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5000€ für ein Haus – Warum du vielleicht schon reich bist…

Unser Verhältnis zu Geld ist sehr stark von dem Ort geprägt, in den wir aufgewachsen sind. Es ist eine unausgesprochene Pflicht für Geldhelden, diese Perspektive wieder ins richtige Verhältnis zu rücken. Wer weiß, vielleicht bist du ja sogar schon reich…

Jeder weiß, dass es arme Länder mit armen Leuten gibt. Doch das heißt nicht zwingend, was viele annehmen. Wer bei uns arm ist, ist woanders reich und umgekehrt. Nach über einem halben Jahr in Südostasien habe ich viel gesehen, sowie selbst 20 Tage lang von unter 80€ gelebt und das halbwegs komfortabel. Ausgenommen von wahren Problemzonen, in denen Hunger und Konflikt herrschen, hilft es keinem weiter, ganze Bevölkerungen für arm und hilflos zu erklären, wenn sie es schaffen von 200€ im Monat eine fünfköpfige Familie zu ernähren. Vielmehr können wir von ihnen lernen und unsere eigene Sicht auf die Welt erweitern.

Das Ziel dieses Artikels

Hier geht es nicht nur darum, ein paar nette Anekdoten zu erzählen. Das Ziel ist es, dir durch diese Anekdoten ein Gefühl dafür zu geben, was dein Geld auf der Welt wert ist. Jeder kennt das Klischee des bierbäuchigen Rentners, der seine letzten Lebensjahre unter Palmen mit Frauen verbringt, die seine Töchter sein könnten. Und so abstoßend das auch sein mag, finanziell klug ist es dennoch. Deine “Aufgabe” ist es, dir zu überlegen wie du mit deinem Welt-Geld hantieren könntest. Ich selbst habe es als äußerst motivierend empfunden um Geld zu sparen, glücklicher mit dem zu sein, was ich schon habe und nach mehr zu streben.

Erinnerung 1: Thailand (und Laos)

Beginnen wir in Thailand. Das war das erste Land meiner Reise und natürlich hielt sich die Preisgunst zunächst in Grenzen. Denn ich war als Tourist unterwegs und bekam vorerst nur die Touristen-Seite des Landes zu sehen. Sicher, 5€ für eine Nacht im Hostel und 2€ für ein Mittagessen sind günstig, doch so richtig mischte sich das nicht mit den Angaben die ich von Thais zu ihrem Monatseinkommen bekam.

Als ich dann jedoch in ein kleines Bergdorf kam (der Buß hatte Ventilatoren an der Decke und alle sahen mich seltsam an weil ich der einzige weiße war, der Lust hatte für 1,70€ vier Stunden durchgeschüttelt zu werden) bekam ich endlich Einsicht in das richtige Leben. Ich übernachtete komfortabel in einer Bambushütte über dem Plätschern eines Reisfelds und wurde am nächsten Tag zum Essen mit ein paar anderen Dorfbewohnern eingeladen und was soll ich sagen? Es war ein riesiges Buffet bei dem jeder so viel haben konnte wie er wollte. Bohnen, Sprossen, Hühnchen, Eier, Reis, Nudeln, Pilze, noch mehr Nudeln, hausgemachtes Chili, gebackenes Wasauchimmer und noch ein paar andere Sachen, an die ich mich nicht erinnere. Aus Gastfreundschaft (und vielleicht auch weil es so gut schmeckte und ich befürchtete so bald kein Essen der Art mehr zu bekommen) aß ich alles was mir angeboten wurde (eine ganze Menge) bis mein Magen weh tat und trank dazu Milchtee. Meine Gastgeber aßen nicht ganz so viel wie ich und wir brachen bald wieder auf. Als es darum ging, den Anteil unseres Essens zu bezahlen, kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Die Familie erhielt 30 Bath um die Kosten zu decken. Das sind 10 Bath pro Person, oder auf Deutsch: 25 Cent.

Dass alles so günstig ist, hat allerdings auch seine Schattenseiten – wie ich in einer armen Stadt in Laos feststellen musste. Ich litt unter den selben Syntomen, die bei Malaria auftreten und da ich nahe dem gelben Fluss war (dem Hotspot für Malaria) machte ich mir schon bei den ersten drei Sorgen. Als ich dann eine fiebrige, schlaflose Nacht später 5 von 6 aufwies, ging ich schnurstracks zum Krankenhaus um mein Blut überprüfen zu lassen (“Malaria Blood Check, Khrap.”). Dort sprach keiner der Angestellten Englisch, weshalb ich mich mehrfach versichern musste, ob ich die Übersetzung des herbeieilenden Patienten wirklich richtig verstanden hatte. Nach fünfmaligem Nachfragen war es dann klar: Man wollte mich 6 Stunden warten lassen, damit man eine Wartegebühr kassieren konnte und mir anschließend eine Anti-Malaria-Creme verkaufen. Was den Blutcheck anging, so war niemand anwesend, der Blut abnehmen (!) konnte. Ich wusste nichtmal ob ich Malaria hatte, dafür aber, dass wenn ich es hatte keine Creme der Welt helfen würde und man musste auch kein Arzt sein um das zu wissen.

Was auch immer man mir da verkaufen wollte, man riskierte, dass ich starb nur um sich insgesamt knapp 8€ zu erschleichen. Ich fuhr dann für eben jene 8€ zurück nach Thailand und erfuhr dort, dass es eine harmlose verwandte Krankheit war.

Erinnerung 2: Malaysien

In Malaysien landete ich bei Couchsurfing einen Treffer uns war vollkommen überrascht als ich den mir gegebenen Ort erreichte. Mich erwarteten dort ein Tor-Wächter, ein Pool und ein riesiges Loft im neunten Stock. Malaysien ist (zumindestens um die Hauptstadt herum) kein allzu armes Land und dennoch erfuhr ich, dass dieses Loft, in dem mit Leichtigkeit 6 Leute übernachten konnten, ca 300€ pro Monat kostete. Für 300€ im Monat bekam ich hier, was in Deutschland mindestens 2000€ gekostet hätte.

Erinnerung 3: Vietnam

Als sich ein Orkan für die nächsten Tage ankündigte und ich das als Zeichen ansah, die hohen Wellen vor dem Sturm zum surfen ohne Surfbrett zu nutzen (respektive mich von den Wellen umherwerfen zu lassen) traf ich einen Australier. Bei einem grässlichen Kaffee der so süß war, dass er zwischen den Zähnen kleben blieb, erfuhr ich ganz nebenbei was man in Australien für dies und das zahlte und fiel aus allen Wolken. Sofort musste ich an die Schweiz mit ihren 7€-Kaffee denken und lag damit schon sehr nah dran. Er erklärte mir dass ich doch nach Australien kommen könne, schließlich würde ich dort als Ferienjobber für Kistenschleppen, Kellnern oder Tierpflege mindestens einen Stundenlohn von 17€ erhalten. Als ich dann noch Geschichten aus Neuseeland hörte wurde mir klar: Deutschland steht in Sachen Geld auch nicht grade an der Spitze.

Erinnerung 4: Indonesien

Ich schätze die Kultur in Indonesien sehr. Abseits der Touristen-Zentren waren die Leute aufrichtig freundlich und unterhielten sich angenehm normal mit mir. Ich wurde weder übertrieben gut, noch schlecht behandelt und konnte mich ganz menschlich eingliedern. So erfuhr ich sehr viel und gewöhnte mir mit der Zeit einen sehr ähnlichen Lebensstil an. Ich blieb eine ganze Weile dort, duschte mit einem Eimer auf 1m² und aß in den Straßenrestaurants, die jegliche Speisen vollkommen mit Chili und Knoblauch überdecken müssen, damit sich dort keine Tiere und Bakterien tummeln. Meine Gastgeberin galt in ihrer Gegend als wohlhabend, zahlt jährlich 7 Millionen Rupien für ihre 1-Zimmer Wohnung (Bett, Schreibtisch, ein freies Stück Fußboden). Das sind ungefähr 460€. Wir gingen gemeinsam ins Kino (2€ an Wochentagen), aßen All-you-can-eat (1,5€) und fragten bei einem wunderschönen Homestay nach, wie viel der Besitzer für den Bau ausgegeben hatte. Es waren knapp 5200€. Für den Bau eines verdammten Hauses. Noch irrsinniger wurde das Ganze dann, als ich beobachtete wie viele auf das iPhone X sparten, das sie mit Import knapp 1300€ kosten würde. Für das Geld würde ich mir lieber 5 Mopeds kaufen…

Erinnerung 5: Japan

Wieder zurück in einem Land mit westlichen Standards schleiche ich mich zur Zeit regelmäßig nach 21 Uhr in den Supermarkt um Lunchboxen zum halben Preis zu bekommen – sonst ist mir das einfach zu teuer. Die meisten geben hier tausende Euros in ein paar Wochen aus, mit aller Sparkunst schaffte ich es auf 600€ im Monat. Diesen Monat werde ich vorraussichtlich das erste Mal unter 500€ kommen und kann mir immernoch alle paar Tage den Sake im Glas leisten. Die günstigen Hostels hier, würden immernoch zu den guten in Vietnam gehören und ungefähr das Selbe kosten. Es kommt natürlich auch immer auf die Stadt an…

Fazit:

Sei dir immer bewusst, dass dein Geld woanders mehr oder weniger wert ist (meistens jedoch mehr). Begegne anderen Kulturen und lerne von ihnen. Du wirst sowohl Geld, als auch deine eigene Arbeit mehr schätzen. Von dem Singapur-Dollar den jemand auf die Straße gewofen hatte, habe ich mir in Indonesien 15 Liter Trink-Wasser nachfüllen lassen. Nun stell dir vor, was du alles mit einem Monatsverdienst von 2500€ machen kannst.

2 Kommentare

  1. Andreas sagt

    Klasse Artikel und sehr wahr! Vorallem finde ich spannend, dass du abseits der Zentren warst! Ich selbst habe mich immeri n den Zentren aufgehalten (Beispiel Bali in Canggu) und mich gewundert wie teuer es im Verhältnis zum Durchschnitsseinkommen des Landes ist. Selbst wenn man länger vor Ort bleibt, werden die Preise zwar günstiger, doch deutlich über dem Durchschnitt muss man schon verdienen. Auch wenn teuer relativ ist (denn es kommt einem ja nur teuer vor, weil man es günstiger kennt oder einfach ein geringeres einkommen hat als das, dassman für diese Preise benötigen würde), macht es sehr viel Sinn, weniger auszugeben und trotzdem einen guten (noch schöneren) lifestyle zu haben 🙂

    • Alexander M Koch sagt

      Danke für die tolle Rückmeldung Andreas – Freut mich sehr!
      Wenn diese Art des Reisens was für Dich ist, kann ich Dir sehr Flores Island empfehlen. Lade dir einfach Traveloka runter, suche den günstigen Flug nach Labuan Bajo heraus (von Bali oder Jakarta aus ca. 30-50€). Bleib nicht in Labuan Bajo (ist eine ziemliche Touristenfalle, weil dort alle nach Komodo Island wollen), sondern miete dir dort einen Roller (handele auf 75k pro Tag runter). Miete ihn dir für ca eine Woche – 10 Tage und fahr den Weg Richtung “Ende”. Zwischendurch kommen immer wieder kleiner Städte und Orte, es ist wunderschön und mehr als 1-2€ pro Mahlzeit und 5€ pro Übernachtung zahlst du auch nicht. An manchen Straßen wird Arak verkauft (unglaublich lecker). Du kannst dich erstmal vergewissern, ob die Herstellung sauber abläuft und dann eine Falsche kaufen (2-4€ pro Liter). Hab noch schöne Reisen :)!

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