»Über Geld spricht man nicht«, »Geld ist schmutzig« und »Geld verdirbt den Charakter« – die negativen Glaubenssätze über Geld und Finanzen könnten ganze Kisten füllen. Noch immer sind sie überpräsent und bestimmen den Alltag vieler Deutscher. Über Geld nachzudenken, oder sich um seine eigenen Finanzen zu kümmern, scheint den Meisten so lästig zu sein wie Unkraut jäten. Aber es ist wichtig. Ein hohes Vermögen ermöglicht ein selbstbestimmtes, finanziell sorgloses Leben.

Dabei ist es essentiell, sich mit Finanzen und Geld zu beschäftigen. Die meisten Menschen fangen damit an, sobald sie ihr erstes Geld verdienen, also in ihren Zwanzigern. Manche aber auch danach, oder wenn es ganz schlimm kommt, überhaupt nicht. Allerdings ist das bereits recht spät – die Zeit reicht aus, um fürs Alter vorzusorgen, aber gerade, wenn man den Zinseszins für sich nutzen möchte, gilt: Je früher, desto besser.

Neue Finanzblogs schießen täglich wie Pilze aus dem Boden, der Finanzblogroll freut sich über wachsende Besucherzahlen und die Invest-Messe wird mit Besuchern überschwemmt. Das sind großartige Nachrichten. Es ist ein Zeichen, dass sich immer mehr Menschen um ihre Geldangelegenheiten kümmern. Sie wollen wissen, wie sie ihr Geld gewinnbringend anlegen können. Sie hinterfragen traditionelle Glaubenssätze, wie etwa, dass man für sein Geld stets hart arbeiten muss.

Nach Beth Kobliner, (link siehe unten) die einen Bestseller geschrieben hat, bilden sich die Geldgewohnheiten bereits im jungen Alter von sieben Jahren. In diesem Alter sind also schon tiefsitzende Glaubenssätze und Eigenarten ausgebildet, die zum Beispiel das Sparen betreffen. Wir haben zu dieser Zeit obendrein schon aufgesaugt, was unsere Erziehung uns beigebracht hat, was unsere Eltern und Verwandten über Geld denken oder sagen und was Umfeld und Medien über das Thema »Geld« transportieren. Die ersten Beobachtungen sind gemacht worden: Wie gehen Mama und Papa mit Geld um? Viele Kinder glauben beispielsweise, dass man, wenn man Geld haben möchte, einfach zum Geldautomaten marschiert und einen Knopf drückt.

Selbst im Teenager-Alter verstehen die meisten Kinder nicht, woher Geld kommt, wozu es da ist, warum es uns dient. Sie wissen nicht, wieso einige Familien mehr Geld haben als andere, wie man Geld für sich nutzen kann und wie man damit am Besten umgeht. Im schlimmsten Fall konnten sie bisher auch keine eigenen Erfahrungen mit Geld sammeln. Das führt oft dazu, dass im Erwachsenenalter fatale Entscheidungen getroffen haben, die zum Beispiel in die Überschuldung führen. Viele Eltern, ob mit oder ohne finanzielle Bildung, hadern schwer damit, wie sie ihrem Kind das Thema »Geld« näher bringen können. Wie kann ich meiner Tochter, meinem Sohn zeigen, dass sich Sparen lohnt? Soll ich meiner Tochter, meinem Sohn jeden Monat bedingungslos ein Taschengeld zahlen – und wenn ja, ab welchem Alter? Was soll ich machen, wenn er oder sie kein Geld mehr hat und mich nach mehr bittet?

Die Erziehung zum richtigen Umgang mit Geld ist schwierig und voller Fragezeichen. Dabei wollen wir, dass die nächste Generation mit besseren Voraussetzungen und besserem Wissen ins Leben startet. Das ist eine Aufgabe, die sich Schulen und Universitäten auf die Fahne schreiben – was Finanzbildung angeht, hinken sie leider hinterher. Diese Lücke wird von ehrenamtlichen oder privaten Institutionen geschlossen. Ich denke, wir Finanzblogger leisten keinen unerheblichen Anteil daran, Finanzbildung populär zu machen.

Ich möchte auch einen Beitrag für die Finanzbildung im deutschsprachigen Raum leisten, und habe daher ein Kinderbuch verfasst, das sich mit folgenden Themen auseinandersetzt:

  • Warum ist Geld im Umlauf? Was kann Geld sein? Was sind seine Funktionen?
  • Wie kommt der Preis einer Ware oder Dienstleistung zustande? (Angebot undNachfrage)
  • Warum wird das Geld jedes Jahr weniger wert? (Inflation und Deflation)
  • Was ist der Zins und wieso gibt es ihn?

All diese Themen habe ich allerdings nicht in ein dröges Sachbuch zusammengeschustert, sondern in eine unterhaltsame, fiktive Geschichte gepackt. Dabei habe ich mich für einen klassischen Underdog-Plot entschieden. Der Waisenjunge Joscha Pietsch, ein zwölfjähriger Junge, hat nichts, keinen einzigen Cent, keine Eltern, nur ein Hündchen, das ihm im Heim zugelaufen ist, und das er wegen den Erziehern nicht behalten darf. Kurzerhand entschließt er sich, abzuhauen – um auf der Straße zu leben und sich mit Diebstählen über Wasser zu halten. Ständig ist er auf der Flucht vor den Polizisten, die ihn wieder zurückbringen werden … in eine Welt, in der keiner an ihn glaubt, und schon jede Hoffnung begraben wurde, bevor sein Leben überhaupt angefangen hat. Aber Joscha gibt nicht auf; er glaubt an sich, und nimmt sich schon bald vor, irgendwann zu den »Reichen« zu gehören, viel Geld zu haben, und es allen, die ihn verhöhnt haben, zu zeigen.

Zum Glück begegnet ihm ein goldener Fuchs … und führt ihn in eine fantastische Welt, in der er die Funktion von Geld lernt, und gar eine neue Währung einführt. Am Ende ist er um einiges schlauer, und konnte in dem eigentümlichen, herrlichen Dörfchen, in das er gelandet ist, schon seine ersten Makronen als Drachenwärter verdienen! Verfolgungsjagden und eine böse Königin, die am liebsten alle in den Kerker sperren würde, runden die Geschichte, die von »Alice im Wunderland« inspiriert wurde, ab. Das Buch ist für Kinder im Alter von 8-11 geeignet.

Ein Auszug aus Kapitel 1:

Joscha drückte den Brotlaib so fest an seinen Körper, als hinge sein Leben davon ab. Sein Herz hämmerte gegen seine Rippen und obwohl er schon häufig etwas gestohlen hatte, blieb ihm dieser Nervenkitzel. Vielleicht war das etwas, was niemals verging.

»Dort vorn ist er!«, rief ein Polizist hinter ihm.

Jetzt würde er rennen müssen. Joscha nahm seine Beine in die Hand. Zum Glück war er mit der Zeit außerordentlich flink geworden, denn das musste man sein, wenn man auf der Straße überleben wollte. Er hörte die trommelnden Schritte hinter sich, die sich näherten wie ein daherkommender Zug. Es mussten mehrere sein.

Meine Güte, dachte er sich. Das alles wegen dem bisschen Brot! Er bremste abrupt ab und flitzte in eine schmale Gasse.

»Haltet ihn!«, hörte er sie in der Ferne rufen. Die Passanten auf dem Gehweg wussten nicht so recht, was sie jetzt tun sollten. Die meisten waren stehen geblieben und sahen dem Treiben einfach zu; so war das ja oft.

Mich kriegt ihr nicht, dachte Joscha.
»Bleib stehen, Junge! Er ist ein Dieb! Haltet ihn auf!«, riefen die Verfolger.
Die Menschenmenge in der Gasse verdichtete sich. Ein paar ließen sich von den Rufen dazu hinreißen, sich Joscha in den Weg zu stellen. Aber wie ein Fuchs duckte er sich und sprintete an ihnen vorbei. Er merkte, wie Hände nach ihm schlugen, wie sie ihn am Kragen packen und wegzerren wollten. Aber da kannten sie Joscha Pietsch schlecht.

Die Gasse mündete in eine größere Straße, was gut war, denn hier sammelten sich mehr Menschen und er konnte sich unbemerkt zwischen ihnen hindurchschlängeln. Er setzte sich die Kapuze seines Hoodies auf den Kopf, parierte seinen Gang und pfiff vor sich hin, als wäre alles in Ordnung.

Es war elf Uhr und helllichter Tag. Normalerweise waren Kinder wie Joscha nun in der Schule. Die Polizisten hatten in der Zwischenzeit die Weggabelung erreicht. Als Joscha einen Blick nach hinten warf, sah er, dass ihm vier Beamte auf den Fersen lauerten. Er durfte sich nicht erwischen lassen. Wenn das geschah, würde er wieder zurückmüssen und das wollte er auf gar keinen Fall.

»Da hinten! Da, der Kleine mit der Kapuze!«, hörte er wieder.

Oh nein, dachte Joscha und begann wieder zu rennen. Er jagte über eine Brücke, an Radfahrern und Passanten vorbei. Die Autos, die auf der Straße fuhren, nahm er wie das Surren eines weit entfernten Bienenschwarmes wahr. Sie achteten nicht auf ihn, er achtete nicht auf sie. Am Ende der Brücke befand sich eine steile Treppe; Joscha nahm mehrere Stufen auf einmal, wobei er sich bemühte, nicht zu stolpern. Seine Verfolger hatten hier allerdings Schwierigkeiten. Einer der Beamten holperte, fiel und glitt die restlichen Stufen auf seinem Allerwertesten einfach hinunter. Joscha war am Fuß der

Treppe stehen geblieben, um dieses Ungeschick zu beobachten, doch als die anderen Polizisten herbeieilten, raste er wieder los.

Am Flussufer lief er über die saftig grünen Wiesen, an denen noch der frische Morgentau hing. Der Anblick war wunderschön: Die Blätter der Trauerweiden glänzten im Sonnenlicht, sie waren frisch und grün und tanzten in der kühlen Brise. Die Entenfamilien watschelten zum Wasser, die Mutter voran und die Küken hinterher. Die Kleinen planschten im wogenden Fluss und ließen es sich gut gehen. Aber Joscha hatte keine Zeit. Als er an ihnen vorbeibrauste, sprangen sie empor und wichen ihm flatternd aus.

Als er am Flussufer entlangfegte, hörte er die schweren Schritte stetig näher kommen. Zu seiner Rechten gab es einen steilen Weg hinauf, den er noch nicht kannte. Er überlegte nicht lange, bremste ab und rannte den Pfad hinauf. Doch es war eine Sackgasse.

Drei der Polizisten folgten ihm. Als Joscha am Ende der Sackgasse angekommen war, überkam ihn ein leiser Anflug von Panik. Wenn es ihnen diesmal gelingen sollte … wenn sie ihn kriegen würden …


Fun-Fact: Das zweite Kapitel im Buch ist an ein Interview mit Anton Kreil angelehnt. Die Dokumentation (hier klicken) kann ich sehr empfehlen! In Minute 30 erklärt er, dass viele Menschen nie über das Thema »Geld« nachdenken. Sie statten die Scheine, Münzen und Zahlen mit viel zu vielen Emotionen aus, die sie hindern, ein Vermögen aufzubauen. Dabei müssen wir verstehen, dass Geld nur ein Werkzeug, ein Tool ist, und nichts weiter.

Deswegen war es mir absolut wichtig, mit diesen Basics zu starten, bevor es tiefer ins Thema geht. Das Buch ist exklusiv auf amazon.de erhältlich: Jetzt hier kaufen

Über die Autorin: Anna Prinz beschäftigt sich seit 2016 mit den Themen Finanzen, Geld, Aktien und Vermögensbildung. Seit 2018 schreibt sie regelmäßig Gastartikel für den Blog www.finanziell-frei-mit-30.de von Dominik Fecht. Sie ist unter anna_prinz@gmx.de erreichbar. Ihr Kinderbuch »Joscha Pietsch und das Geheimnis des Geldes« ist exklusiv auf Amazon erhältlich.

Beth Kobliner – Make Your Kid a Money Genius