Notgroschen aufbauen: Macht das noch Sinn und wenn ja, wie viel Notgroschen sollte es sein?

Heut zutage gibt es wirklich viel verschieden Ansichten zum Thema Notgroschen. Einige schwören darauf, andere wiederum sagen sich lieber: Das Geld ist besser investiert und bringt mehr Rendite.

Wenn du an diesem Punkt bist und dir Gedanken über deine Finanzen und deine Notreserven machst, bist du dir auf jeden Fall schon mal im Klaren, dass es wichtig ist, sich Gedanken über sein Geld zu machen.

Wie du dir deinen Notgroschen aufbaust und welche verschiedenen Methoden es gibt, kannst du im Folgenden lesen:

Der Notgroschen: Wie hoch er sein sollte, wofür du ihn brauchst und wie hoch er sein sollte

Was genau ist ein Notgroschen und wofür brauchst du ihn?

Wer anfängt, sich mit dem Thema Finanzen mehr zu beschäftigen, der bekommt oft Tipps wie: „Spare dir einen Notgroschen an“! Dieser Notgroschen schützt dich vor kleinen und großen finanziellen Notfällen.

Die besten Beispiele sind eine unerwartete Reparatur für dein Auto oder eine kaputtgegangene Waschmaschine.

Doch seien wir mal ehrlich: Bei vielen Dingen im Leben wissen wir, das sie im Laufe der Zeit einfach irgendwann einmal den Geist aufgeben oder eine Reparatur benötigen.

Doch wofür ein Notgroschen genauso gut sein kann, ist, dass du deinen Job verlierst und ein geringeres monatliches Einkommen hast, das du durch den Notgroschen abfangen kannst.

Mich selbst hat es jetzt in der Corona-Krise mit einer längeren Kurzarbeit-Phase getroffen, weswegen ich ein deutlich geringeres Eingekommen habe.

Genauso gut kann man aber auch schwer erkranken und auf den Notgroschen angewiesen sein.

Man kann sich natürlich auch versichern, doch ist es immer besser etwas Geld auf der hohen Kante zu haben.

Bei der Betrachtung deines Notgroschens spielen natürlich viele verschiedene Faktoren eine Rolle, die es zu beachten gibt:

Welche familiäre Situation hast du, wie sicher ist dein Job, hast du Immobilien, die du vermietest oder selbst bewohnst?

All diese Fragen solltest du genauer beleuchten und eine Antwort für dich darauf haben wie du damit umgehst.

Emergency Button als Sinnbild für den Notgroschen
Quelle: Photo by Jason Leung on Unsplash

Wie viel Notgroschen solltest du auf die Seite legen

Bei der Höhe und wie viel Notgroschen man ansparen sollte, scheiden sich die Geister; empfohlen werden meist 3 Monatsgehälter, was schon mal ein guter Anfang ist.

Dennoch sollte man immer seine Lebenssituation genauer betrachten und danach entscheiden wie viel Risiko man bereit ist einzugehen. Sprich, mit wie viel Notgroschen fühlst du dich wohl.

Am besten ist es natürlich du führst ein Haushaltsbuch und du kennst deine genauen monatlichen Einnahmen und Ausgaben.

Denn erst dann weißt du genau wie viel Geld wohin fließt und wann es benötigt wird.

Pauschale Berechnungen im Kopf kann bei dem ein oder anderen funktionieren, doch bei den meisten Menschen, die eher ein geringeres Einkommen haben, sollte schon eine genaue Aufstellung erfolgen.

Ich persönlich bin ein Freund davon seine monatlichen Fix-Kosten zu analysieren und zu kennen. Somit weiß ich genau wie viel Geld ich wirklich im Monat benötige, um über die Runden zu kommen.

Doch auch wenn du deine finanzielle Situation gut kennst, solltest du für dein Verständnis wie hoch dein Notgroschen sein sollte folgende Faktoren mit einfließen lassen:

  • Neuanschaffungen: Oft gehen vielen Menschen die Haushaltsgeräte unerwartet kaputt und schnell muss ein neuer Fernseher, eine Waschmaschine oder ein neuer Kühlschrank her. Doch sind wir mal ehrlich, unerwartet? Es ist doch nur eine Frage der Zeit, dass diese Dinge kaputtgehen und neu zugelegt werden müssen. Diese Dinge sollten bei der Höhe des Notgroschens mit bedacht werden, oder man legt sich dafür gleich extra Rücklagen zur Seite.
  • Reparaturen: Du fährst ein 10 Jahre altes Auto und unerwartet steht eine teure Reparatur im Haus, aber auch dies ist vorhersehbar, oder nicht? Lege dir dafür Geld zur Seite, entweder mit deinem Notgroschen oder eine extra Rücklage für dein Auto. Auch ein neues Auto muss irgendwann mal her, das sind alles Dinge die irgendwann mal passieren.
  • Immobilien zur Eigennutzung oder Vermietung: Wenn du deine eigene Wohnung oder Haus bewohnst, solltest du dir Gedanken machen wie du eventuelle Reparaturen bezahlst. Schnell kann es mal passieren, dass die Heizung kaputtgeht oder eine vermietete Wohnung neu renoviert werden muss.
  • Jobverlust oder Kurzarbeit: Was ist, wenn du von deinem Arbeitgeber die Kündigung erhältst oder dein Arbeitgeber Kurzarbeit wie jetzt vermehrt in der Corona-Krise anmelden. Schnell muss vielleicht eine längere Zeit mit einem geringeren Einkommen überbrückt werden. Schön ist es doch, wenn man weiß, dass man sein Lebensstandard für eine gewisse Zeit aufrechterhalten kann.
  • Selbstständige, Beamte oder Angestellte: Wie sicher ist dein Job, arbeitest du als Angestellter in einer Branche die sehr Risikobehaftet ist, oder bist du Beamter und sitzt ziemlich sicher in deinem Stuhl. Als Selbstständiger hast du schwankende Einnahmen oder du musst vielleicht eine längere Auftragsflaute überstehen.
  • Krankheit: Eine lange oder schwere Krankheit, eine kaputt gegangene Brille oder eine teure Zahn-OP verursachen hohe Kosten.

Die aufgezählten Faktoren spiegeln natürlich nicht alles wider, was so im Leben passieren kann, dennoch bekommst du so eine grobe Richtung wo es hingeht und was es mitzubedenken gibt.

Somit sind die 3 Monatsgehälter ein guter Richtwert, aber je nach Lebens Situation und Risikobereitschaft nicht wirklich aussagekräftig.

Mann nutzt Sparschwein, um sich einen Notgroschen anzulegen
Quelle: Photo by Damir Spanic on Unsplash

Wie schaffst du es Geld für den Notgroschen beiseitezulegen?

Um sich einen Notgroschen für schlechte Zeiten aufzubauen, gehört natürlich sparsam leben.

Viele Menschen tun sich schwer mit dem Gedanken, dass sie sparen sollten und sehen es eher als anstrengend an, für viele ist Geld einfach zum Ausgeben da.

Hier mangelt es einfach am Verständnis.

Deswegen sollte man sich einfach etwas austricksen und das Sparen automatisieren:

Am besten ist es dafür, direkt nach dem Gehaltseingang einen Dauerauftrag einzurichten und das Geld auf ein separates Sparkonto zu überweisen.

Du solltest auf keinen Fall bis zum Monatsende warten, um das Geld zu überweisen, was noch übrig bleibt.

Denn dann wirst du eher noch Geld für sinnlose Dinge ausgeben und sparst effektiv weniger.

Wenn du zum Gehaltseingang den Dauerauftrag einrichtest, weißt du genau, was du zum Rest des Monats noch an Geld zur Verfügung hast und wirst sparsamer sein.

Wenn du es erst gar nicht schaffst Geld zum Sparen zur Seite zu legen, dann solltest du spätestens jetzt darüber nachdenken ein Haushaltsbuch zu führen. Hierfür gibt es wirklich viele verschiedene Möglichkeiten.

Du könntest dir eine Haushaltsbuch-App herunterladen, ganz altmodisch mit Zettel und Stift, einem Haushaltsbuch Planer als Buch oder mit einer Excel-Tabelle ein Haushaltsbuch erstellen.

Der Vorteil an einem Haushaltsbuch ist, das du Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellst und genauer unter die Lupe nehmen kannst. So lassen sich besser Einsparpotenziale aufspüren.

Schau all deiner Verträge durch und stelle sie alle auf den Prüfstand, kannst du vielleicht beim Handyvertrag etwas sparen, hast du Abo-Verträge ,die du nicht nutzt oder nutzt du vielleicht SKY, Amazon Prime Video und Netflix gleichzeitig?

Prüfe auch, ob du einen günstigeren Strom- oder Gasanbieter sowie eine günstigere KFZ-Versicherung finden kannst.

Oft lassen sich hier mehrere hundert Euro sparen, also nutz die Möglichkeiten voll aus.

Mann überwacht seine Einnahmen und Ausgaben
Quelle. Photo by Scott Graham on Unsplash

Wo sollte der Notgroschen parken, auf dem Tagesgeld- oder Girokonto?

Wo der Notgroschen geparkt werden sollte, da gibt es wirklich wieder viele verschiedene Ansichten, wichtig für deine Entscheidung ist, dass du dich dabei wohlfühlen solltest.

Der sicherste Ort für deinen Notgroschen ist wohl das Tagesgeld, weil du hier wenigstens minimal Zinsen auf dein Geld bekommst im Vergleich zum Girokonto.

Dafür hast du aber die Möglichkeit jeder Zeit auf dein Geld zuzugreifen zu können. Zusätzlich hast du es von deinem normalen Geldfluss getrennt.

Im optimalen Fall parkst du deinen Notgroschen bei einer anderen Bank auf dem Tagesgeld, denn dann wirst du noch weniger verleitet dieses Geld anzurühren.

Du könntest deinen Notgroschen auch mit einem Tagesgeld-Hopping mit einem höheren Zinssatz sparen, den viele Banken versuchen Neukunden mit einem höheren Zinssatz von anzulocken.

Doch der Neukunden-Bonus ist meist nur auf 6 Monate begrenzt, weswegen du öfters ein neues Tagesgeldkonto finden müsstest.

Es kann sich aber lohnen, denn bei manchen Banken bekommt man mit den Neukunden-Bonus gern mal noch 0,4 % statt der üblichen 0,01 % oder weniger.

Es muss dir aber klar sein, das dein Notgroschen nicht hohe Renditen auf dem Tagesgeld bringen wird, doch dafür ist er auch gar nicht gedacht.

Er dient dazu, dich in einer finanziellen Notlage abzusichern, nichts anderes. Dennoch wirst du auch andere Meinung hören, die ihr Geld lieber risikofreudiger in andere Anlageformen investieren, da dort eine höhere Rendite erzielt wird.

Wie du es machst, das obliegt dir und hängt ganz von deiner persönlichen Risikotoleranz ab.

Wenn du dich für das Investieren interessierst, dann solltest du bevor du damit beginnst auf jeden Fall deinen Notgroschen ansparen und nicht andersherum.

Denn dann musst du vielleicht dein investiertes Geld mit Verlusten verkaufen, weil du es gerade benötigst.

Mann hebt Geld von der Bank ab
Quelle: Photo by Nick Pampoukidis on Unsplash

Meine eigene Finanzsituation und mein Notgroschen

Ich selber arbeite in einer relativ unsicheren Branche und es hat sich jetzt zu Beginn der Corona-Krise gezeigt, dass es für mich eine gute Entscheidung gewesen ist, das 12 fache meine monatlichen Ausgaben (ohne Sparrate) zur Seite zu legen.

Den der Luftverkehr wird noch eine lange Zeit unter der Corona-Pandemie leiden und die Kurzarbeit wird ein langer Begleiter in dieser Branche aber auch in vielen anderen Branchen sein.

Es gibt wirklich viele verschiedene Wege sich einen Notgroschen aufzubauen und Rücklagen zu bilden. Für mich selber treibe ich es noch etwas intensiver und lege für jedes Sparziel Rücklagen zur Seite, nach dem Motto „Spare dich Arm“.

So gehe ich einfach davon aus, dass mein Auto und die Waschmaschine irgendwann einmal kaputtgehen und lege mir dafür schon direkt Geld zur Seite.

Denn wenn ich das Geld einmal nur zur Hälfte benötige, dann kann ich das restliche Geld verwenden, wofür auch immer ich es möchte.

Oder wenn mein Auto wieder erwartend doch keine teure Reparatur benötigt, kann ich dieses Geld einfach beim Neuwagen kauf als Finanzspritze nutzen.

Hierbei ist es wichtig sich mit seinen Sparzielen genauer auseinander zu setzten und zu unterscheiden zwischen kurz-, mittel- und langfristen Sparziele.

Quelle Beitragsbild: Photo by Nathan Dumlao on Unsplash


Über den Autor:

Ich bin Stefan Scheel und mit meinem eigenen Blog „Familien Finanzen im Griff“ möchte ich den vielen Familien da draußen helfen ihre Finanzen besser in den Griff zu bekommen.

Meine Mission, jeder soll verstehen lernen, dass das Leben im hier und jetzt zwar schön ist, sich aber jeder Gedanken über seine Zukunft machen muss.

Gerade junge oder angehende Familien sollten sich mehr um ihre Finanzen kümmern, um sich selbst im Alter das gleiche Leben zu gönnen wie jetzt und seinen Kindern das gleiche Wissen mit auf dem Weg geben zu können, das man sich selbst erarbeitet hat.

13 Gedanken zu „Notgroschen aufbauen: Macht das noch Sinn und wenn ja, wie viel Notgroschen sollte es sein?“

  1. Danke für den schönen Artikel. Er enthält eigentlich alle Aspekte, die man berücksichtigen sollte. Bei meinen Überlegungen zu diesem Thema habe ich noch 2 weitere Aspekte mir angeschaut:
    1. Wie schnell bekommt man in meinem Beruf wieder einen Job? Ich als Software Entwickler mache mir da keine Sorgen. Bei anderen Brachen wie in der Touristik ist das im Moment komplett anders.
    2. Ich habe für meinen Notgroschen ein eigenen Verrechnungskonto und Depot angelegt. Einen Teil des Geldes liegt dort jetzt in Form von staatlichen Anleihen mit viertel jährlicher Ausschüttung. So arbeitet auf der einen Seite das Geld für mich, auf der anderen Seite habe ich es schnell verfügbar. Meistens braucht man den Notgroschen ja nicht komplett auf einmal.

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    • Hallo Jo,

      ja du hast vollkommen Recht und beide Themen sind natürlich wichtig und Auslegungssache. Ich kenne einige, die ihren Notgroschen wie du zum Teil in Anleihen zur Seite legen. Ich wollte auf dieses Thema aber nicht detaillierter eingehen, da sich hier jeder selbst Gedanken machen sollte in Bezug auf seine Risikotoleranz.

      Ich finde es aber sehr gut, dass du es ansprichst, da ich es nur bewusst angedeutet habe.

      Gruß Stefan

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