorfilm geklammert sitzen die Trader vor dem Bildschirm und starren auf die Kurse, die wie ein Elektrokardiogramm im ZickZack verlaufen. Damit aber auch Du die Kurse siehst, brauchst Du einen Metatrader – das ist die anerkannte Trading-Software und sie ist komplett kostenlos. Die üblichen Versionen sind Metatrader 4 und 5, wobei 5 nicht unbedingt besser ist als 4.

Doch was kann die Software? Sie ist das Bindeglied zwischen dem Markt und Dir; Du handelst also über den Metatrader. Trotzdem musst Du ihn auf Deine Bedürfnisse zuschneiden, denn seine Grundeinstellungen sind unhandlich. Wie das geht, erfährst Du in diesem YouTube-Video. Schließlich kannst Du über den Metatrader in alle Anlageklassen investieren: Aktien, Devisen, Rohstoffe, Metalle, Anleihen und Derivate.

Zuletzt bietet Dir der Metatrader die Tools, ohne die Du Daytrading nicht überleben würdest:

  • Stopp-Loss: Rutscht der Kurs auf eine bestimmte Marke, wird automatisch verkauft. So verhinderst Du allzu große Verluste und sicherst Deine Gewinne, indem Du ihn immer höher einstellst.
  • Take-Profit: Dieses Tool ist eine Daumenschraube für Deinen Spieltrieb; Du wirst gezwungen, einen Gewinn mitzunehmen – natürlich stellst Du die Höhe vorher ein. So verzockst Du Dich nicht.

Startkapital und die Märkte

Dein Konto solltest Du niemals per Tröpfchen-Infusion am Leben erhalten: hier einmal 100 €, dort dann 200 €. Damit hältst Du Dich nur kurz, weil Dein Kapital-Puffer zu niedrig ist, um Verluste zu verkraften. Mit mindestens 500 – 1000 € solltest Du schon loslegen. Aber auch hier gilt: Fange klein an. Setze nur 1 – 2 % Deines Kapitals pro Trade. Bei 1000 € sind das jeweils 50 oder 100 Mal – so darfst Du öfters daneben liegen, ohne alles zu verlieren.

Natürlich musst Du Dich auch für eine Spielwiese entscheiden: Wo willst Du traden? Anfänger sollten sich auf einen, maximal zwei Märkte begrenzen. Warum? Sie müssen die Märkte und die wirtschaftlichen Zusammenhänge verstehen. Die Kurse werden von den Nachrichten gemacht, deshalb solltest Du alle Wirtschafts-Nachrichten auf dem Schirm haben – das geht schlecht bei vielen Märkten.

Am meisten genutzt wird der Forex-Markt; das ist ein Devisen-Markt – Du tauschst eine Währung gegen eine andere. Der Vorteil des Marktes: Du kannst 24/7 traden ohne Unterbrechungen, denn der Forex-Markt ist der größte Markt der Welt. Aber halte Dich auch hier vorerst an ein Währungspaar wie EUR/USD, ansonsten müsstest Du zu viele Nachrichten überblicken. In diesem Video kannst Du Dich über den Forex Markt informieren.

Chartanalyse

Für viele Trader ist der Chart (Kursverlauf) eine Hellseherkugel in die Zukunft: Aus ihm lesen Sie den Zeitpunkt ab, zu kaufen oder zu verkaufen. Sie erblicken darin Muster, die ihnen gewisse Signale geben. Trotzdem ist die Chartanalyse keine feste Wissenschaft, sondern ein rutschiges Wattenmeer von Vermutungen.

In der Wissenschaft dominiert die Random-Walk-Theorie: Die Aktienkurse bewegen sich immer zufällig; niemand kann sie vorherbestimmen. Auch die angeblichen Muster sind nur ausgewürfelt und sagen nichts aus über den zukünftigen Verlauf. Das zur Klarstellung; mit der Chartanalyse gehst Du also durch Morast und nicht auf einer festen Straße.

Hier sind Beispiele für eine Chartanalyse:

Schulter-Kopf-Schulter-Umkehrformation

Eine Formation für das Daytrading

Diese Formation beschreibt, wie sich ein Aufschwung in einen Abschwung umkehrt: Es kommt zu einem Hoch (S), das ich konsolidiert. Darauf steigt es zu einem noch größeren Hoch (K), fällt aber wieder zurück auf das alte Tief (die gepunktete Linie); danach kommt noch einmal ein Aufschwung (S). Danach kehrt sich der Trend um: Er fällt und durchbricht nicht noch einmal die gepunktete Linie.

Dreifach-Spitzen

Eine Formation für das Daytrading

 

Sie ähnelt der Schulter-Kopf-Schulter-Umkehrformation; nur gibt es drei Spitzen, die alle auf gleicher Höhe liegen. Sobald die gestrichelte Linie durchbrochen wird, gibt man das Verkaufssignal.

Doppel-Spitzen

Position beim Daytrading

Die Formation ist am häufigsten und leicht für Trader erkennbar: Zwei Spitzen stehen auf gleicher Höhe; wird die gestrichelte Linie durchbrochen, gibt man das Verkaufssignal.

Hier findest Du die bekanntesten Muster.

Wirtschaftliche Zusammenhänge

Die Wirtschaft und der Chart spielen Katz-Maus: Saust eine Verlautbarung  durch die Nachrichten, folgt ihr der Kurs auf der Stelle. Das besagt die Efficient Market Theory: alle verfügbaren Informationen werden in die Kurse eingespeist. Deshalb muss der Daytrader immer verstehen, wie eine Nachricht den Kurs beeinflusst. Ein Beispiel:

Die EZB verkündet, sie hebt den Leitzins an (träum weiter); was bewirkt das, handelt man am Forex Markt das Währungspaar EUR/USD? Sie macht den Euro stärker; deshalb steigt der Kurs, weil man mehr Dollar für einen Euro bezahlen müsste. Senkt die EZB den Leitzins, so fällt der Kurs: Man muss weniger Dollar für einen Euro zahlen.

Risiko

Mein Gewissen würde mir in den Hintern beißen, erwähnte ich nicht die Risiken des Daytradings. Denn Träume vom schnellen Geld zerplatzen rasch wie Seifenblasen an Kinderhänden. Zwar gibt es Trader, die reich geworden sind, aber das ist die Minderheit: Hinter einem Glückspilz stehen hundert zerbrochene Existenzen, die ihr Vermögen verzockt haben. Ein Totalverlust ist immer möglich und hier sind drei Gründe, die absolut gegen Daytrading sprechen:

1. Studie: The Cross-Section of Speculator Skill Evidence from Day Trading

Diese Studie untersuchte Daytrader aus Taiwan, und zwar von 1992 bis 2006. Die Ergebnisse: Ganze 85 % der Daytrader erwirtschafteten dauerhaft Verluste. Na ja, dann bin ich halt unter den restlichen 15 %. Auch falsch: Die Studie konnte nicht nachweisen, dass 14 % eine gewinnbringende Strategie verfolgen; ihre Ergebnisse waren bloß Glück. Nur unter 1 % konnte Gewinne über die Jahre strategisch wiederholen; bloß sie wählten dauerhaft die richtigen Aktien.

Diese Studie habe ich vom Blog Aktienrebell; er hat alle Argumente gegen Daytrading wunderbar zusammengefasst. Sie kannst Du hier nachlesen.

2. Studie: NASAA Day Trading Report

Diese Studie verfolgte Daytrader über einen kürzeren Zeitraum, und zwar von 1998 bis 1999. Auch hier ist das Ergebnis nicht rosig für Daytrader: Ca. 70 % der Trader verlor einfach alles, was sie investiert hatten; nur 11.5 % machten konstant Gewinne. Diese vielen Gewinner relativieren sich aber über einen längeren Zeitraum. Umso länger am Markt, desto unwahrscheinlicher hohe Gewinne.

Daytrader kämpfen gegen die Besten der Besten

Ein einfacher Trader steht immer im Ring mit Muhammad Ali: Alle Analysten jeglicher Fonds, Banken oder Geldinstitute angeln nach den gleichen Fischen – falsch bewertete Wertpapiere oder Kursänderungen. Dennoch haben sie das bessere Equipment, die schnelleren Computer und mehr Knowhow; würdest Du mit einer Wasserpistole auf einen Panzer schießen?

Deshalb: Daytrading ist sehr riskant; solltest Du trotzdem damit anfangen wollen, informiere Dich gründlichst. Befolge aber vor allem Marcos Rat und übe solange mit einem Demokonto, bis Du Dir sicher bist.


Junge schaut in die Kamera.

Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und  notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.

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Robin Prock

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