Der 10.06.2018 könnte als historisches Datum in die Geschichtsbücher eingehen!

Denn an diesem Tag stimmen die Schweizer per Volksentscheid über das sogenannte Vollgeld ab. Hat die Initiative erfolg, könnte nur noch die schweizerische Zentralbank Schweizer Franken erzeugen. Das hört sich erst einmal unspektakulär an, aber das ist es absolut nicht.

Warum nicht, erkläre ich in diesem Artikel. Doch fangen wir vorne an:

Wie wird Geld aktuell erzeugt?

Angesichts der Wichtigkeit, die Geld in unser aller Leben hat, finde ich es immer wieder bedenklich, wie wenig wir darüber lernen. Bitte verstehe mich nicht falsch: Damit meine ich nicht, dass Geld das wichtigste Ziel sein sollte! Ich meine damit, dass wirklich jeder Einzelne tagtäglich mit Geld zu tun hat, ob er nun möchte oder nicht. Leider habe ich aber auch immer öfter das Gefühl, dass viele Menschen hierbei Mitspieler eines Spieles sind, dessen Regeln ihnen nie jemand erklärt hat.

Wenn du diese Spielregeln erlernen möchtest, um somit leichter Wohlstand aufbauen zu können, dann ist der Kurs für finanzielle Intelligenz interessant für dich.

Einige sehr wichtige Regeln drehen sich dabei um die Frage, wie Geld eigentlich erschaffen wird. In den Zentralbank-Systemen der meisten Industrieländer gibt es genau zwei Möglichkeiten, wie Geld erzeugt werden kann.

Möglichkeit A) Die Zentralbank erzeugt es.

Das ist der Weg, von dem die meisten wahrscheinlich schon einmal gehört haben.

Die Zentralbank kann die Drucker anwerfen und neue Banknoten erzeugen, die daraufhin über die Geldautomaten der Geschäftsbanken den Weg zum Bürger finden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass die Zentralbank Geld am Computer erzeugt. Durch Knopfdruck können Millionen und Milliarden erzeugt werden. Diese werden dann hauptsächlich als Kredite an Banken ausgegeben. Die Zentralbank kann damit aber auch Staatsanleihen oder direkt Unternehmensanleihen kaufen und so das neue Geld in Umlauf bringen. (Eine Anleihe ist im Übrigen nichts anderes als ein Schuldschein, in dem Zinssatz und Laufzeit festgelegt sind.)

Über diese Möglichkeit gibt es noch so viel mehr zu sagen, v.a. in Zeiten des Niedrig- bzw. Negativzinses, aber ich möchte nicht allzu sehr abschweifen. Den folgenden FAZ-Artikel kann ich jedoch wirklich jedem wärmstens empfehlen. Er ist nicht nur mit Charme geschrieben, sondern liefert v.a. sehr gut aufbereitetes Hintergrundwissen.

Wie kommt das Geld in die Welt?

Allein schon die ersten beiden Sätze begeistern mich:

“Mittwoch Morgen, 8.20 Uhr. Michael Thomas sitzt vor drei Bildschirmen, in einem Gebäude der Bundesbank in der Frankfurter Innenstadt, Raum Nummer 2513, und erzeugt zig Milliarden Euro.”

Hört sich nach einem klasse Job an!

Möglichkeit B) Die Geschäftsbanken erzeugen Geld.

Jawoll, vollkommen richtig gelesen. Von Deutsche Bank bis Sparkasse: Alle Banken können Geld selbst erzeugen und tun dies auch fleißig. Der Großteil unseres Geldes wird auf diese Weise erzeugt. Diese sogenannte Giralgeldschöpfung funktioniert dabei immer durch eine Kreditvergabe und auch nur für digitales Buchgeld. Wenn du nämlich zu deiner Bank gehst und einen Kredit aufnimmst, sagen wir einmal in Höhe von 10.000 €, dann erzeugt die Bank dieses Geld aus dem Nichts und schreibt es deinem Konto gut. Lediglich 1 % muss sie dabei auf einem Konto der EZB vorhalten, sprich 100 € (in der Schweiz sind es 2,5 %). Diese 1 % nennt man Mindestreserve, weshalb man auch von einem Mindestreserve-System spricht.

Und selbst diese 100 € kann sich deine Bank von der Zentralbank leihen, siehe Punkt A). Krass, oder?

Noch krasser wird das Ganze wenn du dir überlegst, dass du (angenommene) 5 % Zinsen, also 500 € p.a., zahlen musst für etwas, das einfach aus dem Nichts erzeugt wurde. Und da du ja leider kein Geld aus dem Nichts schaffen kannst, musst du schauen, dass du die 500 € irgendwo anders herbekommst. In der Regel durch Arbeit.

Kleiner Einschub: Das ist übrigens der Grund, warum es das vielzitierte Hamsterrad gibt und warum in der Regel nur die Kreditnehmer hier herein geraten, nicht aber die Kreditgeber. Daher ein Tipp am Rande: Kredite sind nur dann sinnvoll, wenn sie zur Steigerung deiner Produktivität oder deines Einkommens eingesetzt werden. Wenn du dir davon einen neuen Fernseher kaufst, ist dies ein Schritt in Richtung Hamsterrad.

Aber zurück zum Thema und einmal kurz zusammengefasst:

  • Die Zentralbank schafft Bargeld und digitales Buchgeld per Knopfdruck.
  • Die Geschäftsbanken schaffen digitales Buchgeld durch Kreditvergabe.

So weit so gut. Aber ist diese Konstellation nun gut oder schlecht?

Genau diese Frage stellen sich gerade die Schweizer. Am 10.06.2018 stimmen sie darüber ab, ob der Reservesatz auf 100 % erhöht werden soll. Dadurch würde ein sogenanntes Vollreserve-System entstehen und nur noch die Zentralbank könnte Schweizer Franken erschaffen.

Der einfachste Weg, um sich bei dieser Frage ein wenig vorzuarbeiten, benötigt nicht viel Fachwissen sondern nur ein wenig gesunden Menschenverstand: Wir beleuchten die Motivation.

Warum schafft die Zentralbank Geld?

Nun ja, eine Zentralbank ist eine Institution mit dem Hauptziel, den Wert der Währung möglichst stabil zu halten. Die so geschaffene Preisniveaustabilität soll sowohl Preisverfall (Deflation) als auch Verteuerung (Inflation) verhindern, da beides sehr schädlich für eine Wirtschaft sein kann. Als Werkzeug um dieses Ziel zu erreichen nutzt die Zentralbank unter anderem die Geldschöpfung sowie die Geldvernichtung.

Fazit: Die Zentralbank möchte die Wirtschaft am Laufen halten.

Warum schaffen Geschäftsbanken Geld?

Die meisten Geschäftsbanken sind Unternehmen der Privatwirtschaft und haben damit ein fest definiertes Hauptziel: Profitmaximierung! Sprich sie vergeben Kredite und schaffen damit Geld, weil es sich für sie lohnt. Sobald es sich nicht mehr lohnt, hören sie damit auf. (Ausnehmen möchte ich hier einmal die Sparkassen und Landesbanken als Anstalten des öffentliche Rechts mit teils anderen bzw. weiteren Aufgaben.)

Fazit: Geschäftsbanken möchten Gewinn machen.

Nun könnte ein kritischer Mitbürger natürlich sehr schnell an den Punkt kommen und sagen:

“Ach ist ja klar, die Banken wieder. Nicht nur, dass sie uns immer wieder in Krisen stürzen, jetzt schaffen sie auch noch ihr eigenes Geld. Eine Frechheit ist das!”

Kann die Antwort so eindeutig sein?

Um ehrlich zu sein, ich bin absolut kein Fan von voreiligen Schlüssen, auch wenn sie verlockend erscheinen. Denn eine Frage bleibt:

Warum dürfen die Geschäftsbanken denn ihr eigenes Geld schaffen? Wieso haben die Machthabenden das alles so eingerichtet und laufen lassen? Der kritische Kollege von oben würde wahrscheinlich sagen:

“Na weil die doch alle gekauft sind! Alles Verbrecher, sag ich dir!”

Jaja, ist ja gut. Lass uns wieder ein wenig Emotion hier heraus nehmen und mit dem gesunden Menschenverstand weitermachen. Also: Könnte es sein, dass ein Land einen Vorteil davon hat?

Und naja, eines ist auf jeden Fall sicher: Geld ist das Schmiermittel einer gut laufenden Wirtschaft. Ist zu wenig da, blockiert und hakt es überall. Und ein schöner Kredit ist wie ein großer Schwall dieses Schmiermittels. Dies gilt vor allem im Unternehmensbereich. Wenn ein Bürger keinen Kredit für einen neuen Fernseher bekommt, geht davon die Wirtschaft nicht unter. Aber wenn ein DAX-Unternehmen die benötigte Lagererweiterung nicht umsetzen kann, zieht das natürlich einen riesen Rattenschwanz hinter sich her.

Ein weiterer Punkt: Banken sind (meistens) sehr gut darin, ihre Kunden, deren Projekte und das Risiko einzuschätzen. Immerhin müssen sie das sein, da sonst die Sache mit dem oben genannten Profit nichts wird. Man kann also sagen, dass Banken Schmiermittel in dem Wirtschaftsmotor verteilen und zwar genau an den Stellen, an welchen es sinnvoll ist. Indirekt tragen also auch sie dazu bei, die Wirtschaft am Laufen zu halten.

Übrigens hat die Zentralbank mit dem Leitzins eine gute Steuerungsmöglichkeit, was die Kreditvergabe angeht. Setzt sie ihn herauf, werden Kredite teurer und somit weniger nachgefragt. Dadurch kann auch weniger Geld von den Geschäftsbanken geschaffen werden.

Fazit:

Unser Wirtschaftssystem ist so komplex, dass keine Entscheidung leicht als richtig oder falsch bewertet werden kann. Es gilt immer, die Argumente beider Seiten zu kennen und sich dann eine eigene Meinung zu bilden.

Eine richtig gute Methode, diese komplexen Sachverhalte zu erläutern, haben die Gebrüder Schiff. In Ihrem Buch erläutern sie die Zusammenhänge in anschaulichen, kleinen Geschichten. Wirklich sehr empfehlenswert!

Zum Abschluss hier noch einmal die wichtigsten Argumente beider Seiten stichpunktartig aufgeführt:

Befürworter von Vollgeld:

  • Der Großteil unseres Geldes wird von privaten Institutionen erzeugt.
  • Diese sind nicht demokratisch kontrolliert und handeln nicht im Sinne der Bürger.
  • Ihre einzige Motivation ist die eigene Gewinnmaximierung.
  • Dies führt zwangsweise zu Blasenbildungen und Finanzkrisen.
  • Am Ende müssen die Steuerzahler die Banken retten, da sie zu groß sind, als dass man sie fallen lassen könnte.

Gegner des Vollgeldes:

  • Banken nehmen eine wichtige Schlüsselrolle in dem Wirtschaftskreislauf ein.
  • Ihre Kreditvergabe und die damit zusammenhängende Geldschöpfung ist wichtig für die Wirtschaft.
  • Müssten 100 % Reserve vorgehalten werden, wäre zu wenig „Schmiermittel“ vorhanden und die Wirtschaft würde ins Stocken geraten.
  • Würde die Geldschöpfung nur noch über die Zentralbank erfolgen, würde es zu lange dauern, bis das Geld auf den Firmen- und Privatkonten ankommt.
  • Außerdem wäre eine sinnvolle Verteilung nicht mehr gewährleistet.

Nachtrag: Die Schweizer haben sich gegen das Vollgeld entschieden.

Mit einer großen Mehrheit von ca. 75 % haben die Schweizer die Vollgeld-Revolution abgelehnt. Es bleibt also alles beim alten und Geschäftsbanken können weiterhin Schweizer Franken in Form von digitalem Buchgeld erzeugen. Vorerst! Denn auch wenn man das Ergebnis als Niederlage für die Vollgeld-Unterstützer sehen kann, so sehen diese selbst die Lage etwas anders. Denn zum ersten mal wurde öffentlich über den Vorgang der Geldschöpfung diskutiert und aufgezeigt, dass es Alternativen gibt. Diese Diskussion ist wichtig, sehr wichtig sogar! Denn Geld ist ein Werkzeug, das wir alle nutzen. Und eines ist definitiv sicher: Wir können Geld um so besser nutzen, je besser wir es verstehen! Dabei ist die Frage nach der Herkunft bzw. Herstellung von Geld natürlich elementar.

Da die meisten von uns leider kein Schulfach „Geld“ hatten, haben wir beschlossen, dieses wichtige Thema selbst in die Hand zu nehmen. Wenn du besser verstehen möchtest, nach welchen Regeln dieses „Werkzeug Geld“ funktioniert, dann ist unser Kurs für finanzielle Intelligenz interessant für dich. Er ist Teil der Geldhelden-Mitgliedschaft und hilft dir auf lange Sicht, leichter Wohlstand aufzubauen. 

Vielen Dank fürs Lesen und weiterhin viel Spaß auf Geldhelden.org.

Schön, dass du da bist!

Dein Benny

PS: Ich hoffe ich konnte dir dieses Thema etwas näher bringen. Über Feedback würde ich mich wirklich sehr freuen, auch wenn du hier zum Beispiel noch weitere Aspekte gerne gesehen hättest.

Disclaimer:

Ich hoffe, dir hat dieser Artikel gefallen. Beachte bitte, dass es sich um meine subjektive Wahrnehmung und in keinster Weise um eine professionelle Anlageberatung handelt. Investiere niemals Geld, welches du nicht auch bereit bist, vollständig zu verlieren.

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