Uniswap leicht erklärt: Wie funktioniert die größte dezentrale Börse?

850.000 Bitcoins waren verschwunden.

Gestohlen. Eingesackt. Unwiederbringlich verloren.

Es war Anfang 2014 und Hacker hatten die Börse Mt. Gox gekapert:

Sie hatten den Software-Code verändert, sodass niemand merkte, wie die Bitcoins langsam auf ihre Adresse wechselten

Innerhalb von zwei Wochen sank so der Preis um 36 Prozent – der Schaden betrug 460 Millionen Dollar.

Das Pearl Habor des Bitcoin.

Wie konnte das passieren?

Mt. Gox war zentral: Von einer Stelle aus konntest du die ganze Börse kontrollieren – und damit auch die Einlagen der Kunden.

Uniswap möchte genau das ändern.

Nur du sollst deine Einlagen halten, damit Mt. Gox nicht noch einmal passiert.

Wie Uniswap das gelingt, erfährst du jetzt:

Was ist Uniswap?

Wenn Mt. Gox, Binance oder Coinbase der Südpol sind, dann ist Uniswap der Nordpol.

Genau das Gegenteil.

Denn es ist eine dezentrale Exchange (DEX) oder dezentrale Börse.

Was heißt das?

Es gibt kein Unternehmen dahinter, das Käufer und Verkäufer zusammenführt, die Kryptowährungen hält und die persönlichen Daten speichert…

…nein: Nutzt du Uniswap, handelst du von deiner Wallet direkt in die Wallet deines Gegenübers.

Es ist, als würdest du jemanden direkt ein Paket bringen, anstatt es dem Postboten in die Hand zu drücken.

Dabei wurde Uniswap 2018 gegründet, läuft auf der Ethereum-Blockchain und ist die größte DEX überhaupt:

Das Portal macht pro Monat 250 Millionen Dollar Umsatz und hat ein tägliches Volumen von ca. 1,5 Milliarden Dollar. (Stand Ende Mai 2021).

Zum Vergleich: Coinbase kommt auf gut 7,5 Milliarden.

Doch warum solltest du Uniswap nutzen? Was sind die Vorteile? – Schließlich handelst du deine Aktien auch über Trade Republic und nicht dem Wochenmarkt in Frankfurt.

Was sind deine Vorteile, wenn du Uniswap nutzt?

  1. Your Keys, your Coins: Die goldene Regel im Krypto-Markt lautet: Solange du nicht die privaten Schlüssel deiner Coins hältst, gehören sie nicht dir. Das war das Problem von Mt. Gox: Die Börse kontrollierte deine Kryptowährungen. Auf Uniswap kontrollierst NUR du sie.
  2. Keine Regulierung: Hast du dich schon einmal auf einer Krypto-Börse angemeldet? Glaube mir, du wirst geröntgt wie ein gebrochener Fuß: Anschrift, Telefonnummer, Videogespräch, Ausweis, Dokument mit deiner Anschrift hochladen, 2 Faktor Authentifizierung… Du kommst dir vor, als hättest du dich auf einen FKK-Strand verirrt. Auf Uniswap hingegen fällt alles weg: Du musst dich nicht anmelden, nicht bestätigen, nein; du kannst sofort handeln.
  3. Keine Handelsbeschränkung: Während des Rücksetzers im Mai 2021 ging fast nichts mehr. Du wolltest auf Coinbase oder Kraken Coins kaufen? Fehlanzeige, nichts funktionierte. Was hingegen funktionierte war Uniswap – dort konntest du weiter handeln.
  4. Mehr Coins: Wer auf großen Börsen gelistet werden möchte, braucht entweder Geduld oder tiefere Taschen als eine Arbeitshose. Die Auswahl an Coins ist deshalb gering. Auf Uni hingegen kannst du sofort jeden Coin handeln – seien es ICOs oder Meme Coins wie Shiba Inu.
  5. Geringe Gebühren: Du bezahlst nur 0,3 Prozent, wenn du auf Uniswap Kryptowährungen kaufst. Auf Coinbase bezahlst du 0,5 Prozent – plus eine Menge Extra-Kosten, wenn du beispielsweise mit Kreditkarte bezahlst.

Natürlich ist nicht alles Gold, was rosa ist, ein Horn trägt und galoppiert wie Black Beauty.

Was sind die Nachteile von Uniswap?

Was sind die Nachteile von UniSwap?

Das Logo von Uniswap
Quelle: Uniswap

Welche Nachteile erwarten dich auf der Börse?

  1. Du musst dem System vertrauen: Wenn du nicht der Börse vertraust, musst du der Technik vertrauen. Ist ein Fehler im Quellcode, können deine Einlagen verschwinden wie Harry Potter unter seinem Tarnumhang. Dennoch: Uni gibt es bereits seit über zwei Jahren; deshalb ist es unwahrscheinlich, dass es gehakt oder ein Fehler im System ausgebeutet wird.
  2. Kein Support: Auf der Plattform bist du wie Robinson Crusoe – auf dich allein gestellt. Machst du einen Fehler, kann dir niemand helfen. Du kannst niemanden anrufen. Dich nirgends beschweren. Über niemanden wie einen Nachttopf deine Wut ausschütten.
  3. Gefälschte Coins: Weil jeder Coins auf Uni listen kann, gibt es auch Betrüger, die gefälschte Coins listen. Pass also auf, was du kaufst.
  4. Hohe Transaktionskosten: Kein Problem von Uni, aber von Ethereum. Zurzeit sind die Transaktionskosten so hoch (20 bis 100 Dollar), dass es sich nicht lohnt, mit kleinen Beträgen zu handeln.
  5. Fehlgeschlagene Transaktion: Fällt der Kurs der Währung, mit der du bezahlen möchtest, zu schnell, kann die Transaktion scheitern. Ärgerlich! Zwar bekommst du dein Geld zurück – dennoch bezahlst du die Transaktionskosten auf Ethereum.
  6. Slippage: Wenn du einen Auftrag aufgibst, dauert es ein wenig, bis er auch ausgeführt wird. In dieser Zeit kann sich der Preis ändern. Das heißt: Du bekommst vielleicht weniger, also du gedacht hast. Das kannst du jedoch in den Einstellungen über „Slippage tolerance“ einstellen.
  7. Schlechtere Preise: Stelle dir die Blockchain wie ein Aquarium vor – es steht für sich und hat keinen Kontakt zur Außenwelt. Deshalb weiß Uniswap auch nicht, wo der Preis einer Kryptowährung gerade steht. Es kann den Preis nicht beeinflussen. Liquidity Pools (erkläre ich gleich) bestimmen den Preis, und der kann grottiger sein als auf zentralen Börsen.

So!

Genug auf den Fehlern herumgehackt wie ein Buntspecht an einer Birkenrinde.

Wenn kein Auftragsbuch Käufer und Verkäufer verbindet, wie funktioniert nun eine dezentrale Exchange?

Wie kannst du auf Uniswap handeln?

Wie funktioniert Uni?

Möchtest du auf Binance Bitcoin gegen Ethereum tauschen, wirst du in die Orderbücher oder Auftragsbücher eingereiht.

Wie zwei Heere stehen sich dort Käufer und Verkäufer gegenüber und die Börse versucht, so viele wie möglich zu verbinden.

So wird auf zentralen Börsen gehandelt.

Orderbuch auf Binance
Orderbuch auf Binance

Dezentrale Börsen haben keine Auftragsbücher – dafür haben sie Smart Contracts, also intelligente Verträge:

Es sind Wenn-Dann-Funktionen: Gibst du 2000 Tether (ein Stablecoin) in den Vertrag, bekommst du 1 Ethereum wieder heraus.

Stelle dir Smart Contracts wie Getränkeautomaten vor.

Du steckst Geld hinein, die Maschine presst und schiebt, bis eine Dose Red Bull vor die Öffnung rollt.

Nichts anderes machen Smart Contracts.

Die Tauschfunktion von Uniswap. Nutzt du sie, wird ein Smart Contract ausgeführt

Aber woher kommen die Kryptowährungen?

Schließlich werden sich kaum zwei Händler zeitgleich finden – einer, der 2000 Tether hat, und ein anderer mit 1 Ethereum.

Dafür gibt es die angesprochenen Liquidity Pools oder Liquiditäts-Töpfe.

Sie sind wie Schwimmbecken, die jeweils zwei Kryptowährung enthalten.

Möchtest du Tether gegen Ethereum tauschen, gibst du Tether in den Pool und nimmst dir Ethereum heraus.

Aber wer schüttet die Währungen in die Töpfe?

Das sind die Liquidity Provider (Liquiditäts-Bereitsteller): Sie stellen ein Handelspaar zur Verfügung (wie Tether-Ethereum).

Warum sollten sie das tun?

Dafür werden sie an den Transaktionsgebühren auf Uniswap beteiligt – also belohnt.

Auch du kannst Liquidität bereitstellen, brauchst jedoch immer ein Handelspaar (wie Tether und Ethereum).

Hättest du NUR eine Währung, wäre der Pool sofort unausgeglichen und die Preise würden sich verschieben.

Ein Beispiel:

In einem Pool schwimmen 5 Ethereum und 10.000 Tether. Das macht einen Preis von 2000 Tether pro 1 Ethereum.

Gäbest du jetzt 5 Ethereum dazu, wäre der Pool 10 Ethereum zu 10.000 Tether – also ein Preis von 1000 Tether pro 1 Ethereum.

Deshalb musst du zwei Kryptowährungen (ein ausgeglichenes Handelspaar) in den Pool geben, damit die Preise gleich bleiben.

Aber Achtung:

Gibt du deine Coins in den Pool, hast du das Risiko eines Impermanent Loss.

Was das schon wieder ist, erklärt dir Julian Hosp in diesem Video:

(Dennoch muss man zugeben: Seit dem V3 Update von Uni hat sich der Impermanent Loss drastisch reduziert).

Jetzt hast du verstanden, wie Uniswap funktioniert.

Aber gibt es da nicht noch den Uni Token? Die Kryptowährung mit dem Einhorn.

Was kann die?

Was ist der Uni Token?

UNI ist der Token auf Uniswap und ist ein Goverance Token.

Was ist das?

Governance bedeutet Kontrolle oder Führungsgewalt.

Hältst du Uni, darfst du mitbestimmen, wie sich die Plattform weiter entwickelt  soll – es ist sozusagen dein Stimmzettel über Entscheidungen.

Der Uni Token wurde im September 2020 ge-airdropt.

Das heißt: Jeder, der die Börse jemals genutzt hatte, bekam 400 Token.

(Fakt am Rande: Am 3. Mai 2021 wären diese kostenlosen Token 17.772 Dollar wert gewesen).

Insgesamt gibt es 1 Milliarde Uni Token, wovon ca. 40 Prozent in den Händen der Investoren, Mitarbeiter und Ratgeber der dezentralen Börse liegen.

Stelle dir also den Token wie eine Aktie von Uni vor – entwickelt sich die Börse gut, wird auch der Token langfristig steigen.

Börse? Gescheckt! Token? Gescheckt! Was fehlt noch?

Wie du die Börse benutzt!

Die sechs Schritte, die dich vom Handeln auf Uniswap trennen

Die Charts auf Uniswap. Quelle: Uniswap
  1. Gehe auf Uniswap: https://app.uniswap.org/#/swap
  2. Verbinde deine Wallet (z.B. MetaMask) mit Uni. Klicke dafür rechts oben auf „Connect to a Wallet“.
  3. Wähle die Währungen aus, und zwar a.) die du verkaufen und b.) die du kaufen möchtest.
  4. Klicke auf „Swap“ und überprüfe die Transaktionsdetails, die aufpoppen.
  5. Bestätige die Transaktion in deiner Wallet (nicht vergessen: Du brauchst Ethereum für die Transaktionskosten. Auf Etherscan kannst du nachschauen, wie hoch sie gerade sind.
  6. Warte ein wenig, bis die Transaktion auf der Ethereum-Blockchain bestätigt wird.

Möchtest du hingegen Handelspaare in Liquidity Pool geben, klicke auf: https://app.uniswap.org/#/pool

FERTIG!

Fazit: Was ist Uniswap?

Uni ist eine dezentrale Börse, wo du direkt von deiner Wallet in die Wallet deines Gegenübers handelst.

Damit ist die Börse Teil des dezentralen Finanzsystems: Nur du hast die Kontrolle über deine Finanzen.

Das funktioniert auf Uni über Smart Contracts und Liquidity Pools.

So kannst du Kryptowährungen handeln, ohne dich auf einer Börse anmelden zu müssen oder deine privaten Schlüssel aus der Hand zu geben.

Nachteil ist: Du musst auf das System vertrauen und bist auf dich allein gestellt – machst du einen Fehler, kannst du niemanden um Hilfe rufen.

Außerdem kannst du auf Uniswap nicht nur handeln, sondern ebenfalls noch Handelspaare in die Liquidity Pools geben und so eine passive Einkommensquelle erschließen.

Hast du schon einmal mit Uniswap Kryptowährungen getradet? Schreibe es in die Kommentare!


Junger Mann schaut in die Kamera

Über den Autor:

Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und  notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin Prock. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.

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