MSCI ACWI SRI – breit diversifiziert und nachhaltig investieren?

MSCI ist nicht nur der Anbieter der allgemein bekannten Aktienindizes MSCI World und MSCI Emerging Markets, sondern hat ebenso den MSCI ACWI im Repertoire, der diese beiden Indizes miteinander verbindet. Der All World Country Index weist damit eine extrem breite Diversifizierung auf. Bisher kannst du als Anleger zwischen drei übergeordnete Varianten wählen. 

Dazu gehören der MSCI ACWI All Cap, der MSCI ACWI Investable Market sowie der MSCI ACWI.  Zur letzten Kategorie zählt der MSCI ACWI SRI. Diesen wollen wir uns heute mal etwas näher anschauen. Lohnt sich für dich ein Investment in den nachhaltigen ETF? Am Ende des Blogbeitrags kannst du dir selbst dazu eine Meinung bilden. 

Was ist der nachhaltige MSCI ACWI?

Wie bereits zuvor erwähnt, ist der MSCI ACWI eine Kombination aus dem MSCI World und dem MSCI Emerging Markets. Während der Fokus des MSCI World auf Industrieländern liegt, bildet der MSCI Emerging Markets in erster Linie die Wertentwicklung von Schwellenländern ab. Der MSCI ACWI umfasst sowohl 23 Industrie- als auch 27 Schwellenländer und damit insgesamt über 2.970 Titel. 

Der Länderumfang ist beim MSCI ACWI SRI identisch, jedoch beinhaltet dieser nur 556 Unternehmen und somit bedeutend weniger als der Standard-ACWI.

Dies beruht vor allem in der strengeren Auswahl der Unternehmen nach ethischen, sozialen und ökologischen Gesichtspunkten. Auf diesen Aspekt gehe ich im weiteren Verlauf des Artikels noch näher ein.

Regional gesehen, sind die USA mit über 56 Prozent besonders stark vertreten. Darauf folgen Japan mit sechs, Taiwan mit vier sowie Kanada und Großbritannien mit etwas über drei Prozent. Die Top fünf Branchen teilen sich unter IT (26%), Finanzdienstleistungen (15%), übrige Konsumgüter (14%), Gesundheitswesen (13%) und Industrie (10%) auf.

Die zehn am höchsten gewichteten Unternehmen sind absteigend Microsoft, Tesla, Nvidia, die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (Chip-Auftragsfertigung), Home Depot (US-amerikanische Baumarktkette), ASML Holding (Systeme für Halbleiterindustrie), Disney, Roche Holding (Pharmaunternehmen), Cisco Systems sowie Coca Cola.  

Unternehmen des MSCI ACWI SRI

Bei meinen Recherchen ist mir aufgefallen, dass die Auswahl an MSCI ACWI SRI noch recht eingeschränkt ist. So findet man unter justetf.com beispielsweise nur den UBS ETF (IE) MSCI ACWI Socially Responsible UCITS ETF (hedged to EUR) A-acc (WKN: A2H5CB) sowie den UBS ETF (IE) MSCI ACWI Socially Responsible UCITS ETF (USD) A-acc (WKN: A2PL58).

Beide ETFs beziehen sich auf den breit gestreuten MSCI ACWI Index und beziehen ausschließlich Unternehmen mit ein, die im Gegensatz zum Wettbewerb in ihrer Branche ein hohes Rating in den Kategorien Umweltschutz, soziale Verantwortung und Unternehmensführung aufweisen können. Dabei ist das maximale Gewicht eines einzelnen Titels auf fünf Prozent beschränkt. 

    

Wie wird ein Index nachhaltig?

Bei der Zusammenstellung eines nachhaltigen Indexes werden zwei Methoden angewandt. Zum einen das Prinzip des Ausschlusses und zum anderen das Best-in-Class Verfahren. 

So schließt MSCI von Vornherein Unternehmen aus, die im Zusammenhang mit den Bereichen Kernkraft, Tabak, Glücksspiel, Alkohol, Erwachsenenunterhaltung, Militärwaffen, zivile Schusswaffen, Thermalkohle, den Besitz fossiler Brennstoffreserven sowie der Gewinnung fossiler Brennstoffe stehen.  

Bei den übrigen, in Frage kommenden Wertpapieren, kommt der Best-in-Class Ansatz zum Tragen. Dieser besagt, dass diejenigen Unternehmen in den Index aufgenommen werden, die innerhalb ihrer Branche die angesetzten Nachhaltigkeitskriterien am besten umsetzen.

Dabei werden teilweise speziell auf die entsprechende Branche angepasste Herausforderungen definiert, in denen sich die jeweiligen Unternehmen behaupten müssen. 

Der Nachteil dieser Methode ist, dass zwar die besten Unternehmen innerhalb des dazugehörigen Geschäftsbereiches ausgewählt werden, dabei allerdings nicht immer ausgeschlossen wird, dass umstrittene Geschäftsfelder und kontroverse Wirtschaftspraktiken weiterhin im Portfolio verbleiben.

Aus diesem Grund bietet es sich an, das Best-in-Class Auswahlverfahren mit dem Ausschluss nicht ethisch, sozial, oder ökologisch handelnden Unternehmen zu kombinieren. So kann ein nachhaltiges und diversifiziertes Portfolio entstehen wie es beim MSCI ACWI SRI angeboten wird. Nichtsdestotrotz gibt es an den ESG-Verfahren auch kritische Stimmen.

Was bedeutet ESG und SRI?  

Um den nachhaltigen MSCI ACWI genauer zu beleuchten, müssen wir noch einen Schritt zurückgehen. Damit Unternehmen bezüglich ihres ökologischen und ethischen Verhaltens beurteilt werden können, werden in der Regel zwei Verfahren angewandt.

Die erste Stufe stellen die ESG-Kriterien dar. ESG steht für “Environmental, Social, Governance”. Häufig verwenden die Finanzdienstleister Ratings, um die Aktiengesellschaften in beispielsweise folgenden Punkten einzuordnen.

Environmental:

  • umweltverträgliche Produktion
  • Investitionen in erneuerbare Energien
  • nachhaltiger Einsatz von Energien und Rohstoffen
  • wesentliche Reduzierung sowie Messung und Berichterstattung der CO2-Emissionen

Social:

  • hohe Standards bei der Arbeitssicherheit und dem Gesundheitsschutz
  • Einhaltung allgemeiner Arbeitsrechte
  • Durchsetzung von Nachhaltigkeitsstandards bei Zulieferern und Dienstleistern
  • Versammlungs- und Gewerkschaftsfreiheit
  • Verbot Kinder- und Zwangsarbeit

Governance:

  • transparente Maßnahmen zur Verhinderung von Korruption und Bestechung
  • Verankerung des Nachhaltigkeitsmanagements auf Vorstands- und Aufsichtsratsebene
  • Diversität auf Führungsebene
  • Unabhängigkeit der Kontrollorgane 

Um das systematische Risiko zu begrenzen, das durch den ESG-Auswahlprozess entsteht, setzt MSCI auf Sektoren- und Regionengewichtungen, die dem zugrundeliegenden Index entsprechen.

Ziel ist es dabei die Wertpapiere derjenigen Unternehmen mit dem höchsten ESG-Rating aufzunehmen, die 25 Prozent der Marktkapitalisierung in jedem Sektor und jeder Region des Mutterindexes ausmachen.

Anhand 35 unterschiedlicher ESG-Schlüsselaspekten werden die Unternehmen mit einem AAA, AA, A, BBB, BB, B oder CCC bewertet, wobei AAA für das höchste und CCC für das schlechteste Rating stehen. 

Nachfolgend findest du die einzelnen Faktoren, anhand derer MSCI das ESG-Auswahlverfahren vornimmt:

MSCI ESG Rating Kriterien

“Alles schön und gut.”, wirst du dir nun vielleicht denken, “Aber wofür steht denn nun das SRI im MSCI ACWI SRI?. Auf diesen Punkt werden wir jetzt näher eingehen. SRI bezieht sich auf “Socially Responsible Investment.

SRI steht für eine werteorientierte, ethische Geldanlage, die über die finanzielle Aspekte hinaus auch ökologische und soziale Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt. Zudem liegt ein gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein vor, das vor allem auf die Verhinderung negativer Auswirkungen des eigenen Handelns abzielt. 

So weit so gut, doch wo liegt hier die Abgrenzung zu ESG? Das Socially Responsible Investment setzt vor allem auf sogenannte Negativkriterien, die vor allem zum Ausschluss bestimmter Unternehmen führen, die sich entgegen der moralischen, sozialen und nachhaltigen Grenzen bewegen.

Beim SRI werden in der Regel keine positiven Gesichtspunkte zur Beurteilung eines Unternehmens herangezogen, so wie es bei ESG üblich ist. So bemüht sich Socially Responsible Investment unmittelbar die negativen Auswirkungen einer Anlage zu minimieren, während ESG den Fokus auf die Förderung positiver Aspekte legt. 

Die Umsetzung und Auslegung des SRI hängt vom jeweiligen Anbieter und dessen Verständnis von gesellschaftlicher Verantwortung ab. Teilweise werden hunderte Merkmale zur Bewertung eines Unternehmens herangezogen, gelegentlich nur einige wenige.

Der Europäische Branchenverband für nachhaltiges Investment (Eurosif) legte 2016 sieben grundlegende Aspekte fest, die zur Kategorisierung des europäischen SRI-Marktes angewendet werden können. Dazu gehören:

  1. Ausschluss bestimmter nicht -nachhaltiger Branchen beziehungsweise Unternehmen
  2. gezielte Investition in bestimmte Nachhaltigkeitsthemen
  3. Best-in-Class Ansatz
  4. Einbeziehung der ESG-Kriterien für die Finanzanalyse
  5. Werte- und Normen-basierte Investment-Analyse
  6. Impact Investing (Ziel: finanzielle Rendite unter EInhaltung sozialer und ökologischer Werte)
  7. Engagement und Stimmrechtsausübung hinsichtlich Nachhaltigkeit

Bei der Auswahl der Unternehmen für den nachhaltigen MSCI ACWI finden sowohl das Ausschluss- als auch das Best-in-Class Verfahren Anwendung.   

MSCI ACWI SRI finden sowohl das Ausschluss- als auch das Best-in-Class Verfahren Anwendung.

Ist der MSCI ACWI SRI das richtige Investment für dich?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die steigende Anzahl an Produkten, die sich auf ESG- oder SRI-Kriterien beziehen, als positive Entwicklung betrachtet werden kann. Immer mehr Anleger wollen mit ihrem Investment soziale, ethische und nachhaltige Aspekte fördern. Die Forderung nach derlei Produkten in allen Bereichen der Gesellschaft wird immer lauter. 

Auf diese Nachfrage reagieren die Finanzdienstleister mit entsprechenden Produkten und Regularien. Leider sind diese Regularien nicht immer einheitlich. Jeder versteht etwas anderes unter “Nachhaltigkeit”. Somit kommt es zu einer Vielzahl unterschiedlicher Rating-Systemen, die zur Bewertung der einzelnen Unternehmen dienen. 

Du als Anleger musst entscheiden, ob diese dabei angesetzten Werte mit deinem eigenen Verständnis von moralisch und ökologisch korrekt übereinstimmen. Entweder findest du diese in den Maßstäben des Finanzdienstleisters wieder oder du musst mehr Zeit und Analyse darauf verwenden dein eigenes Portfolio zu entwerfen. 

Beim MSCI ACWI SRI würde dies bedeuten, dass du über 500 Unternehmen eigenhändig recherchieren und überprüfen müsstest. Die von MSCI festgelegten Verfahren bieten eine gute Alternative. Für den einen oder anderen mag es bedeuten, dass er Abstriche in seinem nachhaltigem Investment machen muss.  

Investierst du bereits nachhaltig? Hast du einen ESG oder SRI ETF in deinem Portfolio? Wie siehst du dieses Thema? Schreib es gern in die Kommentare!


Über die Autorin:

Hallo! Mein Name ist Jessi, ich bin 31 Jahre alt und lebe zusammen mit meinem Mann und meinem kleinen Sohn in Berlin. In den letzten 15 Jahren habe ich so ziemlich jeden Euro, den ich zusammenkratzen konnte, für Bekleidung oder anderen Schnickschnack ausgegeben.

Bis ich eines Tages auf die Themen Börse, Aktien und ETFs gestoßen bin. So schaffte ich es, nicht nur ein Jahr lang keine Kleidung zu kaufen, sondern gleichzeitig noch mein Geld für mich arbeiten zu lassen. Alles zu meiner persönlichen Weiterentwicklung und, wie du das auch schaffen kannst, findest du unter themoneygirl.de

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