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Bau Dir Dein Grundeinkommen

Interview mit Gisela Enders, Autorin von Finanzielle Freiheit – wie Menschen leben, die für Geld nicht mehr arbeiten müssen über ihr neues Buch „Bau Dir Dein Grundeinkommen“

Gisela, wie schön, dass dieser Termin zustande kommt. Du kommst bisher als ein Fan der finanziellen Freiheit daher, warum trittst Du jetzt für ein Grundeinkommen ein? Ist das nicht ein Rückschritt?

Gisela: Ja, das kann man so sehen. Als ich vor drei Jahren mit Menschen gesprochen habe, die bereits finanziell frei sind, habe ich auch noch davon geträumt, irgendwann in den Sack zu hauen und nicht mehr arbeiten zu müssen. Ich dachte, dass ist das ultimative Ziel, von dem alle träumen. Im Zuge der Gespräche und auch in meiner Coachingpraxis habe ich mich dann immer mehr damit beschäftigt, genau auf Arbeit im Allgemeinen und im Konkreten zu schauen. Dabei habe ich auch bei mir bemerkt, dass ich gar nicht aufhören würde wollen zu arbeiten. Zumindest nicht komplett. Das war auch meine überraschende Beobachtung bei  meinen finanziell freien InterviewpartnerInnen: Fast alle von ihnen arbeiten wieder! Selbstbestimmt und sicherlich auch in überwiegendem eigenen Zeitmanagement, aber sie arbeiten eben. Und sind dabei wohl auch erfolgreich. Wahrscheinlich, weil sie genau das machen, was sie machen wollen. Dabei verdienen sie auch Geld. Sie brauchen also das Kapital, was sie eigentlich erwirtschaftet haben, um ihren Lebensalltag zu finanzieren, nicht in vollem Umfang. Im Umkehrschluss hätten sie also schon viel früher ihr Leben hin zu ihrem heutigen Leben verändern können. Das ist die Grundthese von meinem neuen Buch, man braucht nur ein Grundeinkommen und kann dann das machen, was einem wirklich liegt.

Wie bist Du dann auf die Idee des Grundeinkommens gekommen? Hat das was mit dem Grundeinkommen zu tun, was vom Staat gefordert wird?

Gisela: Ja, ich hätte dieses neue Konzept auch finanzielle Freiheit light nennen können. Aber ich habe bewusst den Begriff des Grundeinkommens gewählt. Weil ich auch die Menschen ansprechen will, die von einem bedingungslosen Grundeinkommen träumen bzw. die fordern, dass dies vom Staat eingeführt werden soll. Denn ich kann die Sehnsucht danach sehr gut nachvollziehen. Keine Existenzangst, keine Sorgen darum, dass das eigene Sein nicht finanzierbar ist und man laufend strampeln muss. Was mich allerdings ein bisschen wundert, ist, dass es so gut wie keine Empfehlungen und Diskussionen unter den Verfechtern des bedingungslosen Grundeinkommens gibt, die sich damit beschäftigen, wie man dies vielleicht auch aus eigener Kraft schaffen könnte. Hier war es mir ein Bedürfnis einen kleinen Gedankenanstoß zu platzieren. Wir regeln doch auch sonst viele Dinge selber und schreien nicht immer nach dem Staat.

Aber ist es denn nicht trotz allem sehr ambitioniert, sich ein eigenes Grundeinkommen aufzubauen?

Gisela: Finanziell finde ich es gar nicht so ambitioniert, ich finde es eher ambitioniert bei der Entscheidung für einen bestimmten Lebensstil, der gerade in der Kapitalaufbauphase sehr genügsam ist. Wir leben in Deutschland und in vielen anderen Ländern auf einem unglaublich hohen Konsumniveau. Da lassen sich viele Ausgaben in Frage stellen, zum Teil eben auch radikal.

Aber nur wenn ich weniger kaufe, werde ich doch nicht finanziell frei?

Gisela: Die Menschen, die ich interviewt habe, haben meistens mit diesem Schritt angefangen. Insgesamt gehören drei Schritte dazu: Darauf zu achten, dass Geld reinkommt. Das muss nicht bombastisch viel sein, aber ein gutes Einkommen hilft natürlich. Oft ist der kritische Blick auf die Ausgaben aber noch zentraler, da viele Menschen mit einem hohen Einkommen es schaffen, auch gleich die Ausgaben entsprechend mit hochzuschrauben. Wenn man es hier schafft, einen genügsamen Lebensstil zu etablieren trotz guter Einkünfte, dann bleibt in der Aufbauphase Geld übrig. Das gilt es klug zu investieren. Der genügsame Lebensstil hilft aber auch bei einem Leben mit Grundeinkommen. Denn dann kann auch das Grundeinkommen geringer sein. Wenn ich mich daran gewöhne, in einer kleinen Wohnung für sagen wir mal 400 € zu leben, dann muss ich auch nur 400 € Grundeinkommensanteil für die Miete aufbauen und nicht vielleicht 1.400 € für eine große Wohnung.

Das sind aber schon ganz schön große Einschränkungen.

Gisela: Alles hat seinen Preis, der Aufbau eines Grundeinkommens auch. Jeder ist ja frei für sich zu entscheiden, was jeweils am besten passt. Wir tauschen Ausgaben gegen arbeitsfreie Zeit. Und das kann jeder für sich selbst entscheiden, ich will hier nur Möglichkeiten aufzeigen, keine Verpflichtungen aufbauen. Wenn ich in der großen Wohnung wohne und dafür eben ein gutes Drittel des verfügbaren Einkommens draufgeht, dann ist weniger Geld da, um zu sparen. Dann besteht länger die Notwendigkeit für Geld zu arbeiten. Es ist eben eine Frage der Möglichkeiten. Neben den großen Ausgabenpunkten lässt sich dies übrigens auch bei kleinen, aber regelmässigen Ausgabenpositionen, wie den Coffee-to-go durchspielen. Diese addieren sich auch gut auf.

Gibst Du in dem Buch neben solchen Spartipps auch Investitionstipps. Wie soll man sein Geld denn nun anlegen?

Gisela: Es braucht schon ein bisschen Geldbildung, denn mit einem banalen Tagesgeldkonto komme ich nicht weit. Die Menschen, die ich interviewt habe, haben meistens in Immobilien und in Aktien, wahlweise auch in ETFs angelegt. Manche haben auch noch andere Anlageformen gewählt, aber ich denke für den ersten Einstieg sind diese Anlageformen schon ausreichend herausfordernd. Das Buch ist dabei kein Investitionsratgeber. Mein Ziel ist es, für die Möglichkeiten des Grundeinkommen zu sensibilisieren. Das Sparen für eine arbeitsfreie Zeit bzw. selbstbestimmte Arbeitszeit schmackhaft zu machen. Wer anfängt, sich für dieses Ziel näher zu interessieren, findet im Internet und in Büchern eine Fülle von Ratgebern, wie man selbst gut investieren kann.

Wie bist Du auf den Gedanken gekommen, dass man auch mit einem bestimmten Vermögen immer noch arbeiten will?

Gisela: Weil es für viele langweilig wird, immer nur auf der Couch zu sitzen. Selbst der Strand an der Südsee wird irgendwann nur noch sandig. Die meisten finanziell freien Menschen haben nach spätestens drei Monaten nichts tun, wieder angefangen, irgendwas zu machen. Mit und für andere Menschen. Und dabei fließt irgendwann Geld, manchmal mehr, manchmal weniger. Bei Menschen, die bereits in der Lage waren, sich einen Kapitalstock für ein Grundeinkommen oder in diesem Fall sogar für die komplette finanzielle Freiheit aufzubauen, sind die Einkünfte dann meistens auch nochmal gut, weil sie sich ihres Wertes bewusst sind. Sie haben bereits gezeigt, dass sie Geld einnehmen können, warum sollten sie das als finanziell freier Mensch nicht auch wieder tun. Geld ist schließlich auch Anerkennung. Zumindest für viele Menschen.

Heißt, sie hätten auch schon früher aufhören können?

Gisela: Der Prozess, sich einzugestehen, dass man jetzt nicht mehr für Geld arbeiten muss, verunsichert die meisten Menschen sehr.  Obwohl viele ja sagen, dass sie zur Arbeit gehen müssen, dass schon wieder Montag ist und dass Arbeit ihnen eigentlich keinen Spaß macht, scheuen sie sich trotzdem davor, den großen Schritt der Kündigung zu gehen. Die Scheu ist ja auch berechtigt, im Zweifel bekommt man nicht viel Verständnis aus seinem Umfeld entgegengebracht. Je nachdem, wie man das Grundeinkommen kalkuliert hat, wird man auch nervös sein, ob die Idee des freien Gelderwerbs dann auch funktioniert, um sich Dinge wie Urlaub oder etwas mehr Luxus finanzieren zu können.

Ich will mit der Vorstellung von Menschen, die diesen Weg bereits gegangen sind, Mut machen, dass es geht. Dabei gibt es immer wieder Menschen, die unglaublich viel Geld ansparen, bis sie den Schritt tatsächlich gehen. Das ist okay, wenn sie eben doch Spaß an ihrer Arbeit haben, ihnen die Zugehörigkeit zu ihren Kollegen und Geschäftspartnern wichtig ist oder sie auch einfach die Struktur der Arbeit schätzen. Alles wichtige Gründe, die in einem Grundsicherungsleben meistens wegfallen. Es sei denn man entscheidet sich für eine Teilzeitanstellung. So einen Menschen habe ich bisher noch nicht interviewt, sicherlich wird es sie aber auch geben. Im Gegenzug zum Mehrwert in einer Anstellung zu bleiben, obwohl es eigentlich in Sachen Gelderwerb nicht mehr notwendig ist, stehen die Menschen, die in erste Linie aus Angst und dem Bedürfnis nach weiterer Sicherheit in ihrer Anstellung bleiben, obwohl sie da nicht gerne hingehen. Denen möchte ich mit meinem Buch Mut machen, viel früher den Weg zu dem Leben einzuschlagen, was ihnen wirklich Spaß macht. Oder ihnen Erfüllung bringt. Günstigstenfalls beides!


Liebe Gisela, vielen Dank für die Einblicke. Wo kann man Dein Buch kaufen?

Da, wo man Bücher kauft, im Buchladen. Als E-Book gibt es dies auch bei allen üblichen Anbietern. Ob es auch noch als Hörbuch produziert wird, hängt von den Erfahrungen mit dem Buch „Finanzielle Freiheit“ ab. Das wird es ab August 2019 als Hörbuch geben und ich bin sehr gespannt, wie es ankommen wird.

www.finanziell-freie-menschen.de

  • Toller Artikel. Ich kann mich dem nur anschließen. Allerdings darf man sich meiner Meinung auch manchmal einen kleinen Luxus (coffee to go) gönnen. Was viel wichtiger ist, ist das man neue Einkommesquellen erschließt oder alte ausbaut. So kann man sich einen kleinen Luxus gönnen und spart in Summe trotzdem.

    Lg Michael

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