Wie du mit Nexus Mutual deine Kryptowährungen einfach gegen Hacks schützt

In wenigen Minuten war alles vorbei.

Sofort verlor Yam Finance 96 Prozent seines Werts – der Coin stürzte von 475 Millionen auf 19,5 Millionen Marktkapitalisierung.

Der Wert von umgerechnet 2307 Einfamilienhäusern war ausgelöscht – eine ganze Landstadt.

Was war mit Yam Finance geschehen?

Eine ungebremste Inflation:

Ein Fehler im Code druckte unablässig neue Coins, als wäre er die Europäische Zentralbank.

Dein Geld wurde im Sekundentakt wertloser.

Solche Fehler sind häufig auf Ethereum; dennoch kannst du dich schützen:

Nexus Mutual ist eine dezentrale Versicherung, die dich gegen solche Fehler absichert.

Jetzt erfährst du, wie du auf der Blockchain dein Geld sicherst und nicht mehr fürchten musst, dass Bugs und Hacker dein Geld stehlen.

Doch zuerst: Wogegen schützt dich Nexus Mutual?

Gegen welche Verluste dich Nexus Mutual abschirmt

Dein Geld in neue DeFi-Projekte zu stecken ist wie mit Krokodilen zu schwimmen:

Vielleicht tun sie dir nichts, aber darauf wetten würde ich nicht.

Deshalb schützt dich die dezentrale Versicherung Nexus Mutual gegen diese Fehler:

  1. Protocol Cover: Schützt dich gegen Fehler im Protokoll, Hacks, schlimme Orakel-Fehler (falsche Preise, die z.B. zu Liquidierungen führen) und Governance-Attacken (Jemand ändert das Protokoll und du verlierst dein Geld)
  2. Custody Cover: Eine zentrale Börse oder Custodian („Coin-Aufbewahrer“) verliert deine Coins, entweder durch einen Hack (du musst mindestens 11 Prozent deiner Coins verlieren) oder wenn du länger als 90 Tage deine Kryptowährungen nicht abheben kannst.
  3. Yield Token Cover: Bekomme bis zu 90 Prozent zurück, wenn dein „Yield bearing Token“ sich um mehr als 10 Prozent von zugrundeliegendem Wert löst. Das gilt bisher für fünf Pools auf Yearn Finance und Curve Fi.

Nicht vergessen: Nexus Mutual zahlt nicht, wenn du deine privaten Schlüssel verschlampst, verbummelst oder in einer Phishing Attacke weitergibst.

Das ist wie Zähneputzen morgens früh nach dem Aufstehen – es unterliegt allein deiner Verantwortung.

Jetzt weißt du, wogegen dich das Protokoll schützt, aber was genau ist Nexus Mutual?

Wie die erste dezentrale Versicherung deine Kryptowährungen schützt

Egal, welche Versicherung du nimmst, der Prozess ist immer gleich:

Du beantragst sie, wirst geprüft, unterschreibst hier und da und zahlst eine satte Versicherungsprämie – meistens 35 Prozent mehr, als du in einem Schadensfall herausbekommst.

Der Rest verliert sich im Gewinn der Versicherung, Kosten für Regulierungen, Verwaltung, operative Ausgaben…

…kurz: Das System ist ineffizienter als Autofahren mit drei platten Reifen.

Blockchain und Smart Contracts können diese Kosten dämpfen auf ca. 18 Prozent statt 35 – und genau das macht Nexus Mutual:

Sie arbeitet unter dem legalen Dach eines „Discretionary Mutual“ – was so viel heißt wie beiderseitiges Ermessen.

Das bedeutet: Als Mitglied von Nexus Mutual hast du das RECHT auf deinen proportionalen Anteil des Mutuals (Versicherungs-Topfes)…

…und die PFLICHT, den anderen ihren Anteil zu garantieren.

(Das bedeutet: Geht Nexus Mutual das Geld aus, muss jedes Mitglied 1 Pfund Sterling (ca. 1,16 Euro) nachschießen; mehr nicht).

Kurz: Alle Mitglieder besitzen die Versicherungsmittel, kein zentraler Konzern (wie die Allianz).

Es ist wie Crowdinvesting für Schadensfälle – alle profitieren, wenn mehr Geld eingeht und „leiden“, wenn sie zahlen müssen.

Dabei unterliegt Nexus britischem Recht und muss sich an britische Gesetze halten; es ist also reguliert.

(Nebenbei: Du wirst in der UK als Mitglied von Nexus eingetragen).

Wenn nun ein Hacker dein Geld stehlt, wie kommst du jedoch zu deinem Recht?

Wie zahlt dich der Versicherer aus?

Wie der dezentrale Versicherer dir zu deinem Recht verhilft

Wenn du Schadensersatz forderst, bestimmt die Community, ob du recht hast.

(Wie gesagt: Nexus Mutual gehört allen.)

Das funktioniert so:

Schaubild, wie Nexus Mutual Schadensansprüche behandelt
Quelle: Whitepaper Nexus Mutual
  1. Mitglieder staken NXM Token (dazu komme ich gleich). Damit erhalten sie das Recht, über Claims (Forderungen) abzustimmen.
  2. Du reichst deine Forderung ein.
  3. Erreichst du mehr als 70 Prozent Ja-Stimmen, juhu! du bekommst dein Geld. Falls nicht: Sorry, vielleicht beim nächsten Mal.
  4. Kommen keine 70 Prozent (egal, ob ja oder nein) zusammen, dürfen alle Mitglieder mit einer einfachen Mehrheit abstimmen.
  5. Können die sich auch nicht einigen (jeweils 50 Prozent ja oder nein), entscheidet die einfache Mehrheit der Mitglieder, die NXM Token gestaked haben…

…und genau diesen NXM Token schauen wir uns jetzt an: Er ist der Anreiz, nicht betrügerisch abzustimmen wie in einem Schauprozess.

Wie der NXM Token alle Mitglieder unter einer Fahne vereint

Wann handeln Menschen?

Wenn sie sich mehr Vorteile davon versprechen als Nachteile:

  • Sie machen ihre Steuern, damit das Finanzamt nicht das Haus pfändet,
  • Sie fahren auf der richtigen Straßenseite, damit kein anderes Auto ihre Motorhaube aufrollt und sie auf dem Fahrersitz zerquetscht,
  • Und sie essen nicht mit den Fingern, weil sonst alle Restaurant-Gäste gaffen würden wie Spanner auf einem FKK-Strand.

Versprechen sich alle einer Gruppe den gleichen Vorteil, handeln sie ZUSAMMEN:

Dieser Vorteil bei Nexus Mutual ist der NXM Token – die gemeinsame Währung.

Alle Mitglieder halten NXM und wollen natürlich, dass der Preis steigt.

Und der Preis steigt nur, wenn es Nexus Mutual gut geht; so sind die Anreize vereint wie ein Tanzpaar.

Aber schauen wir uns das genauer an:

1. Bonding Curve: Wenn eine Kurve den Preis macht

Das Token Model von Nexus Mutual
Screenshot Nexus Mutual

Wie entsteht normalerweise der Preis von Kryptowährungen?

Käufer und Verkäufer handeln auf einer Börse und wollen mehr Leute eine Kryptowährung, steigt sie im Wert – wollen sie weniger, fällt sie wie ein Fallschirmspringer.

Also: Angebot und Nachfrage der Marktteilnehmer bestimmen den Preis.

Bei NXM entscheiden jedoch nicht die Markteilnehmer, sondern die Versicherungs-Käufer.

Kaufen mehr eine Versicherung, steigt der Preis – der Preis sinkt hingegen, wenn Versicherungen auslaufen oder Schadensfälle bedient werden müssen.

Also ein ganz einfaches Prinzip:

  • Wenig Versicherungen = Der Preis ist niedrig und Leute haben einen Anreiz zu investieren,
  • viele Versicherungen = Der Preis ist hoch und Leute haben einen Anreiz Gelder abzuziehen.

So bewegt sich der Preis langfristig nach oben, weil das dezentrale Finanzsystem wächst und mehr Leute eine Versicherung wollen.

Doch das ist nicht alles: Schließlich muss es einen “Mindesttopf” geben, aus dem Geschädigte schöpfen können.

MCR – das Mindestkapital (Minimum Capital Requirement).

Damit kein Schadensanspruch leer ausgeht, muss es ein Mindestkapital geben – das MCR.

Es wird bestimmt durch:

  • Anzahl,
  • Laufzeit,
  • und Volumen der Versicherungen.

Kratzt das verfügbare Kapital am MCR, darfst du kein Geld abziehen.

Dafür ist der Preis von NXM niedrig, um neue Investoren anzulocken.

MCR % – der Prozentsatz über dem Mindestkapital

Übersteigt das eingezahlte Kapital das MCR, wird es als MCR % bezeichnet – also der Prozentsatz über den MCR.

Oder auf gut Deutsch: Es ist mehr Geld da, als gebraucht wird.

Das treibt den Preis nach oben und zeigt dir, wie gesund Nexus Mutual wächst.

Ist MCR % hoch, darfst du dein Geld wieder abziehen; du kannst also NXM verkaufen.

Verkaufen kannst du allerdings nur auf Nexus Mutual – der Token ist (außer in der Wrapped-Form) auf keiner anderen Börse gelistet.

Doch das ist nicht alles, was NXM kann.

Rauf und runter ist schließlich langweiliger als ein 100 Meter-Sprint zweier Weinbergschnecken.

Deshalb kannst du noch extra NXM verdienen, wenn du dich (als vorbildliches Mitglied) am Netzwerk beteiligst:

Risikobewertung (Risk Assessment) – Du bestimmst das Risiko

Auf Nexus Mutual bestimmen die Mitglieder, wie risikoreich ein Protokoll ist – also wie viel Leute für Uniswap, Compound oder Aave zahlen sollen, wollen sie sich gegen Fehler und Hacks absichern.

Die Mitglieder sind Bürgen für ein Protokoll.

Das funktioniert wie folgt:

Wie Pokerchips setzen Mitglieder ihre NXM auf ein Protokoll (Staking) und wetten darauf, dass es sicher ist.

Nimmt nun jemand eine Versicherung auf das Protokoll, erhalten die „Staker“ eine Belohnung.

Die Versicherungsnehmer bezahlen also diejenigen, die für das Protokoll bürgen.

Ein Beispiel:

Du handelst gern auf Uniswap, möchtest jedoch kein Geld verlieren, falls jemand das Protokoll hackt.

Deshalb nimmst du dir eine Versicherung und zahlst a.) wenig, wenn VIELE Mitglieder auf das Protokoll wetten (ihre NXM setzen) b.) viel, wenn WENIGE Mitglieder auf das Protokoll wetten.

Jetzt bezahlst du die Mitglieder, die auf Uni gesetzt haben.

Doch:

Hoppala! Uni wurde gehackt. Du verlierst dein ganzes Geld!

Natürlich forderst du Schadensersatz – und zum Glück: Er kommt durch.

Doch was passiert mit den gestakten NXM Token, die die Leute auf Uni gesetzt haben?

Die werden verbrannt wie Hexen im Mittelalter.

So wird garantiert, dass Mitglieder nur vertrauenswürdige Protokolle abdecken – oder ein hohes Risiko mit hohen Chancen eingehen, wenn sie auf ein neues Protokoll setzen.

Schadensbewertung (Claims Assessment) – wie stimmen alle vertrauenswürdig ab?

Oben habe ich es erwähnt:

Jeder darf über einen Schadenfall abstimmen, der seine NXM gestaked hat – er wird zum Claim Assessor.

Doch wie garantiert Nexus Mutual, dass er richtig abstimmt?

Ganz einfach:

  • Stimmt er mit der Mehrheit ab, erhält er NXM,
  • Stimmt er mit der Minderheit ab, werden seine NXM eine bestimmte Zeit eingefroren.
  • Stimmt er betrügerisch ab, werden seine NXM verbrannt wie ein Brief im Kaminfeuer.

Was wäre eine betrügerische Abstimmung?

Versicherungsbetrug!

Mitglieder stimmen für einen unbegründeten Schadensfall und teilen sich danach die Versicherungssumme.

Das wird verhindert, indem es auch unabhängige Schadenbewerter gibt (schließlich sind alle Schäden kryptografisch nachweisbar und auf der Blockchain gespeichert).

Das Prinzip von Nexus Mutual ist geklärt, aber wie nimmst du dir eine Versicherung für Uni, Aave oder Compound?

Das ist der letzte Schritt:

Wie du deine Kryptowährungen mit Nexus Mutual versicherst?

1. Registriere dich als Mitglied

Screenshot Nexus Mutual

Um den Service zu nutzen, musst du zuerst ein Mitglied von Nexus Mutual werden.

Denn, wie gesagt: Die Mitglieder sind die Versicherer, nicht eine zentrale Firma mit Hochhaus, schicken Büros und Anzügen in der Chefetage.

Sobald du dich registriert hast, wirst du in der UK als Mitglied registriert und dein Name wird mit der Wallet-Adresse verbunden.

Du bist nun Teil des Mutuals.

Doch was brauchst du dafür?

  1. Verbinde deine Wallet mit Nexus und bezahle die rechtlich erforderliche Mitglieder-Gebühr (Sie liegt bei 0,0020 Ethereum = 5,07 Dollar; Stand: 29.05.2021).
  2. Durchlaufe den KYC- und AMD-Prozess. Das bedeutet: Gib deine persönlichen Daten an, lade ein Ausweisbild hoch, bestätige die Nutzungsbedingungen – also den ganzen Spaß, wie wenn du dich bei einer Börse anmeldest.
  3. Dein Antrag wird innerhalb von 24 Stunden geprüft.

Geschafft, nun bist du Mitglied von Nexus und kannst dich versichern wie ängstliche Tote ihre Grabsteine.

(Kein Witz: Grabstein-Versicherung gibt es bereits ab 2,75 € pro Monat. Ein Schnäppchen!)

2. Wähle das Protokoll, das du versichern möchtest

Protokolle, gegen die du dich auf Nexus Mutual schützen kannst
Screenshot Nexus Mutual

Wogegen möchtest du dich gern schützen?

Ein Bug im Protokoll, schlampige Custodians oder Schädlinge beim Yield Farming?

Schaue auf’s Menü und wähle dein Protokoll.

3. Kaufe deinen Schutz

Screenshot Nexus Mutual

Plattform gewählt?

Gut, dann bestätige jetzt, für wie viel und wie lange du geschützt sein möchtest.

  • Der Schutz gilt entweder für den Stablecoin DAI oder in Ethereum.
  • Die Dauer beträgt 30 bis 365 Tage.
  • Bezahlen kannst du in Ethereum oder NXM (Den Token kannst du kaufen, sobald du Mitglied bist).

Was musst du tun, wenn der Schaden da ist?

Dann musst du einen Beweis liefern, wie viel Geld du verloren hast UND du solltest 72 Stunden warten, bis die Mitglieder darüber entschieden haben:

Ist der Schaden gültig oder nicht?

Wie gesagt: Die Versicherung mit Nexus Mutual ist kein garantierter Vertrag – die Mitglieder entscheiden, ob du Geld bekommst oder nicht.

Fazit zu Nexus Mutual

Das dezentrale Finanzsystem ist immer noch der Wilde Westen.

Ein Sherif fehlt, dafür gibt es seit 2019 einen Doktor, der die finanziellen Wunden säubert, abpustet und sorgsam verbindet: Nexus Mutual.

Es ist eine dezentrale Versicherungsplattform, die in den Händen ihrer Mitglieder liegt – nur sie entscheiden, ob sie zahlen oder nicht.

Damit sie jedoch richtig entscheiden, werden sei mit NXM Token belohnt.

Er steigt im Wert, wenn sich mehr Leute versichern lassen.

(Zahlt die Versicherung nicht, nimmt auch keiner eine Versicherung)

So sind alle Interessen vereint, nämlich die der Versicherer und die der Versicherten.

Nutzt du bereits Nexus Mutual? Schreibe es in die Kommentare!


Junger Mann schaut in die Kamera

Über den Autor:

Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und  notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin Prock. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.

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