Wie ich meine Shoppingsucht besiegte – und wie du das auch kannst

Ich klicke auf das dritte Paar Schuhe, das sich neben dem Pullover, den zwei Kleidern und der Tasche in meinem virtuellen Warenkorb in bester Gesellschaft befindet. Die Zahl 945,67 EUR erscheint über dem “Jetzt kaufen” Button. Mit einem Klick und in freudiger Erwartung sende ich die Bestellung ab. Wenige Sekunden später macht sich jedoch die Ernüchterung breit und ich merke mal wieder – die Shoppingsucht hat mich voll im Griff.

Wie ich merkte, dass ich shoppingsüchtig bin

Ein Paket dieser Größenordnung wäre vielleicht noch zu verkraften gewesen, doch in den letzten Monaten hatten sich Bestellungen dieser Art gehäuft. Auch wenn ich natürlich einiges davon retournierte, so behielt ich doch immer mehr. Mehr, als ich mir leisten konnte.

Das spiegelte sich auch eindeutig in meinem Kontostand wider. Schon mehr als vier Jahre arbeitete ich nun in einer Festanstellung mit einem guten Durchschnittsgehalt.

Doch übrig blieb davon so gut wie nichts. Eher im Gegenteil. Häufig traute ich mich kaum noch auf mein Konto zu schauen, da ich nicht sehen wollte, wie tief ich im Minus steckte.

Nicht nur einmal musste ich dafür bereits meinen Ausweis als Pfand an der Tankstelle hinterlegen oder hohe Rückbuchungskosten zusätzlich zu meiner Handyrechnung in Kauf nehmen.

All das hätte mir zeigen können, dass die Shoppingsucht mich mehr beherrschte, als ich mir eingestehen wollte. Jedoch ignorierte ich den immer wiederkehrenden Gedanken, dass ich mir das eigentlich alles gar nicht leisten konnte.

Genauso wenig nahm ich mir die immer lauter werdenden Rufe in der Familie zu Herzen, dass es doch jetzt langsam mal genug sei.

Auch wenn mein Kleiderschrank aus allen Nähten platzte, sich meine Schuhe übereinanderstapelten und man zwei Leben gebraucht hätte, um all meine Taschen abzutragen – ich wollte immer mehr. Der Wunsch nach immer Neuem war ungebrochen.

Nach einiger Zeit bestellte ich keine Pakete mehr, da diese zu Hause immer mehr aufgefallen wären. Stattdessen gaukelte ich mir selbst und allen anderen immer öfter vor, nach der Arbeit zum Sport zu fahren, um dann ausgiebig meinem inneren Shopaholic freien Lauf zu lassen.

Das gab mir die Möglichkeit die neuen Klamotten erst im Auto und dann, wenn niemand hinschaute, im hintersten Winkel meines Kleiderschrankes zu verstecken. Lächerlich von mir zu glauben, dass das niemandem aufgefallen wäre.

Mein Wendepunkt in der Shoppingsucht

„Das macht dann für die nötigen Reparaturen und den TÜV 1.600 EUR.“, ein Satz, der mir wohl ewig in Erinnerung bleiben wird.

Diese, für meine Verhältnisse, enorm hohe Autorechnung sollte einen Wendepunkt in meiner bisherigen Konsumgeschichte darstellen.

Die damaligen Kosten sollten meine ohnehin mickrigen Ersparnisse so dezimieren, dass davon kaum noch etwas übrigblieb.

Anstatt darüber nachzudenken, nun doch mehr auf die hohe Kante zu packen, überlegte ich, wofür ich das restliche Geld wohl ausgeben könnte. Für Kleider natürlich, ach und Taschen und na klar, Schuhe!

Es dauerte einige Tage, bis sich in mir ein unerwarteter Gedanke regt: „Ist es jetzt nicht mal genug?“

Natürlich sträubte sich alles in mir gegen diese Frage. Dennoch hatte das Einkaufen in letzter Zeit so viele negative Begleiterscheinungen – Streit in der Familie, ein permanentes schlechtes Gewissen und von dem leeren Bankkonto ganz zu schweigen.

Nach intensivem Ringen mit mir selbst, tippte ich in die Google Suche: „keine Bekleidung mehr kaufen“.

Ich begann mich durch die zahlreichen Beiträge von Frauen zu klicken, die alle diesen Schritt bereits gegangen waren.

Ja, es gab tatsächlich Menschen, die ein Jahr lang gar keine Bekleidung gekauft hatten oder gar mit nur einem(!) Kleid über die Runden kamen.

An dieser Stelle würde ich gerne sagen: „Mich packte der Ehrgeiz und ich zog los, um genau das Gleiche zu tun.“ Ähm, nein.

Das shoppingsüchtige Monster in mir war immer noch stärker.

Da Lesen eine Möglichkeit war, um sich an das Thema heranzutasten, aber noch keine schmerzliche Entscheidung bedeutete, bestellte ich mir das Buch „Ich kauf nix!“ von Nunu Kaller.

Und, du wirst kaum glauben, was dann geschah…, nämlich auch nix. Ich las das Buch zwar gern und konnte mich gut in die Situation der Protagonistin hineinversetzen, aber selbst in diese Rolle zu schlüpfen, war mir noch immer nicht ganz geheuer.

Vom Shopaholic zur Anlegerin

Eine Frau unterliegt ihrer Shoppingsucht und kauft ein

Im weiteren Verlauf meiner Recherche des Klamottenverzichts, stieß ich irgendwann auf einen Blog, der mich von der ersten Sekunde an fesselte.

Die Autorin hatte nicht nur ein Jahr lang keine Bekleidung gekauft, sondern auch gleich noch einen Vorschlag für das dadurch übrig gebliebene Geld.

Schritt für Schritt wurde der Leser an einen Vermögensaufbau mit ETFs herangeführt.

Innerhalb weniger Tage las ich alle Blogbeiträge der letzten drei Jahre und vertiefte mich in die Thematik. Für mich war nun klar: „Ich werde ein Jahr lang keine Bekleidung kaufen und investieren.“

Ein klares Ziel, das mich einiges an Überwindung und Durchhaltevermögen kosten, mich aber auch enorm anspornen würde. Mein „Warum“ war jetzt so viel größer als der Drang nach dem nie endenden Konsum.

Ich wollte, nein ich musste, meine Finanzen selbst in die Hand nehmen, Verantwortung für mein Handeln übernehmen und endlich wieder einen positiven Umgang mit meinem Einkommen pflegen.

Schluss mit alten Rechnungen, die bereits am 10. des Monats mein gesamtes Gehalt auffraßen, Schluss mit stundenlangem Scrollen durch Kleider, Handtaschen und Schuhen, Schluss mit der Shoppingsucht.

Es wäre absolut gelogen, wenn ich sagen würde, die nächsten zwölf Monate wären mir leichtgefallen. Ich war nicht nur einmal kurz davor wieder etwas zu bestellen.

Besonders heikel wurde es drei Monate nach dem Start meiner „One-Year-no-Shopping-Challenge“.

Mit der Aufgabe Weihnachtspullover für die Familie zu kaufen, versank ich dreizehn Stunden am Stück in diversen Online-Shops.

Ich war nur einen Klick davon entfernt, einfach aufzugeben. Was mich davon abhielt? Ich weiß es nicht.

Ich hatte gelesen, dass man eine Nacht verstreichen lassen solle, bis man etwas kauft. Das tat ich dann auch.

Am nächsten Tag kam ich wieder zur Besinnung, schloss alle Tabs und niemand bekam einen Pullover.

Wer hätte es gedacht, ich wahrscheinlich am allerwenigsten, aber ich schaffte das komplette Jahr. Zeitgleich las ich alles, was ich zum Bereich Finanzen in die Finger bekommen konnte.

Bereits vier Wochen nachdem ich das erste Mal von ETFs gehört hatte, investierte ich mein letztes bisschen Erspartes. Mittlerweile konnte ich meine Anfangssumme mehr als verdreißigfachen.

Wie du es auch schaffen kannst – in 5 Schritten aus der Shoppingsucht

Motivation, um die Shoppingsucht zu besiegen

Da ich weiß, wie schwer es ist, nicht ständig an neue Sachen zu denken, die man doch so unbedingt braucht, möchte ich dir ein paar Tipps mit an die Hand geben, wie es dir leichter fällt, dieses Muster zu durchbrechen.

1. Gestehe dir ein, dass du ein Problem hast

Du denkst tagelang an nichts anderes als ein Paar Schuhe, das du unbedingt haben MUSST? Dein Puls schlägt höher, wenn du hier nur das Wort SALE liest?

Du rechnest aus, wie viele Monate du dich von trockenem Reis ernähren müsstest, um dir eine Chanel Flap Bag kaufen zu können?

Wenn du eine oder mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, solltest du über dein Shoppingverhalten nachdenken. Reflektiere deine Gedanken und Handlungen im Bezug auf Konsum.

2. Finde dein „Warum“.

Möchtest du endlich wieder schwarze Zahlen auf deinem Konto sehen?

Möchtest du endlich selbst Verantwortung übernehmen und für dich vorsorgen?

Möchtest du endlich ein positives Gefühl beim Gedanken an deine Finanzen empfinden?

Entscheide für dich, was dich antreibt und stärker ist als deine Shoppingsucht.

Bei mir war es der innige Wunsch endlich wieder mehr Geld zu haben, als auszugeben.

3. Setze dir ein klares Ziel

„Morgen höre ich auf einzukaufen.“ Das ist leider kein klares Ziel.

Überlege dir genau, wo du gerade stehst. Wie oft gehst du shoppen? Wie viel Geld gibt’s du dabei aus?

Lege nun für dich fest, über welchen Zeitraum du nur noch eine bestimmte Summe für Bekleidung ausgeben willst.

Oder, ob du es so wie ich machen möchtest, nämlich für ein Jahr gar keine Klamotten mehr zu kaufen. Formuliere dein Ziel eher so:

„Derzeit gebe ich 300 EUR für Bekleidung pro Monat aus. Ab dem nächsten Monat werde ich nur noch 50 EUR zum Einkaufen verwenden.

Diese Regel gilt für die nächsten 24 Monate.

Mit dem übriggebliebenen Geld werde ich meinen Notgroschen von drei Netto-Monatsgehältern ansparen.“

4. Feiere deine Erfolge

Wir brauchen uns keinen Illusionen hingeben. Der Weg, auf den du dich begibst, wird nicht leicht werden.

Jeden Tag werden dir unzählige Newsletter, Banner und Influencer zeigen, was dir im Leben noch fehlt, um glücklich zu sein. Umso wichtiger ist es, dass du dein Durchhaltevermögen anerkennst.

Überlege dir kleine Belohnungen, die du bei bestimmten Etappenzielen einbaust.

Aufgrund von Corona ist das momentan nicht ganz so leicht, aber dir wird sicher etwas einfallen. Schließlich weißt du am besten, was du magst 😊

5. Entwickle ein positives Money-Mindset

Wie deine bisherige Einstellung zum Thema Geld aussah, siehst du an deinem Bankkonto.

Überraschung: ein Dispo deutet nicht gerade auf ein unbeschwertes Verhältnis hin.

Damit dir der Umgang mit deinen Finanzen leichter fällt, solltest du deine negativen Glaubenssätze über Geld hinterfragen. Sei achtsam mit deinen Gedanken. Lauten diese eher so:

  • „Das letzte Hemd hat keine Taschen.“
  • „Geld allein macht auch nicht glücklich.“
  • „Über Geld spricht man nicht.“

Dann solltest du dringend an deinem Money-Mindset arbeiten. Formuliere deine Gedanken stattdessen um in:

  • „Es ist gut für mich, wenn ich viel Geld habe.“
  • „Ich kann mit Geld viel Gutes tun.“
  • „Geld gibt mir viele Möglichkeiten.“
  • „Geld bedeutet Freiheit.“
  • „Ich bewundere Menschen, die viel Geld haben.“

Der Shoppingsucht zu entkommen ist kein leichtes Unterfangen, aber es lohnt sich.

Ich konnte in den letzten drei Jahren nicht nur wahnsinnig viel dazulernen, sondern auch alten Ballast abwerfen.

Die bedrückenden, negativen Gefühle, die jeden Einkauf begleitet haben, sind verschwunden. Ich kaufe nur noch die Dinge, die ich wirklich brauche.

Mittels Daueraufträge werden automatisch am Anfang eines jeden Monats bestimmte Geldsummen auf verschiedene Konten transferiert.

So komme ich gar nicht erst in Versuchung mehr Geld auszugeben.

Ich spare nicht nur, ich investiere auch. Mittlerweile ist das Lächeln, wenn ich auf mein Depot schaue, breiter als beim Anblick meines Kleiderschrankes.

Und genau das wünsche ich mir auch für dich und ich bin mir ganz sicher, dass du das schaffen kannst.


Über den Autor:

Hallo! Mein Name ist Jessi, ich bin 30 Jahre alt und lebe zusammen mit meinem Mann in Berlin. In den letzten 15 Jahren habe ich so ziemlich jeden Euro, den ich zusammenkratzen konnte, für Bekleidung oder anderen Schnick Schnack ausgegeben.

Bis es mir gereicht hat und ich meine Shoppingsucht nicht mehr kontrollieren konnte.

Auf der Suche nach einem echten Anreiz für das Sparen, bin ich auf das Thema Börse, Aktien und im Speziellen ETFs gestoßen – und es hat mich so begeistert, dass ich in wenigen Wochen von Konsummonster zur Investorin wurde.

Meine Erfahrungen teile ich mit dir auf meinen Blog “themoneygirl” und helfe dir, dass du deine eigene Konsumsucht bezwingst und zu einem finanziell erfüllten Investor wirst.

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