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Diese 10 Jahrhundert-Weisheiten musst du unbedingt beachten, wenn du in Aktien investierst

Es gibt keinen Menschen, der das Wissen über Aktien und Investments im 20. Jahrhundert mehr geprägt hat als Benjamin Graham. Der Mentor von Warren Buffet gilt als einer der ersten intelligenten Investoren und hat uns ein Buch hinterlassen, das im nächsten Jahr sein 80-jähriges Jubiläum feierte.

In diesem Artikel werde ich die Pflicht-Lektüre: “Intelligent Investieren” so zusammenfassen, dass du aus ihr das Wichtigste mitnimmst, ohne dafür 641 Seiten lesen zu müssen.

Bevor wir jedoch mit den 10 Lektionen beginnen, die du aus Grahams Meisterwerk mitnehmen kannst, fasse ich kurz zusammen, was Graham in die Lage versetzte sein Buch zu schreiben:

Benjamin Graham

1914 begann Benjamin Graham bei einem Wallstreet-Unternehmen zu arbeiten und machte dort gutes Geld im Anleihenhandel, welches er im Laufe von 7 Jahren durch sein Geschick im Aktienhandel zu einem kleinen Vermögen anwachsen ließ. Dieses schrumpfte in der großen Wirtschaftskrise auf 30% zusammen. Anstatt jedoch das Handtuch zu werden, steigerte sich Graham erst jetzt richtig in das Aktiengeschäft rein und wurde in den folgenden Jahren zu einem der bedeutendsten Wirtschaftswissenschaftler in ganz Amerika.
Die Kernpunkte seiner Studien stellten Psychologie und Wirtschaftsgeschichte dar. Er schaffte es sogar zum Professor.
Seine Bildungshistorie erreichte 1949 ihren Höhepunkt mit dem Werk mit welchem wir uns in diesem Artikel beschäftigen.

10 Weisheiten aus “Intelligent Investieren”

Weisheit 1: Wir müssen unsere Investments langfristig und rational beurteilen.

Wenn wir in Aktien investieren, dann sollten wir in erster Linie auf die Unternehmen achten und erst dann auf den Preis.

Der Durchschnittliche Anleger kauft wenn der Preis steigt und verkauft, wenn er sinkt. Dadurch bewegt sich der Preis ständig auf und ab. Im schlimmsten Fall entsteht ein Schneeball-Effekt, durch den immer mehr Anleger kaufen oder verkaufen, bis der Preis der Aktie nicht mehr allzu viel mit dem realen Wert des Unternehmens gemein hat. Ist das erstmal geschehen ist das Platzen der Blase nicht weit und der Aktienpreis fällt auf einen angenessenen Preis zurück.

Statt mit dem Preis sollten wir uns also lieber mit dem Managment und der Führung des Unternehmens auseinandersetzen. Heute fällt uns das deutlich leichter, als noch zu Grahams Zeiten, denn die Informationen stehen dank dem Internet uns allen offen.

Weisheit 2: Wir können defensiv oder offensiv investieren.

Wenn wir defensiv investieren, dann legen wir hohen Wert auf Sicherheit. Wir wünschen uns ein moderates, niedriges aber verlässliches Nebeneinkommen aus unseren Investitionen. Wir wählen Aktien von Unternehmen, die nicht mit hohen Kursgewinnen, dafür aber mit Zuverlässigkeit bestechen. Dadurch, dass wir zu Unternehmens-Anteilen greifen, die sich so gut wie immer rentieren, erhalten wir jedoch nicht nur niedrige Renditen, sondern sparen auch ein Menge Zeit, da wir nur alle paar Jubeljahre mal nach unseren Aktien sehen müssen.

Als offensive Investoren haben wir es da nicht ganz so leicht. Hier müssen wir uns regelmäßig über neue Chancen informieren, Unternehmenszahlen studieren und gezielt nach solchen Aktien suchen, die unterbewertet sind und enormers Zukunftspotenzial haben.

Weisheit 3: Wir müssen drei Eigenschaften mit uns bringen: Rationalität, Diversifikationswille und Geduld.

  • Rationalität bedeutet, dass wir auf bei Kursstürzen einen kühlen Kopf bewahren. Uns interessiert nur der richtige Wert der Firma und nicht ihr aktueller Kursstand. Genau genommen schlagen wir die größten Profite daraus, dass wir Werte einkaufen, deren Preis unterbewertet ist. Dies kann dann eintreten, wenn das Unternehmen öffentliches Ansehen verliert. Ein gutes Beispiel wäre hier der Volkswagen-Skandal. An den Autos und Herstellungsprozessen hat sich damals nichts geändert. Volkswagen war als Konzern weniger verlässlich und ein kleiner Kurseinbruch ist verständlich, jedoch blieb der Kurssturz nichz klein und wer nun Investierte konnte große Gewinne verzeichnen.
  • Diversifikationswille ist entscheidend um das Risiko des Gesamtportfolios zu minimieren. Falls Unternehmen untergehen oder ganze Branchen mitgerissen werden wie bei der Immobilienkrise vor 10 Jahren, verhindert Diversifikation den Totalverlust.
  • Geduld ist die wichtigste Eigenschaft eines intelligenten Investors. Das Ziel sollte darin liegen, regelmäßiges, passives Einkommen zu erzielen anstatt nur schnelle Gewinne.

Weisheit 4: Wir müssen die Grundlagen der Börse verstehen.

“Die Grundlagen der Börse verstehen” klingt hochtrabender und komplizierter, als es eigentlich ist. Im Grunde genommen bedeutet es, dass wir uns darüber im Klaren sind, dass sich der Markt ständig auf und ab bewegt und wir dennoch nicht in Panik verfallen. Denn wer die Börse kennt und versteht, der weiß, dass sich der Aktienmarkt bisher nach jedem noch so großen Crash wieder erholt hat.

Wir sind am besten darauf vorbereitet, dass der Kurs schwankt.
Finanziell bedeutet dies, dass wir immer ein wenig zusätzliches Geld parat haben um bei stark gefallenen Kursen nachzukaufen und ebenfalls Geld, das uns von den Kurs-Schwankungen unabhängig macht. Wir müssen also keine unserer Werte verkaufen, wenn wir privat mal knapp bei Kasse sind
Auch psychisch sollten wir uns auf einige Torturen, Enttäuschungen und Ängste gefasst machen und lernen uns von diesen nicht beeindrucken zu lassen.

Weisheit 5: Wir müssen Investition und Spekulation auseinanderhalten.

Es ist wichtig zu erkennen, wann du investierst und wann du spekulierst. Auch Spekulation kann sich lohnen, doch es wäre unbedacht zu spekulieren, ohne dabei zu wissen, dass man dieses Risiko eingeht. Während Investition auf Analyse der Hintergründe einer Aktie fußt und sich damit hauptsächlich auf die Vergangenheit beruft, ist Spekulation stark zukunftsgerichtet und die Preisentwicklung spielt eine weit größere Rolle, als das Unternehmen selbst.

Bei Spekulationen geht es um das Abpassen von Momenten und exaktes Timing von Kauf und Verkauf, während beides beim Investieren eher nebensächlich ist.
Spekulation ist deshalb so risikant, weil sie auf Zukunftsprognosen baut, bei denen der Durschnitts-Markt-Teilnehmer übertroffen werden muss. Als Spekulant schließt man praktisch eine Wette ab.

Weisheit 6: Der Markt verhält sich emotional.

Bei aller Seriösität, die ihm Bankeninstitute zumindest in der Außenwahrnehmung verleihen, ist der Markt an sich nicht besser oder schlechter als ein Mensch. Dies ist der Grund, weshalb Graham ihn oftmals als “Mr. Market” bezeichnete.
Dadurch dass sich der Markt aus zahlreichen Menschen zusammensetzt ist das, was mit ihm passiert, durchweg menschlich. Der Markt spiegelt Panik, Unsicherheit, Optimismus und vieles mehr wider. Wichtig ist deshalb, dass wir uns nicht von den Stimmungen der Masse mitreißen lassen. Wir sollten nicht kaufen wenn alle kaufen und erst recht nicht verkaufen, wenn alle verkaufen.

Unser Gehirn sucht immer und überall Strukturen und Zusammenhänge, selbst wenn diese nicht gegeben sind. Auf diese Weise ergänzen wir Menschen durch unseren Anspruch ein Muster zu erstellen oftmals Aufwärtstrends oder Abwärtstrends um einen weiteren Schritt nach oben oder unten, obwohl dies rational gesehen einen Fehler darstellt. Vor dieser Gefahr müssen wir uns wappnen, indem wir uns unserer Menschlichkeit, respektive Emotionalität bewusst sind und diese beim Investieren so weit wie möglich ausklammern.

Weisheit 7: Wir sollten mit defensiver Strategie beginnen, bevor wir offensiv investieren.

Besonders als Börsen-Neuling gilt es, sich zusammenzureißen und zunächst mit defensiven Investieren zu beginnen um die Grundlagen zu erlernen und dich an den Markt zu gewöhnen. So kannst du die wichtigsten Mechanismen kennenlernen und praktische Erfahrung sammeln, ohne zugleich große Verluste einzufahren. Betrachte deine ersten paar hundert Euro als Spiel- und Lehrgeld, das dazu dient dir einen Einstieg zu ebnen.

Erst wenn du ein paar Monate auf sicher gespielt hast, solltest du bei riskanteren Anlagen zuschlagen und auch dann dürfen diese nicht bedeutend mehr als 10% deines Portfolios ausmachen. Es sei denn, du entscheidest dich dazu ein offensiver Investor zu werden.

In diesem Fall ist es jedoch nötig, dass du dich laufend über Neuigkeiten hinsichtlich deines Investments informierst. Wer dies als offensiver Investor nicht tut, der läuft Gefahr seine eigenen Absichten zu untergraben.

Nehmen wir beispielsweise an, wir haben in die Aktie eines Tabakunternehmens investiert, weil dieses plante als einziges medizinische Marihuana-Zigaretten einzuführen. Nun wird die neue Produkteinführung abgesagt und unser einziger Investment-Grund schwindet. Wir sollten dies zumindest wissen, damit wir rechtzeitig verkaufen können.

Weisheit 8: Als defensiver Investor sollten wir auf eine konstante Strategie zurückgreifen.

Als defensiver Investor fällt uns die Sache deutlich leichter. Wir können uns zurücklehnen und sollten im Grunde nicht einmal unsere Kurse betrachten. Stattdessen legen wir ein Augenmerk auf Regelmäßigkeit und Konstanz. Das bedeutet, wir entscheiden uns beispielsweise jeden Monat 100 Euro in jede unserer Aktien zu stecken und automatisieren dies vielleicht sogar durch einen Dauerauftrag. Unser Portfolio wird nicht mehr verändert, wir behalten unsere Werte bei und überprüfen jedes halbe Jahr, ob alles mit dem Rechten zugeht. Falls dies bei einem bestimmten Wert nicht der Fall ist, können wir ihn gegen einen anderen sicheren Wert auszutauschen.

Weisheit 9: Sobald wir uns sicher fühlen, können wir durch offensives Investieren hohe Gewinne erzielen.

Wer offensiv investiert, für den sind unterbewertete Aktien die beste Anlaufstelle. Es gilt, sich regelmäßig über aufkommende, vielversprechende Märkte zu informieren, die noch nicht so viele Menschen beachten. Ein gutes Beispiel hierfür sind teilweise sogar die Aktien großer Unternehmen. Als Amazon begann eigene Produkte neben dem Kindle herzustellen und langsam aber sicher den Haushalts- und Technikmarkt zu erobern, spiegelte sich dies noch nicht in dem Wert der Aktie wieder. Wer hier investierte, konnte sein Geld innerhalb von 3 Jahren verdoppeln – im Aktiengeschäft eine äußerst selten auftretende Entwicklung.
Beispiele für suptilere Chancen waren kanadische Cannabis-Aktien, die mit jedem weiteren Staat, des Nachabrs Amerika, der Cannabis legalisierte, an Wert zunahmen.

Weisheit 10: Als offensive Investoren sollten wir gegen den Strom schwimmen.

Wenn andere panisch sind und in Massen verkaufen, ohne dass sich dies durch Hintergrundinformationen rechtfertigt dann sollten wir genauso hellhörig werden, wie wenn aufeinmal jeder einer Aktie hinterherrennt um sie in sein Portfolio zu bekommen.
Als intelligenter Investor kaufen wir dann, wenn alle verkaufen und verkaufen dann, wenn alle kaufen. So bekommen wir unsere Werte zum Dumping-Preis und geben sie zum Allzeithoch wieder ab.
Weiterhin muss jede Entscheidung rational bleiben. Falls ein Wert enorm steigt, jedoch immernoch unterbewertet ist, sollte er behalten werden. Nicht der Preis zählt, sondern das Unternehmen. Nicht das emotionale Handeln der anderen ist von Bedeutung, sondern der kühle Kopf von einem selbst.

Fazit

Das waren die 10 Weisheiten aus Benjamin Grahams 600-Seiten-Epos. Für viele mögen die angesprochenen Punkte selbstverständlich sein, dennoch halten sich die meisten nicht an sie. Das Werk Grahams ist aus heutiger Sicht nicht mehr ganz so spektakulär, doch wenn wir uns einmal vergegenwärtigen, dass er es vor nun bald 80 Jahren veröffentlicht hat, stellen wir fest, dass es gut gealtert ist. Es gibt Anfängern die Möglichkeit, ein sicheres Fundament zu finden, mit dem sie Geld gewinnen anstatt zu verlieren. Auch für erfahrene Investoren ist es interessant, sich die Grundlagen des Investierens ein weiteres Mal zu erschließen.

Ich empfehlen jeden, dem dieser Artikel gefallen hat, ebenfalls Grahams Buch zu lesen.

Solltest du nicht die Zeit haben das gesamte Buch zu studieren, kann ich dir die App “Blinklist” ans Herz legen. In ihr findest du Zusammenfassungen zu dutzenden Interessanten Büchern die du lesen und hören kannst.

Mir hat Blinklist beispielsweise beim Erstellen dieses Artikels geholfen, da ich meinen Fokus so auf die wichtigsten Punkte lenken konnte.

Hinweis:

Ich hoffe, dir hat dieser Artikel weitergeholfen. Behalte bitte im Kopf, dass es sich hierbei um meine subjektive Wahrnehmung handelt und in keinster Weise um eine professionelle Anlageberatung. Investiere kein Geld, welches du nicht bereit bist auch zu verlieren.

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