Wird Geld wertlos? Kannst Du bald kostenlos tanken? – eine Einschätzung zur jetzigen Lage

Auf der Straße herrscht Menschen-Dürre, doch die Regierungen ertränken das Land mit Geld. Billionen werden gedruckt, die Märkte laufen über und am Ende fragt sich jeder Einzelne: Was wird aus mir? Hier eine kleine Analyse zur wirtschaftlichen Lage aus dem Interview von Max Otte und Michael Mross; im Anschluss eine Erklärung zu den negativen Ölpreisen.

Kommt es zu einer Hyperinflation? – wird Geld wirklich wertlos?

Das Interview beginnt mit der Frage, vor der jeder gern die Ohren verschließt: Muss ich mir Sorgen machen? Im Grunde ja, meint Otte: Die Inflation sei bereits größer, als man denkt – es gebe keine Zinsen, die Löhne und Einkommen stagnierten und dafür stiegen die gesundheitlichen und öffentlichen Kosten. Deshalb seien Konten und Lebensversicherungen jetzt am unsichersten.

Doch diese Inflation ist nicht das Schreckgespenst im Raum. Die Bilder aus der Weimarer Republik sind viel deutlicher: Brot kostet Milliarden, Löhne sind nachmittags nichts mehr wert und Menschen kaufen mit Schubkarren ein – Schubkarren voller Geldscheinen. „Droht uns so etwas auch?“, fragt der Moderator Michael Mross.

Hier gibt Otte Entwarnung: So schlimm wird es wahrscheinlich nicht. Regierungen und Banken haben heute mehr Rettungshebel als noch 1923. Max Otte nennt vier Stück:

  1. Zielgenaue Steuern können Vermögen abschmelzen
  2. Ein bisschen Inflation
  3. Sonderabgaben
  4. Einziehen von Guthaben, um Banken zu sanieren

Otte schließt damit: „Die Instrumente [der Staaten] sind so ausgefeilt, dass wir diese Geldvernichtung unter Umständen hinbekommen.“

 

Sind Bankguthaben in Gefahr?

Werden Regierungen wirklich Guthaben einziehen, um Banken zu sanieren? – an dieser Frage nagelt der Moderator Prof. Otte fest. Gemäß europäischem Recht gibt es eine Gläubigerbeteiligung; das bestimmt die europäische Abwicklungsrichtlinie (BRRD) von 2014. Demnach könnten Anleger beteiligt werden, die ein Guthaben über der Einlagensicherung von 100.000 € besitzen – kurz: sie dürfen die Banken mitretten.

Zwar steht es auf dem Papier, aber richtig vorstellen kann es sich der Moderator nicht; deswegen hakt er noch einmal nach. Prof. Otte antwortet klar: „Wenn es ernst wird, wird es ernst.“ Dann könnten auch Sparer Banken retten. Corona hat die wirtschaftlichen Probleme enthüllt und wir schauen jetzt in ihre hässlichen Fratzen. Deswegen müssen die Staaten jetzt die Nachfrage ankurbeln, um der Krise Herr zu werden. Diese Maßnahmen sind nach Otte:

  • Helikoptergeld: Geld wird unter die Bevölkerung verteilt. Dazu zählen Hilfen für den Mittelstand und Kleinbetriebe, Arbeitslosenversicherung und Staatsnachfrage.
  • Investitionsprogramme

Doch wird dadurch Deutschland nicht ein Fall für den Schuldenberater? – auch hier heißt es nein: Die Staaten könnten noch 1-3 Jahre großzügig Schulden machen. Gerade in Deutschland sei noch Luft nach oben. Für die Staaten ist das gut, doch was wird aus dem kleinen Mann – Milliarden aus dem Hut zaubern kann er nicht.

 

Wie kannst Du Dein Geld schützen?

Gott sei Dank verkündet Prof. Otte nicht nur Hiobsbotschaften; er hat auch einen Schlachtplan für die Krise. Und er macht es konkret – in was sollen Anleger investieren?

  1.  Aktien kaufen: Aktien sind nicht das Wundpflaster für jede Krise, aber Du beteiligst Dich an einem Unternehmen – und die Wirtschaft geht weiter. Auch wenn Unternehmen notfalls in Dollar, Bitcoin oder Lira abrechnen, Unternehmen sterben nicht aus. So gibt es Verlierer, jedoch auch große Gewinner. Zu den Gewinnern zählt Prof. Otte die großen Tech-Giganten wie Amazon und Alphabet.
  2.  Liquidität: Du sollst nicht Dein ganzes Geld in Anlagen verbarrikadieren, Du musst auch flüssig bleiben. Halte deshalb auch Geld auf dem Konto und horte etwas Bargeld; hüte Dich aber vor zu großen Summen.
  3. Edelmetalle: Eine feste Währung ist eine Notversicherung; dennoch werden die Kapazitäten der Lieferanten knapper. Außerdem sind derzeit die Spreads sehr hoch: Du bezahlst einen hohen Aufschlag, wenn Du Edelmetalle kaufst.

Max Otte vertreibt auch zwei eigene Fonds für die Öffentlichkeit; sie bestehen hauptsächlich aus Aktien, etwas Geld und Anleihen. Weil der Aktienanteil hoch ist, schwanken sie sehr im Wert – der Max Otte Vermögensfonds fiel in Corona-Krise von 150 € auf 100; jetzt hat er sich wieder auf 120 € erholt. Erwerben kannst Du Fondsanteile bei einem Broker – so z.B. Onvista oder flatex.

  1. Max Otte Vermögensbildungsfonds; WKN: A1J3AM
  2. PI Global Value Fund; WKN: A0NE9G

Das waren im Dreierhopp drei große Wirtschafts-Fragen in der Corona-Krise; dennoch rumort die Welt weiter und trampelt nieder, was noch vor Wochen felsenfest schien. In der Nacht zum 21. April war der Ölpreis nicht nur gen null gerutscht, er wurde auch negativ – Besitzer mussten draufzahlen, um ihr Öl loszuwerden. Was war da los? – und was bedeutet das für die Wirtschaft? Klären wir zuerst ein paar Basics, bevor wir ein Öl-Bad nehmen.

 

Wie wird Öl gekauft?

Öl wird nicht praktisch in Literflaschen verkauft – und Pfand gibt es auch nicht. Vielmehr kauft man Öl in Barrel, das sind 159 Liter. Das Problem mit Öl: Man kann es nicht einfach lagern wie Geld auf dem Konto; man braucht LKWs, eine Lagerhalle und Fässer. Deshalb wollen viele Investoren kein physisches Öl besitzen – die Lagerkosten wären erdrückend. Gleichzeitig verlangen die Verkäufer Planungssicherheit: Zu einem bestimmten Termin und zu einem bestimmten Preis soll ihr Öl den Besitzer wechseln.

Deshalb handelt man Öl in Futures – was ist das schon wieder? Es sind Terminkontrakte: Mit einem Future verpflichte ich mich, von Dir Öl zu kaufen, und zwar an einem bestimmten Tag und zu einem festen Preis. Der Sinn dahinter: Mit Futures sicherst Du dich als Produzent ab, dass deine Ware sicher an den Mann zu kommt. Das ist aber nicht ihr einziger Zweck; sie eignen sich auch für Spekulationen. Ist der Öl-Preis höher als der Future-Preis, mache ich Gewinn, weil ich weniger zahle. Du machst Gewinn, falls der Öl-Preis niedriger ist als der Future-Preis.

 

Wie kam es zum „geschenkten“ Öl?

Am Dienstag, dem 21. April, liefen die Futures für den Mai aus: Die Käufer mussten das Öl kaufen, wie es der Future vorschrieb. Den Investoren dämmerte es schon: Lastwagen rollen an und laden hunderte Fässer Öl vor der Gartentür ab. Deshalb schnell weg mit dem gekauften Öl. Um das Öl loszuwerden, gaben die Investoren sogar Geld dazu – zwischenzeitlich bis zu 40,32 US-Dollar pro Barrel. Niemand wollte auf seinem Öl sitzen bleiben, weil man die Lagerkosten fürchtete.

Doch warum ist das schwarze Gold jetzt weniger wert als Handseife? Daran ist der wirtschaftliche Lockdown schuld, den Corona ausgelöst hat: Flugzeuge bleiben am Boden, Schiffe dürfen nicht in die Häfen, die Maschinen stehen still – wer braucht da noch Öl? Gleichzeitig haben die Ölstaaten ihren Hahn nicht rechtzeitig abgedreht; die Welt watet jetzt im Öl und weiß nicht, wohin damit.

 

Kannst Du bald kostenlos tanken?

Leider wird es kein geschenktes Benzin geben – auch kein Kniefall und Handkuss. Der Grund: Die Mineralölsteuern bleiben bestehen; das sind z. B. pro Liter Diesel 56 Cent. Doch auch das ist nicht alles: Weil die Corona-Krise weniger Autos an den Zapfhahn lockt, machen die Tankstellen weniger Gewinn – bestehen bleiben aber die Kosten für Personal und Pacht. Diese Kosten holen die Tankstellen sich höflichst von den Kunden zurück. Also nein: Treibstoff und Heizöl könnten zwar billiger werden, umsonst gibt es sie aber nicht.

 

Was sind die Auswirkungen auf die Welt?

Hart trifft es die Ölstaaten – so der Iran, Russland, Saudi-Arabien oder Venezuela. Sie sind abhängig von den Einnahmen aus der Öl-Förderung. Dort könnte es zu Wirtschaftskrisen kommen, die auch die restliche Welt erschüttern könnten. Allein in den USA hat die Ölbranche bereits mehr als 50.000 Mitarbeiter entlassen.

Zusätzlich wird das Machtgefüge der Ölkonzerne durchgerüttelt. „Big Oil“ ist hier am längeren Hebel: Die großen Ölkonzerne können Durststrecken ertragen und haben mehr Geld zur Verfügung; die kleinen Konzerne hingegen haben wenig Rücklagen und müssen wohl Insolvenz anmelden. Zu den 6 großen Ölkonzernen gehören beispielsweise Royal Dutch Shell oder Total S.A.

Quellen:


Junge lächelt in die Kamera

Finanz-Enthusiast, Self-Improvement-Sensei und  notorischer Wort-Jongleur – diese drei Engel für Charlie bin ich: Robin. Meine Texte entzaubern die Finanzwelt, um sie Dir zerlegt auf dem Silbertablett zu präsentieren. Für Deine finanzielle Bildung und ein selbstbestimmteres Leben.

 

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Robin Prock


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